Review

Lexx Gesamtbesprechung

Bis zur achten Episode der zweiten Staffel habe ich zähneknirschend durchgehalten - in der Hoffnung, vielleicht doch noch irgend einen Sinn oder wenigstens eine Denkanregung, eine zündende Idee oder auch nur oberflächlich so etwas wie Witz zu entdecken. Das abgefahrene Grundkonzept der Serie lädt doch regelrecht dazu ein... Tatsächlich irrlichtert da nur so alle ein bis zwei Stunden mal ein einzelner, echter Gag herum; ansonsten wird man endlos mit ewig denselben, unsäglich dummen, maßlos überdreht "lustigen" Klischees a la "Charley's Tante" genervt. Schon der tuntige Tonfall des leicht minderbemittelten Hauptakteurs Stanley Tweedle ist jedenfalls in der deutschen Synchronisation von Anfang an eine Dauerbeleidigung für die Ohren; das peinliche, nuttig dauergeile Gehabe seiner Genossin Zev verdirbt dem Zuschauer gar noch jegliche, etwa aufkommende, erotische Regung angesichts des eigentlich durchaus attraktiven Körpers der zweiten Darstellerin (der ersten wurde es wohl schon zu Beginn der zweiten Staffel zu blöd, weshalb sie "starb" und mit anderem Körper wieder kam). Selbst der rumpflose Roboterkopf "7-90“ denkt über das ganze, erste Dutzend Filme immer nur an DAS EINE: dass er Zev anschmachtet und jeden als vermeintlichen Konkurrenten wüst beschimpft, der ihr an die Wäsche will. In der ersten Minute kann man darüber noch grinsen; über ganze Staffeln gnadenlos immer wieder stereotyp ausgewalzt nervt das einfach nur noch. Die MacherInnen der Serie bemerkten wohl selber ihren eklatanten Mangel an Ideen, weshalb sie dann auch noch die wenigen, wirklichen Gags (wie etwa Stanley's versehentliche Zerstörung eines ganzen Planeten bei der Beschreibung der Fähigkeiten der Lexx) durch mehrfache Wiederholung entwerteten.

Regelmäßig noch getoppt wird das schwachsinnige Geseiere durch die episodisch auftretenden, ebenso dummen wie brutalen Widerparte, aus deren Gewalt die Hauptakteure dann jedesmal von dem Untoten Kai aus der Kryokammer gerettet werden müssen, weil man ja schließlich auch so was wie "Action" braucht. Die grenzdebilen Bösewichte finden dabei zuverlässig absehbar den "verdienten" Tod, damit das Klischee vom Sieg des Guten über das Böse nur ja nicht durchbrochen wird. Man klatscht sich immer wieder auf die Schenkel, wenn Dumme beschreiben, wie sich noch Dümmere über die Dummheit der ganz Dummen erheben...

Ausgerechnet der Untote Kai (einzig nennenswerter Darsteller der Serie: Michael McManus) ist so ziemlich der einzige Lichtblick in dieser tristpeinlichen, heillos versalzenen Kartoffelsuppe. Bei ihm blitzt ab und zu etwas intelligenter Witz auf, und gerade das Fehlen jeglicher emotionaler Regung dieser Figur vermittelt angesichts der dummdreist überdrehten Umgebung gelegentlich sogar einen Hauch von Poesie. Aber Kai verbringt ja bedauernswerterweise die meiste Zeit untätig tiefgefroren in seiner Kryokammer. Die paar wachen Minuten pro Film - für mehr haben wohl die Ideen nicht gereicht - reissen das Ganze auch nicht mehr heraus.

Erwähnenswert vielleicht noch die intelligente, charmante, fleischfressende Pflanze Leika, die in aller Unschuld und Liebenswürdigkeit reihenweise Menschen frisst - aber natürlich nur die dummen Bösewichte, die das eh verdient haben. Als Idee eigentlich gut und originell - aber von der Regie dann auch schon gleich wieder so klischeehaft verwurstet, dass es eher die eklatante Unfähigkeit der Serienmacher demonstriert, aus dem doch eigentlich vielversprechenden Grundkonzept wirklich was zu machen.

Wie schon erwähnt, habe ich nur bis zur Hälfte der zweiten Staffel durchgehalten. Da ich mir in diesen 16 Stunden jeweils 3 Sekunden Amüsement mit mindestens 15 Minuten genervtem Augenverdrehen verdienen mußte, kam ich schließlich zu der Schlussfolgerung, auch vom Rest der Serie nicht mehr zu erwarten als das, was die ersten 12 Episoden unterm Strich definitiv sind: schade um die Zeit.

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