Review

Nach seinem exzellenten Erstling “Subconscious Cruelty“ inszenierte Karim Hussain in Zusammenarbeit mit Julien Fonfronde den eigenwilligen Kurzfilm “The City Without Windows”. Hierbei handelt es sich um ein experimentelles Meisterstück, welches sogar die Optik des überragenden Debüts noch in den Schatten stellen kann.

Angesiedelt wurde die Handlung in einer unbestimmten, apokalyptischen Zukunft und verbindet auf grandiose Weise Science-Fiction und Fantasy mit avantgardistischer Kunst. Eine lineare Story existiert zwar, wichtige Details oder komplexe Handlungsstränge werden allerdings vorenthalten, was aber leicht erklärbar ist: „The City without Windows“ steht in direkter Verbindung zu Hussains nachfolgendem Werk „Ascension“ und wird erst durch diesen Langfilm verständlich.

Die Richtung die Hussain in diesem kleinen Werk einschlägt erinnert sehr an die avantgardistischen aber auch surrealistischen Büchern der modernen Sci-Fi, beispielsweise das Meisterwerk „Im Land der letzten Dinge“ von Paul Auster, filmisch lassen sich nur schwer Vorbilder erahnen; Cronenberg, Lynch oder Jodorowsky könnten gewisse Einflüsse gehabt haben, letztlich handelt es sich aber um einen sehr innovativen Film.

Die Optik kann ich nur als beeindruckend bezeichnen, die Sets wurden sehr ansprechend und detailliert gestaltet, die Ausleuchtung und Kameraführung sind wie für Hussain üblich geradezu brillant. Auch schauspielerisch kann man nichts aussetzen, abverlangt wird den Darstellern von vorne herein nicht zu viel, wie der komplette Stil des Films es vorgibt agieren sie sehr statisch, emotionslos und kalt.

Wie schon “Subconscious Cruelty“ ist auch "The City Without Windows" symbolüberfrachtet und bietet etliche verschiedene Interpretationsansätze. Jedenfalls lässt sich sagen das mit einfachen Mitteln eine beängstigend glaubwürdige Endzeit-Atmosphäre kreiert wird - Bezüge zur Gegenwart gibt es dabei genug, wie es sich für intellektuelle Science-Fiction gehört.


Fazit: Fantastischer Kurzfilm der Lust auf mehr macht und die Messlatte für „Ascension“ sehr hoch legt.Anspruchsvoll, schwer verständlich und dennoch faszinierend, muss man gesehen haben wenn man sich auch nur ansatzweise für Underground-Filme begeistern kann.


09 / 10

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