Review

Als erstes habe ich gelernt, daß The Fast and the Furious wohl nicht viel gemein hat mit dem gleichnamigen Streifen von 1955. Dies hat jedoch nichts damit zu tun, daß ich mir den Film über Jahre hinweg nicht angesehen habe. Nun habe ich es getan und es war weit weniger schlimm als erwartet. Dennoch muß man die Stylebetontheit durchaus erwähnen. Optischer Hochglanz, der den Film insbesondere in den naturgemäß zahlreichen Autoszenen von der Realität entfremdet, orientiert sich schamlos an den Looks von ebenfalls nur bedingt realistischen Videospielen.
Oh, ich stehe auf Autos, habe selber bis zum Ableben der ersten Playstation noch gezockt wie ein Tier, nur muß ich diese auch in der Story gespiegelte Oberflächlichkeit nun noch als Film haben? The Fast and the Furious besteht aus runden, sauberen Formen und Charakteren, denen die kurzzeitige geistige Leere bei einem Viertelmeilenrennen höchste Befriedigung verschafft. Macht dies einen guten Fahrer aus? Ist es nicht gerade hier das mit tausenden von Dollar hochgezüchtete Auto, durch welches man mit noch mehr Nitro-Power als der Gegner eine Chance hat?

Hier ist nicht mehr viel übrig von der Weite amerikanischer Roadmovies, in denen Outlaws der Straßen in kantigen Karossen cruisten, oder von den räudigen Halunken, welche in zahlreichen Automobilklassikern durch die Städte brausten. The Fast and the Furious besteht aus selbst nach Facelifting noch identitätslosen Blecheiern aus aller Welt und bei seichter Undercover-Cop-Story findet sich dieser Sachverhalt quasi in den flachen Figurenzeichnungen des ethnisch bunt gemischten Casts wieder.
Cohen adaptiert hier die noch unschuldige Drag-Car-Mode der 50er, wo Schrottautos in den Garagen mit wenig Geld zu möglichst schnellen Höllenmaschinen für den Zeitvertreib Autorennen umgerüstet wurden in die heutige Zeit. Waren meine Vorbehalte gegenüber dem Film gewesen, daß ich diese Tuning Trends nun bei Bedarf doch auch vor jeder Dorfdisco erleben könne, muß ich nach Ansicht zu Gunsten des Films revidieren.

Was mich erfreut hat, war, daß Cohen offensichtlich die Kommerzialisierung des Auto-Aufmotzens erkennt. Die Kriminalisierung der Szene wird zeitweilig darauf gestützt, daß es dem Normalsterblichen kaum möglich ist, sein Auto mit soviel teurem Zubehör aus der eigenen Tasche zu pimpen. Auch das Verhältnis zum Händler wird betont, der sich einen Ast darüber freut, wie die “Kids” sich diesen ganzen Tinnef in die Mobile löten. Umso ironischer scheint es, wie sich die Dorfdisco-Styler nun am The Fast and the Furious Look orientier(t)en.
Es handelt sich um Edeltrash, bei dem im Grunde wohl versucht wird das Publikum am Puls der Zeit ohne großen Tiefgang bei Laune zu halten. Die Sozial-Ethik sollte man besser nicht hinterfragen. Immerhin blieb der ob des Casts doch etwas zu doppeldeutige Arbeitstitel Race Wars auf der Strecke. Autos, Muckis und Frauen, Machogepose und Flachzangenphilosophie als schneller Snack zwischendurch. Ob man aber The Fast and the Furious noch romantisierend nachsehnen wird, wie dem charakteristischen B-Movie-Format vergangener Tage?

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