Wie soll ich Uzumaki beschreiben? "Invasion der Spiralen"? Da der Film (hinter dem ein Manga steht) hauptsächlich auf visuelle Stärken setzt, ist es vielleicht besser, anstatt des Plots nur kurz seine komprimierte Grundidee dazulegen:
Spiralen sehen wir täglich: In der Natur wie in der Kunst tauchen sie gerne auf; ihre Form so simpel wie einnehmend, da sie den Blick fast hypnotisch auf ihr Zentrum zieht. Und wenn man ihn nicht mehr davon losreißen kann? Wenn plötzlich überall Spiralen auftauchen und alles, sogar einen selbst, verformen und sich einverleiben?
Als ich zum ersten Mal von der Idee hinter Uzumaki las, musste ich diesen Film unbedingt sehen; zu verrückt, andersartig und faszinierend, als dass ich ihn verpassen könnte. Der Film selbst bietet dann auch tatsächlich einiges an verrückten Einfällen und wahnwitzigen, stilvoll komponierten Bildern, geradeso, wie ich es erwartet hatte. Die unnatürlich grünroten Farbtöne des Himmels, der Kleidung der Charaktere und der Umgebung unterstützen das surreale Gesamtbild. Dieser Film lebt von seiner Optik: Überall finden sich fantasievoll ausgearbeitete Spiralen, seien es Bewegungen auf dem Wasser, Wolkengebilde oder gar Menschen, die auf verschiedenste, aber immer groteske Weisen neue Formen annehmen.
Genauso wichtig wie die Wucht der Bilder, die einem Kunstwerk gleich auch für sich stehen könnte, ist das, was einen lebendigen Film ausmacht: Atmosphäre. Man muss ständig das Gefühl haben, sich gerade abseits der Realität zu befinden, als wäre man in einem surrealen Albtraum gefangen. Diese Aufgabe hat sich Uzuamki offensichtlich gestellt und versucht sie zu erfüllen: Das ganz normale Schulleben der Protagnonistin mit all den Ängsten um Noten, Freunde und Zukunft wird durch ihr Umfeld immer wieder in skurrile, fremdartige Bahnen gelenkt. Sei es das zunehmend seltsame Verhalten der sie umgebenden Menschen, ein unglücklich in sie Verliebter oder ihr androgyn wirkender, schweigsamer Freund: Alles wirkt leicht neben der Spur - zu seltsam, um nicht zu beunruhigen, aber zu normal, um zu verängstigen.
So viel zu dem atmosphärischen Monster, in das sich dieser Bildersturm von einem Film in seinen besten Momenten verwandelt. Leider aber stößt Uzumaki immer wieder übel auf - wenn er sich nicht mehr auf sein Kernkonzept verlässt. Dieses scheint nämlich nicht genug gewesen zu sein, weshalb man sich nebenbei noch an ein wenig Komik versucht hat. Dies geht leider völlig daneben, genauso wie der Versuch, die visuelle Ebene zu verlassen und bedeutungsschwangere Dialoge in die Story zu flechten. Auch die Bemühung, noch eine halbe Erklärung für die eigentlich gänzlich unerklärlichen Geschehnisse zu liefern, verwässert die Grundidee und zerstört einen Teil der Atmosphäre.
Insgesamt wirkt der Film etwas unausgegoren. Damit ist nicht sein teils trashiger Charakter gemeint, der durchaus in das skurrile Gesamtbild passt, sondern dessen Inkonsequenz bei der Verfolgung seiner größten Stärken. Insofern ist Uzumaki eine Enttäuschung, gerade weil die Idee dahinter so abwegig grandios ist, dass man nur noch ein Meisterwerk vermuten kann. Obwohl dem leider nicht so ist, wäre es verkehrt, den Film als schlecht zu bezeichnen. Zu großartig ist sein Fundament, als dass darauf nichts hätte entstehen können. Wegen seiner fantastischen Bilder und ausgefallenen Atmosphäre sei dieses abnorme Werk jedem grundsätzlich Interessierten ans Herz gelegt, auch wenn der eigentliche Film die Erwartungen letztlich nicht erfüllen kann.