Es gibt zwei Dinge , die einem nicht mehr aus dem Kopf gehen, wenn man sich Blake Edward`s Klassiker von 1961 einmal angesehen hat: Einerseits natürlich das großartige Schauspiel der bezaubernden Audrey Hepburn, die sich mit ihrer wohl berühmtesten Rolle ein kleines Denkmal erschaffen hat. Anderseits der Song, der im Film immer wieder in verschiedensten Versionen zu hören ist, der Song, der danach unweigerlich mit dem Genuss dieses Filmes verbunden ist: „Moon River“ von Henry Mancini, in einer Szene sogar von der Hauptdarstellerin selbst gesungen und unzählige weitere Male unter anderem von Größen wie Frank Sinatra interpretiert. Die Bedeutung der wenigen Textzeilen erschließt sich im Laufe der Handlung langsam, aber deutlich, zieht sich wie ein roter Faden durch den Film und verleiht der eigentlich recht simpel gestrickten Handlung ihre Tiefe.
Moon river, wider than a mile,
I'm crossin' you in style, some day.
Über ihre Vergangenheit schweigt sie sich gerne aus, doch in der Gegenwart scheint die ausgeflippte Holly Golightly ihr Leben in vollen Zügen zu genießen, denn ihren Lebensunterhalt verdient sie sich damit, reichen, unverheirateten Männern den Kopf zu verdrehen, um sie anschließend zu ehelichen und auszunehmen. Zu diesem Zweck hat sie sich einen beachtlichen Bekanntenkreis in der High Society verschafft, der bis in die Unterwelt hineinreicht – sie lässt es sich beispielsweise nicht nehmen, für Geld einen Mafiaboss im Gefängnis zu besuchen. Als aber der verhinderte Schriftsteller Paul als neuer Nachbar in ihr Leben tritt, sieht sie ihr rastloses Dasein plötzlich in Frage gestellt. Ist es tatsächlich besser, für immer ungebunden zu ein? Eine Fragestellung, deren Antwort eigentlich von Anfang an auf der Hand liegt - wie bei allen romantischen Komödien ist auch hier der Weg das Ziel und dieser wird auf eine Weise beschritten, die den Film zu einem zeitlosen Klassiker werden ließ.
Old dreammaker, you heartbreaker,
wherever you're goin', I'm goin' your way.
Es wäre wohl falsch zu behaupten, George Peppard wäre für die Rolle des Paul Varjak nicht die Idealbesetzung gewesen. Tatsächlich gibt er hier ohne Frage eine souveräne wie auch sympathische Vorstellung ab, doch der allgegenwärtigen Ausstrahlung einer Audrey Hepburn hat er in keiner Szene etwas entgegen zu setzen. Sie glänzt hier vor allem durch die Vielseitigkeit, mit der sie ihre Rolle verkörpert, bringt das verrückte Luder ebenso glaubhaft rüber wie ihre sensible Seite, die vor allem bei der unausweichlichen Konfrontation mit ihrer Vergangenheit und auch gegen Ende zum Tragen kommt, wenn ihr durchtriebenes Leben aus heiterem Himmel an einem Scheideweg ankommt und sie sich für einen Weg entscheiden muss.
Two drifters, off to see the world,
there's such a lot of world, to see
In einer eher mäßig witzigen Nebenrolle tritt hier auch Mickey Rooney als chinesischer Nachbar mit deutlichem Überbiss auf, der im Grunde nichts weiter zu tun hat, als sich in einigen Szenen über die Ruhestörung durch Partys und ähnlichem zu beschweren. Das ist beim ersten Mal noch recht drollig anzusehen, nervt aber spätestens beim dritten mal nur noch. Dieser kleine Ausfall soll aber dem Gesamtwerk keinen Abbruch tun, denn die Chemie zwischen den Hauptdarstellern stimmt von Anfang an, so dass man kleine Schwächen dieser Art getrost ignorieren kann. Komödiantische Höhepunkte gibt es anderweitig zu verzeichnen – wenn Holly und Paul sich eines Tages spontan auf Diebestour in einem Kaufhaus begeben und mit der Beute (zwei alberne Tiermasken) einen Polizisten auf der Straße erschrecken, kommt man aus dem Schmunzeln nicht mehr heraus. Umso tragischer wirkt es dann, wenn Holly sich aus Angst vor dem Verlust ihrer Ungebundenheit weigert, Pauls aufkeimende Gefühle zu erwidern. Auch diese heikle Situation kann Regisseur Blake Edwards dank seiner Darsteller gekonnt umsetzen, ohne in die Untiefen des Kitsches abzudriften.
We're after the same rainbow's end,
waitin' 'round the bend, my huckleberry friend,
moon river, and me.
“Breakfast At Tiffany`s” ist auch mehr als 40 Jahre später ein unvergleichlicher Klassiker der romantischen Komödie, der sich mit viel Humor, aber gleichzeitig auch auf sehr sensible Weise seinen Hauptfiguren nähert. Eine alles überstrahlende Audrey Hepburn und ein sympathischer George Peppard geben hier ein unvergessliches Leinwandpaar ab, das die initiatorischen Hürden auf dem Weg zum unweigerlichen Happy End mit Bravour meistert und dem Zuschauer ohne große Worte mit der einfachen Erkenntnis aus dem Film entlässt, dass man für sein Glück nicht die gesamte Welt bereisen muss – manchmal findet man es schon eine Tür weiter.