Die Neuauflage, das Wiederaufwärmen von Wes Cravens „Last House on the Left“ gehört zu jenen Beiträgen, die den Sinn des Originals weitgehend verkannt haben.
Die Verbreitung einer beklemmenden Atmosphäre, des Terrors und der Hilflosigkeit aus Sicht der Opfer bedürfen nichts zwangsläufig expliziter Gewaltdarstellungen.
Die andere Seite der Medaille ist: Die FSK hat bereits dafür gesorgt, dass dem deutschen Publikum keine Folterszenen vorgesetzt werden, - offenbar sind die im Vorfeld auf den wagemutigen Slogan des „verstörendsten Film, der je gedreht wurde“ aufmerksam geworden und haben einfach mal wild die Schere angesetzt.
Aber auch ohne Einschreiten der FSK würde dieser Streifen kaum seinen angestrebten Terror verbreiten.
Eingefleischten Horror-Fans dürfte die Story hinlänglich bekannt sein, da sie im Vergleich zum Original nur geringfügig verändert wurde. Emily und Angelica starten am Nachmittag zu einem Rave in die Wälder, als sie einen Typen anquatschen, von dem sie sich Drogen erhoffen. Blauäugig folgen sie dem Fremden zu einer abgelegenen Waldhütte, in der Verbrecher Chaos und sein Redneck-Gefolge warten.
Zunächst hat man es mit drei Handlungssträngen zu tun: Die Girlies bei den Vorbereitungen und dem Weg zur Party, die Verbrecher, welche per Falle zwei Typen kalt stellen und ausrauben und kurz darauf die besorgten Eltern, die sich bereits kurz nach der Abreise von Emily Gedanken machen.
Alle drei Elemente kommen nicht über oberflächliche Darstellungen hinaus. Die Teens sind einem nahezu gleich, weil sie von Beginn an schlicht unglaubwürdig naiv handeln, während die Eltern, allen voran die Mutter völlig überzogen dargestellt werden.
Etwas besser gelingt die Figurenzeichnung bei den Übeltätern, da sind die Machtpositionen klar verteilt und durch einige recht dreckige Dialogpassagen will sich auch ein ungutes Gefühl gegenüber allem anstehenden einstellen.
Was jedoch folgt, ist eine recht unterkühlt distanzierte Abwicklung notwendiger Abläufe, ohne zu irgendeinem Zeitpunkt ordentliche Spannung aufkommen zu lassen.
Das ist Mitfiebern auf Sparflamme, wenn eine nach erfolgreicher Flucht die Schreie der anderen wahrnimmt, ohne einschreiten zu können oder die Eltern schließlich die Cops alarmieren, obwohl man weiß, dass die erstmal keinen Anlass sehen werden um einzuschreiten.
Der Stoff appelliert schlicht an die Urinstinkte des Zuschauers: Wenn sich zwei Mädchen gefesselt auf dem Waldboden winden und unaufhörlich schreien, geschieht großes Unrecht.
Entsprechend schleicht sich auch so etwas wie Hilflosigkeit gegenüber der Situation ein und gleichzeitig zerrt es doch nicht so an den Nerven, wie es die Macher gewiss beabsichtigt haben, weil man, wenn man das Original kennt, ohnehin weiß, wie die Sache endet.
Anders verhält es sich da mit dem Finale, welches dann doch ein wenig umgestaltet wurde, - zu Lasten der Logik allerdings und zu Ungunsten eines unbefriedigenden Gefühls beim Zuschauer, denn die finale Kettenreaktion hätte man sich vom Ausgang her anders gewünscht.
Die Rednecks wollen also nur mal wieder etwas Spaß haben, die bömbeln zur Not (und nach eigenen Angaben) auch kleine Pelztiere, wenn denn gerade mal keine naiven Tussen greifbar sind. Die unverhohlene Kopie von Cravens Klassiker ist vielleicht nicht einmal das auffälligste Manko, sondern eher die Tatsache, dass dieser Streifen kaum Eigenständigkeit aufzeigen kann und sich von der Masse aktueller Terrorfilme kein Stück abhebt. Denn, wenn Dad während der Figureneinführung mit der Kettensäge hantiert, ist schon klar, dass er sie zum Showdown höchstwahrscheinlich erneut auspacken wird.
Zwar entstehen während der kurzen Laufzeit von 70 Minuten (cut) keinerlei Längen, jedoch bleiben auch Höhepunkte aus, die in irgendeiner Form in Erinnerung bleiben könnten.
Darstellerisch okay, inszenatorisch unauffällig bis unsicher ist dies ein typischer Fall von: Besser noch mal das Original ansehen.
3,5 von 10