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Mit „Passwort: Swordfish“ begibt sich Actionproduzent Joel Silver allzu deutlich auf die Spuren seines „Matrix“-Erfolges.
Es beginnt mit einer recht beeindruckenden Sequenz, in der Gabriel Shear (John Travolta) über Geiselnehmer im Hollywoodkino redet und nimmt dabei immer wieder Bezug auf Sidney Lumets „Hundstage“. Doch überplötzlich sieht man, dass Gabriel und seine Gesprächpartner, der Hacker Stanley Jobson (Hugh Jackman) und der FBI-Agent Roberts (Don Cheadle), von der Polizei umstellt sind. Gabriel hat Geiseln in einer Bank genommen, Stanley ist bei ihm und Roberts und die Polizei haben die Bank umstellt. Als eine der zu lebenden Bomben umfunktionierten Geiseln von der Polizei weggezerrt, explodiert sie und verwüstet den halben Straßenzug. Der Anfang „Swordfish“ ist klasse, hinterlässt aber ein zwiespältiges Gefühl: Der Vortrag Shears ist cool und die Explosion ist mit fantastischen Spezialeffekten in Szene gesetzt worden, aber die Szene ist sehr menschenverachtend wegen der coolen Präsentation und viele der Elemente sind schlichtweg aus „Matrix“ geklaut.

Rückblende: Als der Hacker Axel Torvalds (Rudolf Martin) am Flughafen eintrifft, wird er umgehend von dem FBI in Gewahrsam genommen. Die Idee „Swordfish“ zum größten Teil als Rückblende zu erzählen gibt Regisseur Dominic Sena („Nur noch 60 Sekunden“) nicht nur die Chance am Anfang einen spektakulären Appetizer einzubauen (was vermutlich der Hauptgrund für diese Erzählweise ist), sondern ist auch eine ganz nette Idee. Denn abgesehen von dem Showdown ist „Swordfish“ eine einzige Rückblende.
Stanley hingegen ist ein menschliches Wrack: Er war wegen Hackens im Knast, seine Frau lebt jetzt bei einem Pornoproduzenten und seine Tochter darf er nicht mehr sehen. Doch dann taucht die verführerische Ginger (Halle Berry) auf und bietet ihm einen Deal an: Er begibt sich für Shear, ihren Boss, noch mal an die Tastatur und dafür bekommt er genug Geld, um einen Staranwalt zu bezahlen und das Sorgerecht für seine Tochter zu erstreiten.
„Swordfish“ mixt bekannte Elemente (vor allem aus Silvers Mega-Erfolges „Matrix“) und bringt wenig eigene Ideen mit ein. Regisseur Dominic Sena, dessen „Nur noch 60 Sekunden“ auch nicht unbedingt das Gelbe vom Ei war, kopiert auch brav den visuellen Stil der Wachowski-Brüder ohne viel eigenes einzubringen.

Die Action ist eher wenig vorhanden und wenn sie auftritt nicht immer überzeugend. Die Explosion ist fantastisch, aber andere Sachen (Flucht Jobsons einen Hügel hinunter z.B.) sind eher Langeweile-Action, die als Füllmaterial dient. Lediglich eine Mischung aus Shoot-Out und Verfolgungsjagd kurz vor dem Showdown kann begeistern, ist aber recht kurz. Der Showdown bietet zwar spektakuläre Szenen, aber keine Auseinandersetzungen - und seien wir mal ehrlich: Der Actionfan will doch Fights und Schießereien sehen.
Die Story ist zwar nicht direkt schlecht, aber nicht immer spannend. Die großen Längen sind nicht immer gut vertuscht und wegen der Anfangssequenz ist einiges schon abzusehen. Einige Einfälle wie der Test zu Jobsons Rekrutierung können wenigstens etwas reißen. Einige recht menschenverachtende Einlagen im Showdown trüben den Spaß allerdings (warum beschweren sich alle Leute über Seagal-Filme; die sind in dieser Hinsicht doch kaum schlimm).

Das Styling ist recht deutlich aus „Matrix“ übernommen worden: Schwarze Kleidung und Sonnenbrillen zu jeder Tages- und Nachtzeit. Gleiches gilt für Optik, Kamera – eigentlich für den kompletten visuellen Stil. Irgendwie kann Sena wohl nicht gut eigenes auf die Beine stellen („Kalifornia“ war ja ohne Stilklau, aber bei „Nur noch 60 Sekunden“ stand eindeutig die Optik Michael Bays Pate). Allerdings wird das Bekannte wenigstens halbwegs ordentlich präsentiert.
Hugh Jackman ist wie immer ein guter Schauspieler, auch wenn seine Darstellung bei weitem nicht seine Ausstrahlung in „X-Men“ erreicht. Halle Berry ist auch nicht in Bestform und bringt in ihrer zweiten Silver-Produktion (zuerst ihre Nebenrolle in „Last Boy Scout“) nur eine durchschnittliche Leistung. Travolta hat sichtlich Spaß an seiner Rolle als cooler und durchgeknallter Schurke und überzeugt entsprechend. Don Cheadle hingegen bleibt eher blass und kann nicht andere seiner Leistungen anschließen.

„Swordfish“ ist ein Thriller mit einigen wenigen Actioneinlagen, der nur teilweise überzeugt und so nur den oberen Durchschnittsbereich erreicht.

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