"Passwort: Swordfish" enttäuscht ein bisschen. Dabei lassen die ersten Minuten auf viel mehr hoffen. Gabriel Shear (Travolta) erzählt dem Zuschauer ein wenig über Hollywood-Produktionen und gibt eine kleine Lehrstunde in Sachen Filmrealismus. Nach diesem Gespräch steckt man plötzlich auch schon mitten im Getümmel und merkt wie die Luft im wahrsten Sinne des Wortes brennt, denn eine Explosion vor dem Bankgebäude richtet großen Schaden an. Insgesamt ein furioser Beginn. Klasse auch die sehr an "Matrix" erinnernde Sequenz der Explosion, welche wirklich gut gemacht wurde. Allerdings hätte man diese Zeitlupe nicht ganz so lange zelebrieren müssen.
Dieser durchaus gute Beginn machte Spaß auf mehr, doch leider verpufft die Freude schnell wieder, denn es folgen viele wirklich spannungsarme Minuten, in denen sich der Film selber nicht an Gabriels Anfangsworte über Filmrealismus hält. Einen Code in 50 Sekunden zu knacken, den man sonst vielleicht in 60 Minuten schafft? - Warum nicht! Man hat ja den besten Hacker der Welt und für den ist ja bekanntlich nichts unmöglich...
Auch ein fliegender Bus ist mir bisher noch nicht unter die Augen gekommen und ist natürlich Teil eines der besten Ablenkungsmannöver überhaupt (Ich hoffe meine Ironie wird deutlich). Normalerweise würde das nicht viel bringen, da es heute genug Polizeihelicopter gibt.
Auch die Tatsache, dass der zweitbeste Hacker so blöd ist, sich bei der Passkontrolle einkassieren zu lassen, ist doch etwas unglaubwürdig, wo doch heut zu Tage jeder X-beliebige Ausländer es bei den ach so sicheren amerikanischen Kontrollen schaffen würde, illegal in Amerika einzureisen.
Und dann wird dieser auch gleich beim Verhör durch normalerweise kugelsicheres Glas erschossen - also ich weiß ja nicht...
Fragwürdig auch, warum ein Hacker plötzlich mit einem Raketenwerfer schießen kann? Lernt man sowas vielleicht bei der US-Armee? - Wer weiß das schon...
Aber eigentlich war ich ja bei der Spannung stehen geblieben. Die Spannungskurve würde aussehen wie bei einer "Tour de France" - Gebirgsetappe, bei der Start und Ziel jeweils auf einem Berg liegen. Sprich dazwischen geht es steil bergab in ein tiefes Tal. Man versucht zwar diese Talfahrt mit der kleinen Vater/Tochter - Story abzubremsen, aber wirklich gelingen tut das nicht, da man so eine Geschichte, die auf die Tränendrüsen der Zuschauer drücken soll, schon viel zu oft gesehen hat und es hier bei wirklich keine neuen Storyelemente gibt.
Die Spannung war zwar durch die Tatsache, dass die Handlung vier Tage vor der Anfangssequenz beginnt und somit erstmal nur auf dieses Ereignis hinauszielt, zugegeben wirklich schwierig auf hohem Niveau zu halten. Aber wenn man sich für eine Story entscheidet, die hauptsächlich eine Rückblende ist, dann muss man den Zuschauer mehr als nur langweilige "zu Fuß - Verfolgungsjagden" bieten.
Interessant ist aber das Ziel, welches Gabriel verfolgt. Ihm steht der Patriotismus bis zur Stirn. Er ist ein Terrorist, dass muss man hier mal deutlich sagen, und eleminiert USA-feindliche Terroristen, um sein Land zu schützen. Von den Gedanken her ist das gar nicht mal so absurd. Ich glaube in der Tat, dass einige Amis über Leichen gehen würden. Allerdings sind für den Normalamerikaner von der finanziellen Seite her solche Aktionen gar nicht zu realisieren. Aber ich denke, es gibt tatsächlich solche Wahnsinnigen. Gabriel ist so einer, der das benötigte Geld besitzt.
Schlimm ist, dass diese patriotistischen Gedanken im Film gar nicht mal so sehr kritisiert werden, denn in der Schlussszene explodiert noch mal mit typischer Hollywoodmusik lustig ein feindliches Schiff. Also ich weiß nicht, aber damit sollte man sehr vorsichtig seien. Mir gefällt der Schluss deshalb auch überhaupt nicht.
Im Bereich schauspielerische Kunst kann man bis auf John Travolta nicht unbedingt Lorbeeren verteilen. Halle Berry zeigt sich bei weitem nicht in Topform - Da hilft auch nicht ihr Aussehen oder die Tatsache, dass sie schon einen Oscar gewonnen hat.
Hugh Jackman bietet eine ordentliche Vorstellung, kann aber auch nicht immer überzeugen. Im Gegensatz zu seiner "X-Men" Vorstellung ist das hier nicht viel.
Einzig und allein Travolta gefällt mir hier sehr gut, obwohl er den bösen Charakter ja nun auch nicht mehr zum ersten Mal spielt. Aber trotzdem hat er es als Bösewicht voll drauf und schafft es den Zuschauer mit seiner schwer zu beschreibenen Ausstrahlung in den Bann zu ziehen.
Fazit: Action und Spannung kommen leider nur sehr selten auf Hochtouren. Der Stil und das etwas gelbliche Bild erinnern sehr an "Matrix". Die Story geht in Ordnung nimmt aber ein Ende, dass mir nicht so recht schmecken will. Alles in allem noch 6/10 Punkten.