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An seinen Erfolg mit "Passagier 57" kann Regisseur Kevin Hooks (Power Cop, Black Dog) mit "Fled - Flucht nach Plan" nicht anknüpfen. Ganz im Gegenteil, denn Produzent Frank Mancuso Jr. musste einen herben Rückschlag einstecken, denn dieser altmodische Actionfilm floppte an den Kinokassen. Gerne wird er auch als Remake zu "Flucht in Ketten" gehandhabt, jedoch ohne die Rassissmus-Schiene zu fahren und deutlich actionreicher. Preston A. Whitmore II (Doing Hard Time, Lockdown) war für das Drehbuch verantwortlich, welches neben etlichen Klischees vor allem auf sein (schwarz-weißes) Buddy-Team setzt.

Bei einer Schießerei gelingt den Sträflingen Piper (Laurence Fishburne) und Dodge (Stephen Baldwin) aneinandergekettet die Flucht. Detective Gibson (Will Patton) kann nicht so recht glauben, dass ausgerechnet Dodge dabei ist, den er vor einiger Zeit wegen Computerbetrugs verhaftete und der nicht mehr lange abzusitzen hatte. Doch im Hintergrund zieht der mexikanische Gangster Mantajano (Michael Nader) die Fäden, welcher bereits mit Santiago (Victor Rivers) einen Profikiller auf Dodge angesetzt hat. Denn der ist im Besitz einer Diskette, auf der sich die gesamte Geldwäsche von Mantajanos Organisation befindet. Piper und Dodge stehen plötzlich zwischen den Fronten und müssen ihre Unschuld beweisen. Gejagt von Killern und den Behörden können sie sich nur auf Gibson und die hübsche Cora (Salma Hayek) verlassen.

Das Grundgerüst von "Flucht in Ketten" hat man zugegebenerweise übernommen, so müssen sich ein weißer- und ein schwarzer Häftling erst zusammenraufen, um dann zu merken, dass sie so unterschiedlich gar nicht sind. Doch eigentlich ist Dodges und Pipers Flucht hier Nebensache, denn man will den mexikanischen Gangster Mantajano hinter Gitter bringen. Die Diskette in Dodges Besitz ist der Schlüssel dazu, nachdem ein Zeuge gleich zu Beginn mit samt seiner Essensbestellung in die Luft gejagt wird. Natürlich sollte man keine fürs Genre vernünftige Story erwarten, aber "Fled" hat gegen Ende noch kleinere Wendungen zu bieten. Auch tummeln sich hier mehrere Charaktere und ein paar davon kochen ihr eigenes Süppchen. Da wäre der undurchsichtige Pat Schiller (Robert John Burke), welcher an der Flucht der Beiden nicht ganz unbeteiligt scheint und schnell ins Visier des aufrechten Gibson gerät. Der ist quasi die dritte Heldenfigur neben Dodge und Piper, seine ruhige Art und die ständigen Streitereien mit seinem Vorgesetzten machen ihn noch sympathischer. Außerdem ist er der Einzige, welcher an Dodges Unschuld glaubt. Piper und Dodge, die sich zu Beginn erstmal ordentlich verdroschen haben, schaffen es bis in die Stadt, wo sie auf Cora stoßen. Der kleinen Romanze zwischen Piper und Cora lässt Hooks aber kaum Platz, seine temporeiche Inszenierung wird dabei nicht beeinträchtigt.

Die Chemie zwischen Dodge und Piper stimmt, ihre ständigen Kabbeleien sorgen für den nötigen Schuss Humor, aber trotzdem sackt "Fled" nach einem rasanten ersten Drittel in ein kleines Loch. Erst mit dem Auftauchen des Profikillers Santiago geht es wieder rund und actiontechnisch liefert Hooks erneut saubere Arbeit ab. Es wird alles geliefert was das Herz des Actionfans höher schlagen lässt, von Prügeleien über Shootouts bis hin zu Verfolgungsjagden. Die Zweikämpfe sind dabei im old schooligen Stil gehalten, aber wahrlich nicht unspektakulär. Geballert wird dagegen recht stylisch und mit hohem Munitionsverbrauch. Piper darf meist beidhändig ballernd seine Kontrahenten ins Jenseits befördern und Hooks lässt in Nahaufnahme und auch oft in Zeitlupe einige Blutbeutel platzen. Die Verfolgungsjagden bieten einige nette Stunts und jede Menge verschrottete Fahrzeuge. Insgesamt dürfte es mengenmäßig mehr sein, aber die Qualität geht in Ordnung, manchmal lässt es Hooks ganz schön brutal zur Sache gehen. Auf die Darsteller kann man sich auch verlassen, Laurence Fishburne (Matrix, Predators) und Stephen Baldwin (One Tough Cop, Blutige Ernte) geben ein nettes Team, gut ergänzt durch die damals noch recht unbekannte Salma Hayek (From Dusk till Dawn, The Faculty) und Will Patton (Die Vierte Art, The Punisher). Aber auch der Gegenpart ist mit Robert John Burke und Victor Rivers brauchbar besetzt.

"Fled" ist zwar kein Kracher, aber durchweg sauber inszeniertes Entertainment, mit recht solider Story. Mittig macht sich zwar ein kleiner Hänger bemerkbar, doch dank der harten Action funktioniert der Film ansonsten einwandfrei. Glaubwürdige Darsteller runden das Gesamtbild ab, Freunde des altmodischen Actionfilms kommen hier auf ihre Kosten.

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