„The Jazz Singer“ (1927) gilt als der erste Tonspielfilm in Hollywood, war damals ein großer Erfolg – und für die anderen Studios somit ein Weckruf. Den vernimmt auch der Chef von Monumental Pictures. Ein sich gerade in der Produktion befindlicher Stummfilm mit seinen beiden Stars Don Lockwood (Gene Kelly) und Lina Lamont (Jean Hagen) muss daher auf den neuen Trend des Tonfilms getrimmt werden. Problematisch ist dabei nicht nur, dass Linas Stimme nicht gerade die wohlklingendste ist, auch hat sich Don in die Tänzerin Kathy (Debbie Reynolds) verknallt und möchte sie mitsamt ihrer Stimme in den Film bringen.
Und so wie der Tonfilm über Hollywood kam, war es mit den bunten Musical-Tanz-Revue-Filmen, die eine Zeit lang en vogue waren. Auch diese brachten einige Kassenschlager hervor, „Singin' in the Rain“ gehört zu diesen und innerhalb dieser Nische nochmal zu den bekanntesten.
Das Trio Kelly, Reynolds und hier Donald O'Connor als Dons musikalischem Kumpel Cosmo besticht mit Verve und Können. Gesang, Tanz, Choreo, Slapstick – musste man damals alles drauf haben und man sieht dem Personal an, dass es das beherrscht. Selbst als Tanz- und Musicalmuffel kann man sehen, dass hier die Körperbeherrschung beeindruckend ist. Dazu gibt es viele Spielszenen, Kelly ist gewohnt charmant, Reynolds als love-interest hält gut dagegen, O'Connor ist mehr für die flapsigen Bemerkungen und die Slapstickeinlagen zuständig.
Den Titelsong kennt man, manch anderen („Good Morning“) vielleicht auch, aber nicht jede Nummer konnte mich wirklich mitnehmen (Broadway-Sequenz). Trotzdem kann man sich bei „Singin' in the Rain“ an der tollen Ausstattung und der flotten und mitunter auch sehr witzigen Inszenierung erfreuen, wenn der Regisseur am Set an seiner Darstellerin und der neuen Technik verzweifelt. Und wenn Don Kathy durch die Kulissen entführt und die Illusionsmaschinerie anwirft, wie sie gleichzeitig auf der anderen Seite der Kamera für das Publikum in Betrieb ist, dann ist das schon eine kleine Metaebene, die der Film aufmacht.
Temperamentvoll und witzig ist dieser Klassiker geraten, wenn er in meinen Augen auch nicht mit jeder Nummer wirklich überzeugt. Insgesamt macht „Singin' in the Rain“ durchaus Spaß, glänzt mit einem spielfreudigen und künstlerisch fähigen Ensemble. Eine Erinnerung an frühere Zeiten des Kinos, die wiederum selbst an frühere Zeiten des Kinos erinnert.