Anno 1996 in einer Sneak Preview des UCI in Bochum: Welcher Film gezeigt wurde, weiß ich nicht mehr, eine Sache werde ich allerdings nicht vergessen. Vor dem unbekannten (und mit hoher Wahrscheinlichkeit schlechten) Film gab es den Trailer zu "Glimmer Man". Um das Folgende zu verstehen muß man wissen, welchen Stellenwert Steven Seagal zu diesem Zeitpunkt hatte. Mit Produktionen wie "Nico", "Hard to kill" oder auch "Das Brooklyn Massaker" hatte sich Steven Seagal in die erste Liga Hollywoods gekloppt, was er auch 1992 mit "Alarmstufe Rot" eindrucksvoll unter Beweis stellte. Nach diesem gelungenen "Stirb Langsam"-Rip Off gehörte Seagal in die erste Liga der Actionhelden Hollywoods und konnte dieser Bürde mit keinem seiner folgenden Filme gerecht werden. "Auf brennendem Eis", bei dem er auch Regie führte, enttäuschte auf ganzer Linie, obwohl (oder eher gerade weil) Seagal neben seinen Knochenbrecherqualitäten sein Umweltbewusstsein entdeckte und dieses in diesem uninspirierten Actioner auslebte. Auch "Alarmstufe Rot 2" konnte überhaupt nicht überzeugen, sondern verstärkte Seagals Ruf als Zementgesicht noch weiter. Auf diesem Stand war das Publikum des Bochumer UCIs, als eben der Trailer zu "Glimmer Man" über die Leinwand flimmerte. Ein typischer Actiontrailer war das, der mit einer typischen und tiefen Männerstimme unterlegt war. Schon als Seagal das erste Mal auftauchte, wurde das Publikum unruhig. Als dann auch noch der typische Satz "... er ist der... Glimmer Man" kam, war es mit der Ruhe essig. Höhnisches Gelächter aufgrund des stereotypen Trailers sowie des ungewöhnlichen Titels brandeten im Kino auf... DIeses prägende Erlebnis verhinderten über 10 Jahre eine Sichtung dieses Filmes meinerseits.
Nachdem ich diesem Film vor kurzem dennoch eine Chance gegeben habe (10 Jahre sind genug), fiel mir auf, dass der Film keineswegs so schlecht ist, wie es das Bochumer Publikum damals wohl gedacht hat. Zudem fiel mir auf, dass sich die Erwartungen an einen Mainstreamactioner doch sehr geändert haben in diesen Jahren.
"Glimmer Man" ist nicht mehr, aber auch nicht weniger, als ein solider Actioner mit einem Seagal, der noch in Form war, verpackt in eine nachvollziehbare und halbwegs packende Story. Von der Machart her, entspricht der Film am ehesten Seagals früheren Produktionen, wie "Nico" oder auch "Hard to kill". Seagal als Cop, der einen Fall lösen und böse Buben plattmachen muß. Dabei gibt es Verfolgungsjagden und typisch explizit dargestellte "Bösewicht-Exekutionen", eine Mixtur, der der etwas ältere Actionfan durchaus nachtrauert, vor allem da sie mit handgemachter Action einhergeht und sich nicht durch over the top CGI-Sequenzen auszeichnet, deren Realismusgrad gegen Null geht. Insofern kann man festhalten, dass Qualitäten deren man früher überdrüssig war, heutzutage durchaus wieder gefragt sind (anders lässt es sich nicht erklären, dass man den heutigen Seagal-, van Damme- oder auch Snipes-Filmen immer wieder eine Chance gibt, mittlerweile allerdings auf einem spürbar niedrigeren Videoniveau).
Vermischt wurde das Geschehen in "Glimmer Man" mit einer Serienkiller-Thematik, die nach dem Erfolg von "Sieben" in den Actionalltag von Dampframme Seagal eingeflochten wurde, dabei allerdings zu kurz kommt. Das ist schade, denn ein wenig mehr dieser Serienkiller-Atmosphäre (wie am Anfang des Filmes angedeutet), hätte "Glimmer Man" etwas aus dem Action-Einerlei herausgeholfen. Die Macher verließen sich aber lieber auf ein anderes (allerdings unoriginelles) Rezept: das Buddy-Movie. So bekommt Seagal Keenan Ivory Wayans zur Seite gestellt, ganz nach dem Motto: "Ein Schwarzer und ein Spinner sind immer die Gewinner". Was bei Glover / Gibson oder Willis / Wayans geklappt hat, sollte doch auch bei Seagal / Wayans funktionieren... Tut es auch durchaus, doch heraus kommt eben ein Kino der Zitate, bei dem auch die standesgemäß flotten Sprüche keine großen Überraschungen bereithalten.
Aus den genannten Gründen fiel der Film damals ziemlich durch, ist aber heute wieder sehenswert. Kurz gesagt: Er ist retro auf eine gute Art und Weise. Während dem Pummel Seagal mittlerweile für halbwegs gelungene DTV-Actioner, wie "Into the Sun" auf die Schultern geklopft wird, wäre ein "Glimmer Man" heutzutage eine Offenbarung, eine Rückkehr zu alten Stärken. Also kann ich nur einen Aufruf an alle anderen Besucher der Sneak-Vorstellung in Bochum starten, die diesen Trailer ausgelacht haben: einfach doch mal "Glimmer Man" anschauen und einen Actioner der "alten Schule" entdecken. Besser als die DTV-Kost der alten Recken ist "Glimmer Man" allemal.
Fazit:
7 / 10