Irgendwie kann ich mit „Flight Plan“ dort anschließen, wo ich mit Miss Foster bei „Panic Room“ aufgehört hatte: düsterer Thriller, handwerklich gut, habe mich knapp zwei Stunden brauchbar unterhalten geführt.
Das heißt aber noch lange nicht, daß ich mit „Flight Plan“ einen wirklich guten Film gesehen habe, auch wenn die Regie Robert Schwendtkes bei seinem Hollywooddebut wirklich einiges hoffen läßt für die Zukunft, anders etwa als so manch anderer importierter europäischer Tempo- und Thrill-Regisseur.
Das größte Problem des Films ist seine Prämisse – und gleichzeitig sein Schlüsselreiz.
Die Tochter einer ehemaligen Flugzeugingenieurin verschwindet auf einem Transatlantikflug spurlos und trotz intensiver Suche kann sie nicht gefunden werden, bis allmählich jeder außer ihr glaubt, daß es das Mädchen nie gegeben hat.
Das klingt gut, das riecht gut – und manchmal, passagenweise ist es das auch wirklich.
Der Plot läßt der Hauptdarstellerin Foster viel Raum, den sie bekanntermaßen auch immer allein tragen kann, für die Entwicklung ihrer Figur. Die trauernde, ja traumatisierte Witwe (der Gatte fiel vom Blatte...pardon...vom Dach und liegt nun im Sarg im Frachtraum), noch benebelt von den Ereignissen der letzten Tage, die nicht Herr ihrer Sinne ist.
Und genau hier liegt das Problem: das Drehbuch ist viel zu intensiv damit beschäftigt, gerade diesen Eindruck aufzubauen, indem man Foster phantasieren sieht, wie sie mit ihrem toten Mann in der Trauer immer noch interagiert. Die Tochter ist schüchtern, die Tochter versteckt sich unter dem Mantel, die Tochter geht am Flughafen schon beinahe verlustig – könnte nicht alles einfach nur ein Hirngespinst sein?
In diesem Punkt ist der Film zu eindeutig, zu wenig subtil. Ergo muß es eine andere Lösung geben und die wird nach allerlei Kompetenzgerangel, Angstattacken, Flucht, Sabotage und Unruhe schließlich im letzten Drittel auch endlich angegangen.
Aber: wer seine Spannung so langsam und gründlich aufbaut und sie dann endlich Fahrt gebracht hat, muß schon eine wirklich überraschende Auflösung bieten.
Und das ist der Augenblick, in dem „Flight Plan“ scheitert.
Was wirklich geschehen ist, ist in Bezug auf die Dimensionen der geschilderten Ängste nicht nur fast schon zu banal, sie ist auch in höchstem Maße unwahrscheinlich. Konstruiert dürfte wohl der passende Ausdruck dafür sein, der dann auch nur an die Emotionen des Publikums appelliert, an Revangismus und Muttergefühle, die immer dann packen, wenn die Hauptfigur den Pulli endlich auszieht und im besten Willis-Style im Unterhemd die Probleme endlich anpackt.
In diesem Moment muß der willige Kinobesucher alles aufgeben, was ihn an qualitativen Anforderungen an einen gut aufgebauten Plot ins Kino getrieben hat und sich allein von den Gefühlen treiben lassen, um immerhin noch einen unterhaltsamen Showdown präsentiert zu bekommen, der relativ originell ist und nicht aus der Situation auch noch die letzte Luft rausläßt.
Schauspielerisch hat Schwendtke dankbare Anbieter im Team. Foster ist noch im „Panic Room“-Modus auf Autopilot (und bringt sowieso fast nie schlechte Leistungen), Peter Sarsgaard als Sky Marshal ist mal nicht Ordnungshüter „by-the-numbers“ und Sean Bean als Kapitän wird zwar etwas gebremst präsentiert, sorgt aber für das nötige Charisma.
„Flight Plan“ wendet sich also an die Fraktion Zuschauer, die notfalls sagt, „scheißegal, hauptsache spannend“, um dann damit zufrieden nach Hause zu gehen. Tatsächlich funktioniert das (obwohl der Film in der ersten halben Stunde schon fast zu ruhig startet) beachtlich, aber da ich persönlich auch noch andere Ansprüche an Schlüssigkeit und Überraschungspotential stelle, bleibt der Zähler bei 6,5/10 stehen.