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Trotz Riesenstaraufgebot und hoher production values war „Die Brücke von Arnheim“ ein gewagtes Unterfangen für Richard Attenborough, dauerte er doch stolze 169 Minuten und brach mit Sehgewohnheiten.
Eine kurze Einführung macht den Zuschauer mit den geschichtlichen Eckdaten vertraut, denn „Die Brücke von Arnheim“ bebildert die Operation Market Garden, bei welcher die Alliierten mit einer koordinierten Offensive zu Land und aus der Luft einen kriegswichtigen Weg durch Holland einnehmen wollten. Arnheim mit seiner kriegswichtigen Brücke soll der Kopf der Operation sein; hier setzt man Robert E. Urquhart (Sean Connery) und seine Fallschirmjäger ab.
Die Schilderung zeigt die komplette Operation von der Planung bis zum bitteren Ende, verweilt bei verschiedensten Truppenteilen und Kommandoebenen, auch auf deutscher Seite. Schwer und verlustreich ist der Kampf für beide Seiten...

Man kann Attenboroughs Mur nur loben sich jeder eindeutigen Aussage zu entziehen, denn sein Film ist weder passgenau auf Kriegs- noch auf Antikriegsfilm zugeschneidert, auch das Ende kontrastiert die Wut Urquharts über den Fehlschlag und die Verluste mit Frederick A.M. Brownings (Dirk Bogarde) Freude über die Teilerfolge. „Die Brücke von Arnheim“ will keine Messages verbreiten, egal ob pro oder contra Krieg, stattdessen begnügt sich der Film einer selbst interpretierbaren, durchaus kritischen Darstellung der Ereignisse – dem jüngeren „Black Hawk Down“ nicht unähnlich.
Ähnlich wie „Black Hawk Down“ nutzt auch „Die Brücke von Arnheim“ seine Vielzahl bekannter Gesichter zur Fixierung des Geschehens, ausgewählte Vertreter jeder Truppengattung dienen als Marker, damit der Zuschauer schnell weiß, wo er sich gerade befindet und was gerade anliegt. Bei einer Mehrzahl umkämpfter Brücken (was der Originaltitel „A Bridge too far“ wesentlich besser ausdrückt) droht nämlich gelegentlich schon mal die Übersicht verloren zu gehen, doch durch die in jedem Abschnitt dominanten Figuren gelingt die Orientierung immer wieder. Dabei reicht die Palette der Geschichten von süffisant, wie es z.B. die Auftritte John O.E. Vandeleurs (Michael Caine) sind, über heldenhaft, wobei vor allem Eddie Dohuns (James Caan) Rettungsaktion zu nennen wäre, bis hin zu dramatisch: Gerade Julian Cook (Robert Redford) und Stanislaw F. Sosabowksi (Gene Hackman), deren Truppenteile bei Flussüberquerungen hilflos durch Beschuss paddeln müssen, bekommen die Schrecken des Kampfes auf entsetzliche Weise zu sehen.
Dabei fährt „Die Brücke von Arnheim“ eine Doppelstrategie, ist gleichzeitig ebenso kritisch wie unterhaltsam. Denn die Gefechtsszenen haben es durchaus in sich, da wird mit Pyrotechnik und Statistenaufmärschen nicht gegeizt, es werden Gefechte en masse gezeigt und als schicker Feuerzauber kann sich das Geschehen durchaus sehen lassen. Historisch akkurat ist das Ganze dabei trotz kleiner Patzer trotzdem, nur die eine oder andere Figur geht dann etwas unter, wenn es dann auf der Leinwand ordentlich rummst.

In diese Schilderungen fließen dann immer wieder kritische Szenen ein, gerade der deutsche Panzergeneral Wilhelm Bittrich (Maximilian Schell) ist nicht nur ein Mann von Weitblick, sondern auch ein Mann von Ehre, der Gnade walten lässt, wie es sich die Alliierten gar nicht vorstellen können. Klischee-Nazis fehlen hier, stattdessen ist das Deutschenbild vielschichtig – ebenso wie das der alliierten Seite. Da wird explizit auf Fehler bei der Planung von Market Garden hingewiesen und gezeigt, dass man Panzersichtungen ignorierte, nur um die Planung nicht abzubrechen, wobei vieles dem Ego von Browning geschuldet war. Man leidet von daher gleich doppelt mit den Soldaten, die für diese Fehler bezahlen müssen, auch wenn „Die Brücke von Arnheim“ hier und da ein wenig zu dick aufträgt, wie jene Szene mit dem heldenhaften Soldaten, der eine abgeworfene Nachschubkapsel birgt, dabei erschossen wird und dann als Leiche neben nutzlosen, aus der Kapsel herausgepurzelten Baretten liegt.
Das Aufgebot an Stars ist groß, vor allem in der Rückschau, denn Anthony Hopkins hatte damals z.B. noch nicht den Status, den er heute genießt. Es ist bei so vielen so guten Schauspielern dann auch fast unmöglich einzelne Leistungen herauszuheben, da hier wirklich jeder Toparbeit leistet. Allenfalls Sean Connery als grimmiger Anführer sowie Maximilian Schell als kultivierter Panzergeneral ragen da vielleicht noch ein bisschen heraus, doch Gene Hackman, Robert Redford, Edward Fox, Michael Caine und wie sie alle heißen – sie spielen eigentlich alle toll.

„Die Brücke von Arnheim“ nimmt sich viel vor, verheddert sich gelegentlich mit seiner Vielzahl von Schauplätzen und Figuren, doch insgesamt ist Richard Attenboroughs Film ebenso schick anzusehen wie mit kritischen Messages gespickt, ohne vordergründig einen auf Antikriegsfilm zu machen. Eine sehenswerte Angelegenheit.

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