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Und wenn man nur den Plot ganz dünn zusammenfaßt, ergreift einen schon saccharinsüße Angst: Architektin verliebt sich in Blinden, überredet ihn zu bahnbrechender Operation, doch als er sehen kann, belastet dies die Beziehung.

Das hätte wahrhaft interessant werden können, ein medizinisches Melodram, wie "Zeit des Erwachens", es wurde nur eine ärgerliche Charakterschau daraus. "At First Sight" watet so tief durch einen Klischeesumpf, daß es schier den Atem raubt.

Nun ist natürlich auch Val Kilmer nicht der Typ von sich selbst zurücknehmendem, sensiblem und vor allem sympathischem Charakter, sondern einfach nur ein schwieriger Star, der hier mal einen Behinderten spielt, der Probleme hat. Schön eckig das Ganze und schmierig dazu.
Gegen soviel Ego kann Mira Sorvino, eh nicht die beherrschenste Darstellerin, nicht anspielen und deswegen fällt sie auch kaum auf.

Was auffällt, ist das plump schematische Drehbuch, viele süßliche Szenen, die man vorhersehen kann und diverse charakterliche Plot-Wendungen, die einfach nur ärgerlich sind.
Fängt es im ersten Drittel noch neutral schmalzig an, wird es richtig peinlich, sobald Kilmer sich die Augen operieren läßt. Da gibt es kein Feingefühl, keine vorsichtige Nachbehandlung, da stehen die Reporter sofort Schlange. Und weil Sehen und Begreifen zwei verschiedene Sachen sind, hat Kilmer skriptgemäß erhebliche Schwierigkeiten damit. Ebenso klassisch hat gerade dann niemand für ihn Zeit: Sorvino behandelt ihn, als könne er das alles ja wohl allein, ein Arzt ist auch nicht zuständig und der Neurologe und Psychiater (unterhaltsamer Lichtblick: Nathan Lane) in seinem wildgepropften Kinderladen ist kaum glaubwürdig oder geeignet. Das würde jeden von uns vergrätzen, weswegen es auch bald ordentlich Vergrätzungen gibt.
Die Liebenden sprechen nicht recht miteinander über die Probleme, wenn Sorvino mal hinhört, macht Kilmer dicht und umgekehrt. So viel Imkompatibilität nervt und zwar gewaltig.

Und weil der Film noch nicht lang genug dauert, geht die Sehkraft wieder flöten und das Drama ist komplett. Natürlich folgt eine versöhnliche Schlußszene, bevor uns ein Schlußtitel informiert, daß uns hier eine wahre Geschichte untergejubelt wurde. Wenn die tatsächlich so gelaufen ist, dann mal Prost Ehe!
Tatsache ist, daß das hier unglaublich sülzig hätte werden können, aber nur banal, unnötig kompliziert und ärgerlich wirkt. Die Charaktere bleiben bei nebulös und unterentwickelt und sympathisch ist uns auch keiner so recht, weil sich beide abwechselnd affig und sperrig verhalten.
Das führt zu über zwei Stunden schwerem Atmen, bis die Chose endlich gelaufen ist. Meine Sympathie gehört dem Blindenhund. (3/10)

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