Review

Vielfilmer Chang Cheh hat es sich in seiner Laufbahn als Regisseur oft sehr einfach gemacht, indem er die gleiche Geschichte immer und immer wieder aufs neue erzählt hat. Schauplätze, gegnerische Fraktionen und chronologische Einordnung des Geschehens wurden zwar als Variable eingesetzt, das täuscht trotzdem nicht darüber hinweg, dass man alles schon oft gesehen hat. Mit Sicherheit liegt dies nicht allein an Chang Cheh, sondern auch an seinem Schreiberling I Kuang, der für etliche Chang Cheh Vehikel das Drehbuch geliefert hat.
In "Marco Polo - Im Reiche des Kublai Khan" wird mal wieder die Geschichte vom gebeutelten Volk, deren Unterdrückern und einer tapferen Gruppe von Kungfu-Kämpfern gezeigt. Im Prinzip spielt es keine Rolle, dass hier die Mongolen die brutalen Herrscher spielen. Ich hab ehrlich gesagt noch nie viele Gedanken darüber verschwendet, ob nun die Ching, Ming, Tang, Han, Ninja oder sonstwer das Volk unterdrücken. Ob die Helden nun irgendwelche Reisbauern, Shaolin, Patrioten, Söhne von getöteten Vätern oder Fremde sind war mir auch ziemlich egal. In jedem Fall heißt es Gut gegen Böse. Irgendwann wird es dann aber doch zum Ärgernis, wenn nichts Neues geboten wird. Dann kommt es auf die Umsetzung der Geschichte an, nur noch das kann etwas rausreißen.
Chang Cheh hat auf jeden Fall gut daran getan auch in diesem Film die üblichen Stars aus seiner damaligen Schaffensperiode zu verpflichten. Die vier Helden werden von Chi Kuan Chun, Fu Sheng, Kuo Chue und Bruce Tong Yim-Chaan verkörpert, allesamt bekannt aus z.B. "Der Tempel der Shaolin". In die Schurkenrollen schlüpfen Leung Kar Yan, Wang Lung Wei und Gordon Liu, die ein Jahr später ebenfalls gemeinsam in "Die unschlagbaren Sieben" als Schurken auftreten durften.
Die obligatorische Trainingssequenz der Helden darf natürlich nicht fehlen. Jeder erlernt eine neue Technik, um gegen die Heerscharen der Mongolen bestehen zu können. Als Randfigur taucht auch noch Marco Polo, gespielt von Richard Harrison, auf. Welche Rolle er genau spielt ist mir immer noch schleierhaft, hätte doch der ganze Kram auch ohne ihn funktioniert.
Pluspunkte sammelt der Film an den wichtigen Stellen, nämlich bei den Kampfszenen. Diese sind zwar nicht ganz so gut wie in den meisten anderen Chang Cheh Filmen, aber dafür wird viel gekämpft. Das hält bei Laune, weil es ja bekanntlich Spaß macht zuzusehen, wie sich Leute mit Kungfu gegenseitig die Fresse polieren.
Interessant fand ich auch, dass Carter Wang eine kleine Rolle als Patriot übernommen hat. Soweit ich weiß ist das die einzige Zusammenarbeit zwischen ihm und Chang Cheh.

Am Ende bleibt festzuhalten, dass es sich bei "Marco Polo - Im Reiche des Kublai Khan" um einen eher mittelmäßigen Film handelt. Sollte man aber dennoch mal gesehen haben, wenn man ein Faible für dieses Genre hat.
06/10

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