Als Gangmitglieder noch Ballet können mussten
"The Rocky Horror Picture Show" ist Kult, "Singin' In The Rain" ist gute Laune pur und "La La Land" hat jüngst mein Herz erobert. Doch es kann nur einen King im filmischen Musicalring geben - und das ist für mich nach wie vor die Geschichte zweier Liebenden aus verschiedenen Gangs/Gesellschaftsgruppen im New Yorker Ghetto, Romeo & Julia in lässig, Jets vs. Sharks, Tony küsst Maria, kurz: die "West Side Story"!
Die klassische Geschichte ist nicht wirklich innovativ, die Darsteller können besser tanzen und singen als spielen, die Sets sind allzu offensichtlich Studiobauten - und doch ist dieser feine Bandenkrieg für mich perfekt. Die Songs sind unsterbliche Klassiker, die man tagelang nicht mehr aus den Ohren kriegt ("Maria", "America"). Die sozialen Konflikte zwischen Einwanderern und Ansässigen könnten aktueller nicht sein und trotz (oder vielleicht gerade wegen) massig Schmalz wirkt das Geschehen wie eine magisch überhöhte, gar nicht so unrealistische Flucht in die Magiewelt der goldenen Ära Hollywoods.
"West Side Story" ist unverkennbar ein Kind seiner Zeit und trotzdem unsterblich. "West Side Story" ist ohne Zweifel sehr künstlisch und zum Teil vielleicht sogar predigend - und doch hat er keinen Deut von seiner Wirkung und Sogkraft verloren. Die kraftvollen Tänze, die hübschen Darsteller, der Rhytmus der Konflikte, von der Overtüre über die Intermission bis zum Abspann - hier sitzt jeder Handgriff, jede Bewegung, jeder Blick. "West Side Story" ist das Beste von Hollywood. Und entweder man liebt oder hasst ihn. Ikonisch, voller großer Gesten und überlebensgroßer Emotionen. Der "2001" der Musicals.
Fazit: das beste, zeitloseste und eleganteste aller Musicals. Meine Nummer 1 in diesem Genre. Spektakulär gut! Ein singendes, tanzendes, schmachtendes und streitendes Epos in den (wundervoll künstlischen) Straßen New Yorks. Noch immer eine Klasse für sich!