Review

Beim besten Willen, aber John Travolta spielt nur noch in irgendwelchem Schrott mit!
Die letzte Schote, die man sich antun konnte, ist der furchtbare "Swordfish", ein weiterer gelackt auf Hochglanz polierter, seelenloser Action-Klon, der seine Sympathien und die beiliegenden Ideologien recht zweifelhaft verteilt. Soll ich das jetzt gut finden?

Aber erst mal zusammmenfaselnd aufreihern: Jonnie ist ein mehrfach getarnter dicker Max, der sich, von einem Senator gedeckt, mal eben 1,9 Mrd USD ungerechtfertigt lagernde US-Zinsen einverleiben will, die aus sinistren Transaktionen stammen. Dabei ist er äußerst trickreich, hyperintelligent, voller Winkelzüge und selbstverständlich beschissen überheblich (denn er wird ja von Travolta gespielt, der diesen Charakter nun mindestens schon fünfmal ohne jegliche Variation hat aufleben lassen).
Um die Kohle zu kaschen, braucht er den besten Hacker, eben Jugh Hackman, entschuldigung, Hugh Jackman, der wegen früherer Delikte nicht mal mehr E-Banking machen darf und deswegen ständig Sorgerechtsprozesse wegen seiner Tochter gegen die dauerbesoffene Ex-Ehefrau und Neu-Daddy Porno-Produzent verliert. Mit 10 Mille könnte er aber mindestens Fish und Cage engagieren, wenn nicht McKenzie und Brackman, weswegen er notgedrungen bei dem Deal mitmacht.
In dieser Phase verliert der Film schon jeden Kredit, wenn Jackman sein Talent am Computersystem des Verteidigungsministeriums beweisen muß, nur eine Minute Zeit hat, während ihm eine Blondine gerade einen bläst. Willkommen auf dem Oberflächenniveau aus der untersten Schublade. Ach, muß ich noch erwähnen, daß man in einer völlig überflüssigen Szenen dreimal Halle Berrys nackte Titten sehen kann (die aber wenigstens besser aussehen als der Rest vom Film)? Nicht? Immerhin ein Anreiz!

Weil aber so ein selbstgebastelter Computerwurm nicht gerade 90 Filmminuten ausmacht, dient der Rest der Handlung zur langsamen Enttarnung von Travoltas Charakter, der Allemachung des Senator, der seinen besten Mann gar nicht mehr lieb hat und dem finalen Coup, bei dem man vom "Clou" bis "Speed" alles zusammengeklaut hat, was gerade nicht unter Copyright stand.
Eingerahmt wird das vom Showdown (Rest wird durch Rückblenden erzählt), der sogar Bullet Time zu bieten hat (übrigens eine schöne Szene), und zum Ende hin fertig erzählt wird.

Und die Moral von der bitteren Geschicht? Travolta entkommt mit einem Dreh, der uns schon zur Filmmitte schmackhaft gemacht wird, mit der "guten" Begründung, mit dem Geld jetzt weltweit Terroristen wegzupusten, was er dann auch tut. Dafür darf er vorher ein paar Bankgeiseln mit C4 und Elektronikhalsband pulverisieren, aber Opfer gibt's ja immer und so, wie uns das hier erzählt wird, hat eh die uneinsichtige Polizei Schuld.
Jackman kriegt sein Töchterlein, weil den Rest der Familie ein mildtätiger Unbekannter umgenietet hat und fährt von nun an quer durch die Staaten, obwohl er breiteste Ausreiseverbot aus dem eigenen Staat hat.
Und wir sitzen da mit dem wohl am dicksten aufgetragenen Zynismus seit langem auf Zelluloid (oder ähnlichem Material) und sollen uns darüber freuen, besonders nach dem 11.September? Das ist schon widerlich berechnend.
Nebenbei geht uns der Streifen neben seiner Ultra-Coolness noch mit seinem hippen Hochglanz-Style modernster Elektronik auf den Geist und der sinistren Entscheidung einen bräunlichen Sepiafilter über alle Bilder zu legen, was wohl ein ganz südlicher Look sein soll. Und Vinnie Jones darf in drei Szenen böse in die Kamera gucken!

Wirklich schön passend allerdings die Eingangsszene, in der Travolta mit nicht gezeigten Personen in einem Coffeshop darüber resumiert, daß es keine guten Filme mehr gibt wie noch in den Siebzigern. Allerdings geht einem die Ironie erst später auf, denn wenn die Schlußtitel erst mal laufen, weiß man, wie recht er hat, denn so ein aufpolierter Scheiß wäre 1975 noch nicht möglich gewesen. (3/10)

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