Chaos
(Sunfilm)
Wie soll man einen Film neutral besprechen, der ein quasi-Remake eines meiner absoluten Favoriten ist, allerdings sehr minimal budgetiert, dafür jedoch einiges an Prominenz zu bieten hat (Sage Stallone – Rocky V, Daylight und natürlich bekannter Sohn, Kevin Gage – Blow, CSI, Stephen Wozniak – Scarecrow, Enterprise). Geistiger Vater des Filmes ist natürlich eindeutig Wes Cravens schockierendes Frühwerk Last House on the Left.
Die Geschichte (Achtung an alle, die diese Geschichte nicht kennen sollten, hier kommt ein Spoiler!) der beiden jungen Frauen, die zu einem Konzert in die Stadt wollen, jedoch in die Hände einer brutalen Gang fallen und von diesen gequält, vergewaltigt und schlussendlich ermordet werden, nur um dann später durch die Eltern des einen Mädchens zur Strecke gebracht zu werden, (Spoilerende!) wird hier unverändert übernommen.
Was also macht Chaos, unter der Regie von David DeFalco gedreht, zu einem erwähnenswerten Film? Unter Anderem die Intensität und Rücksichtslosigkeit, mit der der Film und das dort dargestellte dem Zuschauer präsentiert wird. Selten ist ein Film so direkt an die visuelle Schmerzgrenze gegangen, hat die Kamera so drastisch auf das Geschehen gehalten, wie bei Chaos. Natürlich liegt hier auf der anderen Seite das offensichtliche Manko des Filmes. Wo Craven durch gezielte Schockeffekte, einem wunderbaren Soundtrack und dem bewussten aussparen zu drastischer Szenen eine unglaubliche Atmosphäre schuf, und den Zuschauer nahezu zwang, sich seine eigenen Bilder im Kopf zu erschaffen, wird dies dem Betrachter von Chaos komplett abgenommen, was natürlich auf Kosten der Atmosphäre geht.
So was geht natürlich nicht unbeschadet durch die deutsche „Zensurbehörde“, womit schon fast von vornherein klar war, dass Chaos in der ungeschnittenen Form nicht in Deutschland erscheinen würde.
Chaos ist definitiv ein Film für ein erwachsenes Publikum! Auf Humor wird hier (zum Glück, denn es würde nicht zum Thema passen!) komplett verzichtet, einzig die Brutalität der Gesellschaft, beziehungsweise einiger ihrer Individuen, steht hier im Fokus. Das Gewalt Gegengewalt erzeugt, war schon Thema bei Craven, wird aber auch in Chaos wieder aufgegriffen, hier allerdings auf einer eher plakativen Ebene. Trotzdem ist dieser Film, auch wenn er nie die Qualität des Klassikers erreicht, eines der intensivsten Filmerlebnisse der letzten Zeit.
Auf Grund seiner überschaubaren Lauflänge bietet Chaos einen straffen Spannungsbogen, der keinen Hänger aufweist, und wartet zum Ende mit einem überraschenden Finale auf, was ihn vom Craven – Film unterscheidet.
Chaos wird das Lager der Filmfreunde spalten, jedoch emotional unberührt lassen wird er keinen!
CFS