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Gepflegte Langeweile, belanglose Dialoge, eine "Matrix-für-Arme" Actionszene und Halle Berrys nackte Brüste, mehr behält man nach 100 Minuten "Passwort: Swordfish" nicht im Gedächtnis und selbst dieses Wenige möchte man (mit Ausnahme von Frau Berry vielleicht) am liebsten wieder verdrängen.

Joel Silver, Matrix Produzent und vermeintlicher Erfolgsgarant, wollte wohl einen hippen, coolen Actionfilm drehen, der optisch noch Michael Bays Hochglanz Schwachsinn in den Schatten stellen sollte. Dazu holte er sich mit Dominic Sena einen Bruckheimer erfahrenen Regisseur, der im Jahr zuvor bereits Nicolas Cage durch einen ähnlichen hohlen und inhaltlich armen "Gone in 60 Seconds" gejagt hat. Dazu noch Mr. cool persönlich, John Travolta und den angesagten X-Men Hugh Jackman, sowie fürs Auge Halle Berry und fertig ist die vermeintliche Topbesetzung.

Alles was dann noch fehlte war wohl ein packendes Drehbuch, das irgendwie etwas von Matrix haben sollte, aber auch Platz für Dialoge besitzen sollte. Tja und eben an diesem Drehbuch krankt es gewaltig. Die Story hangelt sich von Logikfehler zu Plothole und präsentiert dabei die ganzen durchaus begabten Darsteller als hohle Phrasendrescher, die als Paradebeispiele für eindimensionale Charaktere herhalten können.
Hugh Jackman spielt den Top Hacker Stanley, der im Knast war und jetzt in Texas Bohrlöcher schmiert. Eines Tages steht Halle Berry in seinem Wohnwagen und macht hm ein Angebot, das er nicht ablehnen kann. Er bekommt 100.000 Dollar wenn er sich mit Gabriel (John Travolta) trifft. Natürlich sagt er zu, schließlich braucht er die Kohle um seine Tochter von der geschiedenen Mutter loszueisen, die mittlerweile mit dem Pornokönig von L.A. zusammen ist.( wer überlegt sich eigentlich solche Handlungen?). Also trifft er Gabriel, der ihm nach einem selten dämlichen Test 10 Millionen Dollar bietet wenn Stanley für ihn ein Programm hackt. Dumm nur das sich Stanley benimmt wie der letzte Idiot und schon bald das FBI an den Hacken hat. Gabriel stellt sich als Top Terrorist heraus, der alle Staaten bestraft, die den Frieden und die Freiheit der USA verletzen, und das "gleich 10 mal so stark". Was dann folgt ist viel gehacke, ein bisschen Geballere und eine zugegebenermaßen ganz nett gefilmte Flucht in einem am Hubschrauber hängenden Bus.
Am Ende wird dein noch ein vermeintlicher Plottwist gebracht, der sich aber bereits in der Mitte des Films mehr als deutlich abzeichnet und zudem noch eine extrem fragwürdige Moral transportiert, die aber zumindest in den USA wohl für viel Begeisterung gesorgt haben dürfte. Denn hier wird der Terror zum Schutze der USA verherrlicht und das Prinzip "Auge um Auge" verglorifiziert. Das stößt dann doch extrem bitter auf.

Optisch gibt es wenig auszusetzen, auch wenn die Bilder extrem durchgestylt wurden und die Hochglanzoptik oftmals viel zu geleckt und steril wirken. Dazu kommt noch ein ähnlicher Farbfilter wie er auch in Bad Boys verwendet wurde, der den Bildern einen golden bräunlichen Look verleiht. Auf den ersten Blick herausragend ist sicherlich die bereits zu Beginn verbratene Szene einer zur Splitterbombe umfunktionierten Geisel, bei der die Kamera eine in Zeitlupe vollführte, komplett animierte 360 Grad fahrt durch mehrere Gebäude macht. Bei näherem Hinsehen stellt man aber doch fest, das sich Silver hier wohl an die Matrix Technologie erinnert hat und das ganze einfach durch einen Blur-effekt noch etwas verwischt wurde. Ansonsten sticht nur noch eine kurze Schießerei mit daran anschließender Verfolgungsjagd, die aber leider nachts in dunklen Straßen stattfindet und zudem auch nicht durch große Qualität überzeugen kann. IM Finale gibt es dann noch den bereits erwähnten Fluchtversuch mit einem russischen Transporthubschrauber, der einen gesamten Bus abtransportiert und durch die Innenstadt schwebt und dort für ordentlich Sachschaden sorgt.

Die Darsteller überzeugen wenig. Einzig John Travolta spielt die Rolle des coolen Zynikers, der über Leichen geht ordentlich, aber die dürfte er inzwischen ja auch im Schlaf beherrschen. Hugh Jackman zieht zwar immer wieder seine Augenbrauen in Close Ups nach oben, das war es dann aber auch schon mit schauspielerischer Vielfalt bei ihm. Extrem seltsam auch die Szene in der sich in das System einhackt und dabei wohl versucht so etwas wie Anspannung und Konzentriertheit spielt. Halle Berry hat keine besondere Aufgabe innerhalb der Story und kann wohl am ehesten noch durch die erwähnte Oben ohne Szene für Akzente sorgen. Mehr bleibt von ihrer Rolle dann aber auch nicht im Gedächtnis. Die weiteren Darsteller verkommen zu Stichwortgebern und Statisten, so etwas Sam Shepard, Don Cheadle oder Fußballgott Vinnie Jones, den Dominic Sena wohl gleich von "Gone in 60 seconds" mitgebracht hat.

"Paswort: Swordfish" ist belangloses, Actionkino, dass aber irgendwo die Action vergessen hat. So regieren flache Dialoge und Charaktere die man genauso schnell wieder vergisst wie man sie sieht. Optisch und technisch sicherlich ordentlich gefilmt, gelingt es Dominic Sena zu keinem Zeitpunkt dem Film einen eigenen Stempel aufzudrücken und ihn so aus der Masse der Einheitsware hervorzuheben. Dazu kommt die grandios beschissene Moral die der Film transportiert und unglaublicher weise auch noch vollkommen ernst meint. Einer der Filme, die man einmal sehen kann, aber sie anschließend garantiert nicht mehr so schnell wieder sehen möchte. 4 von 10 Punkten.

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