Review

Nichts gegen einen hübschen Schmachtfetzen, aber dabei wird leider immer wieder übersehen, daß eine Schmökerschnulze, die die Damenwelt zu Tausenden dahingerafft hat, nicht unbedingt auch einen guten Film abgibt.

Das trifft auch auf diese "Flaschenpost" zu, die nicht nur die unendliche Leidensfähigkeit seiner Charaktere, sondern auch die des Publikums bis zur Neige auslotet. Vielleicht hat Nicholas Sparks' Bestseller auch einfach zu wenig dramatisches Potential, um einen spartenübergreifenden Massenappael zu bewirken.

Trotzdem schön ist die Ausgangssituation, in der die von der eigenen Scheidung gebeutelte Robin Wright (trotz viel Mühe, leider immer ein beliebig austauschbares Gesicht) eine Flaschenpost mit Liebeselegie an eine verstorbene Ehefrau erhält. Da sie zufällig Reporterin ist, greift die gerührte Redaktion zu FBI-Methoden, um den Schreiber zu identifizieren. Drei Briefe werden insgesamt aufgestöbert und der Verfasser ist ein wortkarger Kevin Costner, der in einem Küstennest Schiffe überholt, sich selbst vom Todesfall aber nicht erholt.

Natürlich kommt es, wie es kommen muß: die brauchbare Story wird wahren Gefühlen geopfert, als Seelenverwandtschaft festgestellt wird. Die tote Ehegattin hat immer noch ihren Zimmeraltar, das gemeinsame erste Boot nie fertiggebaut und mit der Familie liegt der trauernde Gatte in Zwietracht.

Ich kann jetzt positiv berichten, daß die knospende Liefesaffäre in wunderschöne Aufnahmen von Meer und Küste gekleidet wurde, still und anrührend. Nur: es ist schon zu anrührend.
Luis Mandoki schwelgt dermaßen in seinen schwebenden Bildern und in seiner zart schwebenden Musik, daß er darüber fast vergißt, daß er auch noch eine Geschichte zu erzählen hat.

Das resultiert in langen Blicken, großer Stille, tiefen Gefühlen und, für den Zuschauer, unendlicher Leere. Man kann den Schmerz auf den Gesichtern wirklich sehen, doch allein das ist nicht abendfüllend. Costner wirkt ungewohnt steif auf dem gänzlich romantischen Terrain, geradezu hölzern unbeholfen in zahlreichen Sequenzen und die Dialoge kommen wie mit der Brechstange bemüht.

Das ändert sich auch kaum, als der Landmann zum Gegenbesuch nach Chicago reist, wo ebenfalls nichts los ist, bis er denn hinter die Wahrheit kommt und die Flaschenbriefe noch eine (die einzige) Überraschung überhaupt beinhalten.

Wer jetzt die Kehrtwendung erwartet, wird überrascht, denn nun friert der Film wirklich ein oder ersäuft in schmalzigen Klischees, wenn Costner wieder zum Schiffshobel greift, sich mit der Family aussöhnt und einen Wandel im Denken durchmacht. Doch das dicke Ende kommt erst noch und weil eine Katharsis nicht reicht, gibt's dann die Tragödien daraufhin im Dreierpack, Tränen galore.

Weil jedoch kaum einzusehen ist, warum ich mir einen Film ansehen soll, an dessen Ende alle tot oder unglücklich sind (der Bootsunfall ist von ein peinlichen Ungeschicktheit in punkto Inszenierung), bringt der Schluß zwar herzige Gewißheiten, endet alles aber im Grunde schlimmer als es angefangen hat.

Leider ist eben auch kein Schauspieler dabei, der das Ganze auf ein erträgliches Niveau hebt. Costner ist zu unbeweglich, um an ihn irgendwas zu finden, Wright zu blaß, nur Paul Newman reißt mit seinen Szenen als Costners Vater so einiges raus, auch wenn seine Rolle wahrlich nicht besonders geschrieben ist. Daß er jedoch mehr Filmgefühl im kleinen Finger hat, als Costner jemals aufbringen kann, ist überdeutlich. Ein verschwendeter John Savage steht überdies meistens stumm in der Gegend herum. Einziges Restglanzlicht ist Robbie Coltrane als Wrights Chef, ein sanft-ironischer Gegenpunkt, aber wie das ganze Geschehen ohne Ecke oder Kante, an der man sich mal stoßen kann, damit der Schmerz einen ins Leben zurückrufen kann.

Zwei Stunden tiefe Gefühle und noch tiefere Trauer - aber gefühlsmäßig kommt nichts bei mir an. Vielleicht ist ja das Buch besser. (4/10)

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