Mit Stephen King Verfilmungen hat man ja bereits die unterschiedlichsten Erfahrungen gesammelt. Aber die wirklich überzeugenden Beiträge („Carrie“, „Shining“ „Die Verurteilten“ oder „Misery“) liegen bereits alle ein paar Jahre zurück.
Regisseur Mick Garris, der zuletzt Kings „Riding The Bullet“ okay verfilmte, wurde erneut beauftragt, mit „Desperation“ eine TV-Produktion hinzulegen, zu der King teilweise das Drehbuch verfasste.
Das Ergebnis ist leider recht durchwachsen: Starke erste Hälfte, doch danach geht es steil bergab.
Man könnte auch sagen: Solange Ron Perlman an Bord ist, macht der Film Spaß.
Dieser gibt nämlich den sadistischen Cop der titelgebenden Kleinstadt in der Wüste Nevadas.
Besessen von einem alten Dämon, den man „TAK“ nennt, sperrt er nach und nach diverse Durchreisende ins Gefängnis. Da befinden sich ein Ehepaar, eine Familie mit stark gläubigem Sohn, ein Schriftsteller, dessen Gehilfe plus Tramperin und der lokale Veterinär.
Irgendwann gelingt der Gruppe die Flucht und man verschanzt sich in einem alten Theater, - bis zu dem Punkt ein überaus unterhaltsamer Streifen.
Das liegt primär an Perlman und seiner sarkastischen Art mit den Gefangenen umzugehen. Da werden verschiedene Filmklassiker zitiert und man gibt sich herrlich politisch unkorrekt, um mit einem markant breiten Grinsen zum nächsten unbekümmert brutalen Schlag auszuholen.
Das gestaltet sich recht atmosphärisch und spannend zugleich, wenn das Paar auf der Landstraße innerhalb der Einsamkeit unterwegs ist, das Polizeiauto auftaucht, mal vor, mal hinter ihnen fährt, ohne irgendwelche Zeichen von sich zu geben. Oder später, wenn sich Perlman erneut in seinen Wagen begibt und rund an den Straßenrändern eine Reihe von Wölfen sitzt, als würden sie Spalier stehen.
Auch innerhalb der Gefängniszellen spielen sich spannende Szenen ab, etwa, wenn sich der Junge David mit eingeseiftem Körper durch die Gitter zwängt, während die übrigen Inhaftierten die Bestie von Wachhund ablenken.
Überhaupt bilden Tiere ein wesentliches Merkmal der Bedrohung, da der Dämon mit ihnen kommunizieren und somit Befehle erteilen kann. Neben dem Einsatz einiger Schlangen und Spinnen, dürfen noch ein Geier und ein Puma zur Attacke ansetzen.
Doch leider verschwindet Perlman irgendwann im Nichts, weil sein Körper für den Dämon zu schwach geworden ist. Vorher taucht man noch mit einer Inhaftierten ab, die folglich zum Nachfolge-Dämon in Menschengestalt wird. Währenddessen erkunden die Geflohenen noch die stimmungsvoll ausgestatteten Kulissen des Ortes (schön morbide, weil man auf zahlreiche Leichen, aber keine Überlebenden trifft, - der Cop hat zuvor alle erledigt), bis man sich in einem stillgelegten Theater verschanzt. Die Talfahrt beginnt.
Nun vermag ich es nicht zu beurteilen, ob die literarische Vorlage Kings ähnlich penetrant daherkommt, aber der kleine Held David entfaltet sich im Verlauf zunehmend zu einer moralinsauren Nervensäge.
Das ist zunächst okay, wenn der Junge einen Pakt mit Gott geschlossen hat, damit sein Freund nach einem schweren Fahrradunfall überlebt, es ist auch in Ordnung, in schwierigen Momenten zu beten. Ganz süß sogar noch, wenn auch etwas abgedroschen, ist die Geistererscheinung seiner kleinen Schwester, die kleine Hilfestellungen gibt.
Doch, was hier während der letzten Stunde an pathetisch gottesfürchtigem Blabla geboten wird, ist der reinste Kindergottesdienst, sponsored by Bibel TV.
Das ist umso schlimmer, da nach einer Stunde kaum noch Drive vorhanden ist und Dialoge die Situation dominieren. Kaum ein Satz, der nicht klingt wie: “Gott ist in uns und will, dass wir gerettet werden“ David sülzt ohne Unterlass alle Anwesenden voll und sogar der Schriftsteller, der während seiner Zeit in Vietnam derbe versagt und sich von Gott abgewandt hat, wird noch bekehrt. Und selbstverständlich fehlt gegen Ende auch das kollektive Vater Unser nicht.
Geht es im Kern durchaus darum, mit der Kraft Gottes einem uralten Dämon entgegenzuwirken, verkleistert man sich hier in oberflächlich, sentimentales Geschwätz.
Da kann auch der viel zu kurz geratene Showdown nichts mehr kitten, wenn man zu einer Mine fährt, in der man TAKs Behausung vermutet und eine Sprengung und ein kleiner Steinschlag noch ein paar Temposzenen liefern.
Dabei überzeugen die Darsteller auf solider Ebene, auch wenn die Charakterisierung der meisten Figuren ziemlich dürftig ausgefallen ist. Entsprechend besser agieren der erwähnte Perlman und Tom Skerritt, der als Schriftsteller zumindest noch ein paar Eigenschaften und eine Vergangenheit zugesprochen bekommt. Die übrigen Akteure wie Henry Thomas, Charles Durning und Steven Weber performen aber anständig.
Doch was bleibt am Ende einer etwa 130-minütigen Verfilmung von Kings `Verzweiflung`?
Ganz klar: Die erste Hälfte geht gut ab, glänzt mit Perlman in einer Paraderolle und überzeugt mit Atmosphäre und ansprechend flotten Szenen. Bewertung für diesen Teil wäre 7.
Doch dann folgt das gequirlt aufgesetzte Geschwafel eines Milchbubis, auf das alle hören und wir landen für diesen Teil bei 3.
Ergäbe rein rechnerisch 5, ist aber auch genau mein Gefühl nach der Sichtung.
Ein im Gesamtbild leider nur durchschnittlicher Streifen, der nach einem starken Beginn in eine dialoglastig, hölzerne Form mündet, aus der er bis zum Finale nicht mehr herauskommt. Schade drum,
5 von 10