Nach dem alles andere als berauschenden Ping Lacson: Super Cop (2000) die zweite Biographie vom erst spät, dann aber umso mehr vielbeschäftigten Toto Natividad, der als assistant film editor die Karriere begonnen und Anfang der Neunziger auch die Verantwortlichkeit als Regisseur übernommen hat. Natividad, der heutzutage auch vermehrt im Fernsehen und daneben auch als Mentor für Studenten der Filmwissenschaft tätig ist, hat sich gerade in diesem Zeitraum für Millennium Cinema Inc. als Lieferant für Nachschub im stetig nachlassenden Actiongenre, allerdings nicht automatisch als Garant für Wünschenswertes in diesem Bereich bestätigt. Auch hier sind die Nachteile größer als die Pluspunkte, selbst wenn Ideen gerade in der Erzählung des "Furchtlosen von Manila", einem der am Schnellsten in der Hierarchie aufsteigenden Polizisten und in der engen Auswahl zur Wahl des am Meisten Herausragenden Absolventen der Philippine National Police Academy, selber vorhanden und größere Mengen an diversen Schießereien getätigt sind:
Elmer Jamias [ Jinggoy Estrada ] hat sich dem Kampf gegen das Verbrechen verschrieben, was ihn nach mehreren glücklicherweise überstandenen Auseinandersetzungen mit schwer bewaffneten Schergen auf offener Strasse bald auch an die Hintermänner des kriminellen Geschehens, Berting Andal [ John Regala ] und Adan Adal [ Jeffrey Santos ], ein elender Haufen Schmiergangster führt. Das kriegsähnliche Gebaren inmitten der Zivilisation bringt allerdings auch Jamias' Familie, allen voran Ehefrau Goody Ramirez Jamias [ Angelu De Leon ] und das neugeborene Kind sowie die hochschwangere Zeugin und Aussteigerin Olga [ Melissa Mendez ] in die Schusslinie.
Da im Philippinischen Polizeifilm anscheinend jeder Superintendant mit vollzogener Promotion gleich auch seine eigene verfilmte Biographie gewinnt, kann man auch hier das Entlanghangeln an dergleichen Konvention samt entsprechender Aufmerksamkeitsspanne – die mittlerweile recht gering ist – attestieren. Gut gegen Böse, die Mannschaften mit Marke und Dienstausweis gegen das Gesindel von der Straße, wobei die Einen redlich und ehrschaffen ihren kargen Sold im Dienste der Gesellschaft verdienen und die Anderen einfach nur Abschaum mit Geldgier und Skrupellosigkeit und Verfettungsgrad sind. Folgerichtig stehen die Konfrontationen im Vordergrund, sind die Motive und die Mittel ja widerstreitend und unvereinbar und kann in der simplen Dramaturgie auch nur eine Partei gewinnen. Dabei konzentriert man sich zumindest auf einen überschaubaren Abschnitt, und versucht nicht, wie auch schon geschehen, dreißig Jahre Politik und Gesellschaft in sprung- und episodenhaften 90min zu packen. [Zwei Wochen vor Veröffentlichung des Filmes wurde ein vermeintlicher Skandal über Erpressungsfälle und tolerierte Glücksspielaktivitäten auf dem Divisoria Market des damaligen Superintendent und Leiter der Binondo Police Station Jamias gerade noch beigelegt.]
Schwarz und Weiß, kein Grau, auch keine weiteren Zwischentöne, wenig bis keine Charakterisierung überhaupt, sondern einfach nur das Stolpern an diversen Razzien, verschiedenen Auseinandersetzungen und schließlich und endlich der Showdown im vorhersehbaren Sinn. Wo zuvor in der Filmhistorie, allen voran den späten Achtzigern und frühen Neunzigern die einheimische Polizei alles Andere als strahlend in den jeweiligen Episoden, speziell den Werken der mittlerweile verschollenen Pepe Marcos und Augusto Salvador, zurande kam, wird sich hier und üblich zur fortgeschrittenen Zeit nur an blassen Abziehbildern und nur wenig mehr bemüht. Überhaupt hat sich die Situation geändert, zum Schlechten leiderdings, was sich durch den Hauptteil des Schaffens der noch übrig gebliebenen Regiekollegen zieht. Auffällig ist der verlorene Charme, die Kreativität, die fehlende Ausdauer und insgesamt die Kondition im Sprint, erreicht man selten bis nie die Klasse, die Form, die Tiefe und das Mitreißende wie noch eine Dekade davor und schafft so nur den finalen und dümmlich wirkenden Lückenfüller ohne tatsächlichen Ertrag.
Auch hier ist die Kamera zu aufgesetzt, zu verwackelt und nah dran an den Personen, klebt ihnen fast im Gesicht und zittert darum umher, statt den Raum für das Atmen, das Geschehen und die Umstände darumherum zu lassen. Die Akteure wirken tatsächlich gestellt und einstudiert, wie unrasierte und schlechte frisierte Komparsen, in ihrer unangenehm verschwitzten Leibesfülle und der physisch sichtbar schlechten Belastbarkeit wie grad vom üppigen Mahl weggeschnappt und vor die Kamera geschleift. Poserei statt Schauspiel bestimmt jegliche Szenerie, einzig Routinier (und damaliger Bürgermeister von San Juan) Estrada bringt (auch mit Wohlstandbauch) etwas Gefühl und Sympathie und Empathie in diese klischeehafte Lebenslage ein und ist auch optisch nicht das sonstig gebotene hässliche Abziehbild.
Zum Glück für das Werk und seine wenige Zuschauerschaft, die das Alles schon mal und da wesentlich besser gesehen hat, sind wenigstens die Actionszenen zahlreich vertreten und so halbwegs solide umgesetzt, angesichts des sowieso bescheidenen Jahrgangs zumindest. Manchmal hilft da die Location, wie die Stürmung eines Drogenlabors, in der die Waffen zur Verteidigung gleich neben den Reagenzgläsern und allerlei Pülverchen stehen und die Chemiker noch komplett vermummt zur MP greifen und feuern. Manchmal hilft der Zustand an sich, wird auch mal ein tatsächlicher Straßenkrieg suggeriert, in der ohne Vorwarnung und Umstände die noch sorglos eintreffenden Streifenwagen unter Beschuss genommen werden. Eine tatsächliche Choreographie muss man da leider missen, wie gewohnt ist die Schlagzahl der Schussfolgen zwar hoch und wird angenehm die Öffentlichkeit gewählt, die Montage dessen aber einfallslos und dürftig im ewigen Schnitt/Gegenschnitt ohne gleitenden oder auch rotierenden Rhythmus bewegt.