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"Es ist jetzt 12:16 Uhr. Wenn die Frau auf dem Foto um 13:30 Uhr noch lebt, um halb zwei, dann melde ich das meiner Partnerin und ihre Tochter ist tot."

"Gegen die Zeit" ist einer der ersten Echtzeitthriller, der das Subgenre vor der Serie "24" allerdings noch nicht etablieren konnte.

Nach dem Begräbnis seiner Ex-Frau reist Gene Watson (Johnny Depp) mit seiner kleinen Tochter Lynn (Courtney Chase) geschäftlich nach Los Angeles. Direkt bei der Ankunft werden beide von den FBI-Agenten Smith (Christopher Walken) und Jones (Roma Maffia) in einen Wagen gebeten. Dort stellen sich die beiden Gesetzeshüter als Kidnapper heraus. Sie fordern von Gene die Ermordung einer Gouverneurin in einem nahegelegenen Hotel in der nächsten Stunde und drohen mit dem Tod seiner Tochter.
Gene versucht die anwesenden Sicherheitsleute im Hotel zu warnen, die allerdings selbst Teil der Verschwörung sind. Einen einzigen Ansprechpartner findet er in dem Schuhputzer Huey (Charles S. Dutton), der ihm dabei hilft mit der Gouverneurin direkt zu sprechen.

Stets die Uhr im Nacken. Dieser Randerscheinung verdankt der Thriller sein zunächst immenses Tempo und die hochgradige Spannung. "Gegen die Zeit" konzentriert sich auf das Wesentliche: Einen schnell aufgebauten Spannungsbogen und eine temporeiche Inszenierung, die fast keine Pause zulässt. Der mit der Zeit immer offensichtlich werdendere Nachteil liegt in seiner enormen Konstruktion. Der Film entwickelt keinerlei Dynamik und sperrt sich selbst in eine vorgegebene Handlungsabfolge ohne Spielraum, wobei auch Logiklücken nicht ausbleiben.

"Gegen die Zeit" bleibt in mehreren Bereichen durchgehend oberflächlich. Vom schlichten Hauptcharakter abgesehen bleiben sämtliche anderen Figuren blass. Dem flotten Einstieg folgt ein ebenso flotter Abschluss. Fragen bleiben offen, so wird der eigentliche Grund, weswegen die Gouverneurin getötet werden soll und warum ein solch unprofessioneller Plan durchgesetzt wird, nie aufgelöst.

Der Anteil an Actionszenen ist übersichtlich. Dabei finden sich keine visuellen Höhen, sondern eher bodenständige Einzelszenen, die greifbar bleiben und beklemmen können. Furiose Explosionen gibt es keine. Der Thriller belässt es bei überschaubaren Schießereien und ein paar Stunts.

Vor allem die beiden Kontrahenten Johnny Depp ("Edward mit den Scherenhänden") und Christopher Walken ("God's Army") überzeugen in ihren gemeinsamen Auftritten. Durch das strikt vorgegebene Szenario wird aber auch ihr Können spürbar eingeschränkt. Ähnlich charismatisch sind Roma Maffia ("Profiler") sowie Charles S. Dutton ("Alien 3"), die beide taktisch im Hintergrund bleiben.

"Gegen die Zeit" ist in den meisten Abschnitten mitreißend und zutiefst beklemmend, kann aber seine konstruierte Erzählweise dauerhaft nicht verstecken. Das zunächst noch hohe Tempo bricht in der Mitte des Thrillers leider mangels Abwechslung etwas ein. Und auch die Charaktere sowie die Umstände des Szenarios sind häufig nicht nachvollziehbar. Daher bleibt der Film trotz seiner unverbrauchten Inszenierung und des hohen Spannungsbogens hinter seinen Möglichkeiten.

6 / 10

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