"If that's the best you got, I'm just gonna have to kill you."
Mit "Glimmer Man" wagte sich Steven Seagal auf neues Terrain. Nicht reiner Actionfilm und auch nicht Rachethriller, ist so etwas wie ein Mysterykrimi mit Actioneinlagen dabei rausgekommen. Nach seinen letzten Filmen, war ein Genrewechsel auch endlich mal an der Zeit.
L.A. wird von einem Killer heimgesucht, der auf grausige Weise Ehepaare umbringt. Unfähig die Bedrohung aufzuhalten fordert die Polizei Verstärkung an. Die erscheint in Form von Jack Cole (Steven Seagal), der auch gleich sein Können bei einer Geiselnahme beweist. Um den eigentlichen Fall zu lösen, steckt man ihn mit dem Cop Campbell (Keenan Ivory Wayans) zusammen. Doch als Coles Ex-Frau ermordet wird, fällt der Verdacht zunächst auf ihn. Nachdem Campbell ein wenig Licht in COles Vergangenheit gebracht hat, raufen sich beide zusammen und kommen einer weitaus größeren Organisation auf die Schliche.
"Glimmer Man" hat mich persönlich wirklich überrascht. Nicht nur das der Film aus dem typischen Seagal-Muster bricht, sondern vielmehr Seagal selbst, der hier wohl seine beste Performance seit Beginn seiner Karriere abliefert. Was ihm bis dato immer gefehlt hat, war eine gewisse Leichtigkeit in seinem Spiel (Gutes Beispiel ist die Szene in der Seagal dem Mafiaboss einen Besuch abstattet und erstmal einen Bissen vom Teller nimmt). In "Glimmer Man" kommt diese endlich mal zum Vorschein. Als Jack Cole kann Seagal nicht nur die Bösen verhauen, (das tut er natürlich auch) sondern endlich mal etwas mehr zeigen. Schon fast mit einem Hauch Selbstironie spielt Seagal den buddhistischen, ehemaligen CIA-Agenten, der mit seiner Art ständig den Leuten und vor allem seinen Partner auf die Nerven geht. Ich bilde mir ein, das sogar hin und wieder ein Lächeln über sein Gesicht habe huschen sehen. Dazu kommt dann noch Keenan Ivory Wayans als Sidekick, der zwar nicht ganz das komödiantische Talent seines Bruders hat, aber als Sprüchelieferant und Seagal-Supporter dennoch überzeugt. Wenn sich die beiden ungleichen Charaktere gegenseitig die Sprüche um die Ohren hauen, oder Wayans fassunglos zuschaut, wie Seagal 3 Gegner auf einen Streich ausknockt, bleibt kein Auge trocken.
Doch neben den Comedy-Einlagen, wie sollte es auch anders sein, gibt es nebenher noch richtig was auf die Mütze. Neben den typischen Steven Seagal Kämpfen, die trotz körperlichem Abbau Seagals, immer noch top aussehen, bekommt man noch tolle, wenn auch kurze Shoot-Outs und schicke Explosionen. Auch überzeugen kann Keenan Ivorys Kampf gegen einen Auftragsninja, der in einer brennenden Wohnung stattfindet. Setzt der Ninja auf Martial Arts, konnters Keenans Charakter mit Straßenkampf-Techniken und roher Gewalt. Die Action ist nicht so zahlreich wie in früheren Seagals, aber dafür professionell gefilmt und choreographiert.
Auch in den sonstigen Bereichen kann "Glimmer Man" überzeugen. Kameraarbeit, Sound, Regie und Produktion sind nicht zu bemängeln und bewegen sich stets auf hohem Niveau.
Mit seinem Ausflug in ein anderes Genre hat Seagal vielleicht zum letzten Mal in seiner Karriere alles richtig gemacht. Was am Ende dabei herauskam, ist ein hochkarätiger Krimi mit tollen Actioneinlagen, einem beinharten Gewaltgrad und einem gut aufgelegten Ermittlerduo, das sich die Bälle wie am Laufband zuspielt.
9/10