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Das unheilvolle Gespann Rankin/Bass („Das Letzte Einhorn“) adaptiert Tolkien, die heilige Kuh der High-Art-Fantasy, fürs japanische und kanadische Fernsehen. So schlimm es sich auch anhört – es kommt noch dicker als gedacht…

Als Literaturverfilmung ist „Der Hobbit“ nichts anderes als eine Beleidigung – dem reichhaltigen, sprachlich so üppigen Schreibstil Tolkiens dermaßen einfache Zeichnungen und naiv designte Charaktere entgegen zu setzen ist nichts anderes als vermessen und am Ziel vorbei geschossen. Weder die einfallslose Farbgebung noch die kitschigen Landschaftsbilder, nichts kann den Zauber der Vorlage auch nur für einen Moment einfangen. Von der Umgebung ist aber ohnehin nicht viel zu sehen da die Kamera geradezu penetrant nah am Geschehen ist und kaum weite Blickwinkel aufbietet. So verkommt die eigentlich facettenreiche Odyssee des Hobbits Bilbo zu einem lachhaften Kammerspiel, das mit viel zu vielen geschwätzigen Dialogen langweilt und kein Tempo entwickeln kann beim episodenhaften Abhaken der einzelnen Reiseetappen.

Die reichlich unsympathischen und dazu noch weitgehend unbehaarten Hobbits, deren Zeichnung sich nur ansatzweise am Romantext orientiert, werden nur noch übertroffen von den albernen Orks, deren Aussehen an gigantische Killerkröten gemahnt. Wie bei Rankin/Bass üblich, wird auch noch der letzte Rest Spannung ausgemerzt mit peinlichen musikalischen Momenten, deren erhoffte heroisierende Wirkung gänzlich ausbleibt. Da können selbst die renommierten Synchronsprecher, unter ihnen Otto Preminger und John Huston, nichts mehr gegen einen Totalausfall ausrichten – die großen Namen haben dem letzten Einhorn einige Jahre später aber auch keinen Reiz verliehen, keine Überraschung also.

Das die Vorlage Federn lassen muss für ein solches Projekt liegt auf der Hand – leider beweist der Film aber kein Gespür für ein eigenes Rhythmusgefühl, erzählt lustlos die Eckpunkte nach und wartet immer wieder mit penetrantem, schlecht interpretierten Liedgut auf. Die Musik orientiert sich unverkennbar an amerikanischer Folkmusik der späten Siebziger, „The Hobbit“ ist also zu allem Überfluss auch noch untrennbar mit seiner Entstehungszeit verbunden.

Wenn der ganze Zirkus dann zu Ende ist fühlt man sich aber nicht nur als Kenner der Vorlage an der Nase herum geführt – der schlichte, unausgereifte Stil dürfte auch keine neuen Fans an Land geholt haben. Im Gegenteil, man könnte denken, „Der kleine Hobbit“ von Tolkien ist ein ebenso kitschiger Müll und man könnte die Vorlage erst gar nicht in die Hand nehmen. Auch irgendwie eine Leistung.

Fazit: Rankin und Bass schänden einen der schönsten Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur, glücklicherweise ist dieses Schundwerk wie die meisten anderen Werke des Duos tief im Giftschrank der Filmgeschichte verschollen. Selbst als das Franchise mit der Verfilmung durch Peter Jackson gigantomanische Ausmaße annahm wurde weder der Hobbit noch die Rückkehr des Königs ausgepackt. Animationsgurken zum Abgewöhnen, selbst Genrefans suchen angesichts dieser Pleiten-Pech-und-Pannen-Show schnell das Weite.

01 / 10

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