Hier wäre mal wieder weniger mehr gewesen, aber Takashi Miike ist sicher der letzte, dem man das sagen könnte. Fröhlich wird alles zusammengerührt, was der CGI-Mustopf so hergibt, übrig bleibt, wie hier schon treffend gesagt wurde, ein Kinderfilm, der für Kinder etwas zu hart, aber für Erwachsene in jedem Fall zu infantil sein dürfte. Die FSK 16-Freigabe ist in unseren Tagen unglaublich ambivalent - kaum zu glauben, dass Miikes quietschbunter Dämonen-Comic in der gleichen Schublade landet wie "Final Destination 2", "Creep" oder "Slither". Es geht um einen jungen sensiblen Knaben namens Tadashi, der in der Schule gepiesackt wird, bis ihn ein Ritual zum Kämpfer gegen das Böse kürt. Ehe er sich's versieht, tritt der Ernstfall ein und eine Armee bestehend aus einem Dämonenfürsten namens Kato, einem Haufen Blechroboter und der anhimmelungswürdigen Chiaki Kuriyama als Dämonin Agi plant die Vernichtung der Menschheit.
Der zivilisationskritische Anteil der Handlung kann sich leider wie so vieles in diesem Film nicht entfalten. Wie ab und zu erwähnt wird, ist die Menschheit aufgrund ihres Wegwerfverhaltens in den kritischen Blick dämonischer Mächte geraten. Alle möglichen liegengelassenen Gegenstände sind auf einmal von Geisterkraft beseelt und formieren sich zu einem verzeihenden und einem rachesuchenden Lager. Hinzu kommen Dämonen wie der einbeinige Schmied und der Bohnenzähler, die vielleicht aus der fernöstlichen Mythologie herrühren. Eine Schlüsselrolle unter den guten Dämonen spielt eine zum Leben erwachte Puppe, die einst ins Wasser geworfen wurde - um sie hatte sich der Anführer der bösen Seite einst vergeblich bemüht. Das sind alles sehr interessante Erzählansätze, aber leider scheint Miike nicht der Mann zu sein, der sie sorgfältig ausführt und ihnen Plastizität verleiht, sondern alles verbleibt auf Andeutungsebene - die entstehenden Lücken werden genutzt, um noch mehr Dämonen, ergo noch mehr Spezialeffekte wortwörtlich in die Schlacht zu werfen und ein großes Durcheinander unterschiedlichster Erzählansätze zu schaffen. Dazu gehört auch das menschliche Umfeld von Tadashi, das insgesamt kaum ausgeleuchtet wird. Da gibt es einen Großvater, einen verstorbenen Bruder, einen aufgekratzten Journalisten, der immer wieder mal mit stark übertriebenem Spiel ins Bild gehüpft kommt und in einer unklaren Beziehung zu Tadashi sowie der lebendigen Puppe steht (solltet ihr letztere mal treffen, lasst euch gesagt sein, es bringt immer was, wenn man an ihren feuchten Schenkeln reibt). Eine weitere verzwickte Beziehungskiste ist die zwischen Agi und Kato. Agi träumt davon, mit Kato eine Art Dynastie zu gründen, aber für Kato ist sie lediglich ein Werkzeug, um Macht zu erlangen. Chiaki Kuriyama ist in diesem Film mal wieder absolut sehenswert und letztlich für mich der einzige klare Schauwert des Streifens. Durch ihre einzigartige Physiognomie und ihr Charisma könnte diese Dame vermutlich jeden noch so schlechten Film retten. Jetzt gerate ich aber ins Schwärmen - bei einem Film, der dafür insgesamt leider zu wirr geraten ist und seine schönen Erzählansätze ins Leere laufen lässt. Kein unsympathischer, aber auch kein besonders hervorhebenswerter Film.