Review

Die Comedyschmiede National Lampoon sorgte mit ihrem gleichnamigen Magazin und den dementsprechend inspirierten und basierenden Filmen vor allem in den Achtzigern für eine Reihe von komödiantischen Semiklassikern und Genregrössen, zu denen u.a. die Filme Ich glaub, mich tritt ein Pferd [ 1978 ], Ich glaub' mein Straps funkt SOS [ 1982 ] , Die Schrillen Vier auf Achse [ 1983 ], Hilfe, die Amis kommen [ 1985 ] , Schöne Bescherung [ 1989 ] und später Loaded Weapon 1 [ 1993 ] und Party Animals [ 2002 ] gehören.

Der eine eigene Ausgabe füllende Artikel „The Utterly Monstrous, Mind-Roasting Summer of O. C. and Stiggs.“ erschien im Oktober 1982 und erschuf schnell eine eigene und beständige Fanbase; die Verfilmung von Robert Altman zwei Jahre später wurde von MGM einige Zeit zurückgehalten, dann von den Anhängern verrissen und von allen anderen praktisch nicht gesehen.
Dabei ist die Wahl des Regisseurs heute noch fast der einzige Grund, warum das Werk nicht ganz in der Versenkung verschwunden ist; im Übrigen zündet hierbei Altman eigentlich ebenso wenig auf dem Regiestuhl wie die Witze im Film, nämlich kaum bis gar nicht, oder halt nur für Kenner und Anhänger des Regisseurs.
Die Schuld liegt an den ständigen Übertreibungen, die die verschiedenen Episoden der beiden Teenager jedes Mal komplett überzeichnen und dabei nie ein normales Maß finden, um den Humor wirken zu lassen. Die Realität in dem hier porträtierten Amerika ist komplett abgehoben, eigentlich quasi nicht vorhanden; es kann alles passieren und es passiert auch alles und mehr. Dementsprechend schwach ist die narrative Organisation, der Aufbau funktioniert erst nicht und wird dann ganz weggelassen; man hangelt sich von einem verrückten Erlebnis zum anderen, ohne Anschlüsse und nicht wirklich eine Einheit bildend. Am Schluss wird sinnbildlich für die Primärstruktur alles in die Luft gejagt.

Die Abenteuer der beiden Teenager O.C. [ Daniel Jenkins ] & Stiggs [ Neill Barry ] beginnen am letzten Schultag, eine Hitzewelle von 45° liegt über Scottsdale, Arizona. Es ist Sommer, Surfen im eigens fabrizierten Surfbeach inmitten der Wüste ist ebenso angesagt wie seinen Hintern entblössen. Der Wasserspender explodiert, erwischen tut es als Opfer den kleinen Randall Schwab Jr. [ Jon Cryer ], der mitsamt seiner Familie zu den bevorzugt auserwählten Opfern der zwei anarchistischen Tunichtgute gehört.
Die Schwabs sind eine recht wohlständige Großbürgersfamilie, deren auffälligstes Kriterium ihre abtörnende Mischung aus Bigotterie, falschem Patriotismus, Fremdenhass und Eigennutz ist, die ihr Dasein zu einem grotesk abstrakten American Way of Life macht.
Mehrere Anfänge für einen „normalen“ Film verstricken sich jetzt in Nebenhandlungen und damit fast einzelnen nichtbeendeten Filmen, die weder als Satire noch als pure Teenkomödie bezeichnet werden können; die Aussagen sind gleichzeitig zu extrem und schwammig.

Altman - der selber wenig Lust auf den Film hatte, aber zu dem Zeitpunkt nicht gerade mit Angeboten überschüttet war [ Popeye und Komm zurück, Jimmy Dean waren abgedreht ] – möchte gern eine Farce auf die Grundträger und Mythen der amerikanischen Lebenseinstellung zeichnen, gegen den seine Antihelden revoltierten; verliert aber das Ziel „ironische Persiflage“ schnell aus den Augen.
Aus Schabernack gegen die Schwabs, Zusammenhanglosigkeiten, Parodien und anderen akustischen Spielereien wird zusammen mit der politischen Bizarro Welt von Reagans Regentschaft eine eigene Dimension kreiert, die sich als zweite Wirklichkeit darstellt und darüber den Blick schärfen und die Lächerlichkeiten entlarven möchte. Das gelingt einige Male [ der Lincoln Witz ], wird aber selbst dann totgeritten; mehrere Running Gags werden bis zum Ende hin ausgereizt. Zudem werden Karikaturen von so berühmten Leuten wie Bob Uecker erstellt; allein die Annahme, den könnte jemand kennen, ist am lustigsten.
Mehrmals wird ein Apocalypse Now Spinoff samt Dennis Hopper betrieben; feste Geschehnisse drehen sich um eine von Vögeln vollgeschissene Hochzeit, einen Trip nach Mexiko inclusive Schwulenfestival, einem unplanmässigen Auftritt vom Minister of Enjoyment King Sunny Ade and The African Beats höchstpersönlich [ Das Beste am Film ] und einer Spendenaktion zugunsten von Säufern und Drogensüchtigen.
Ironischerweise erscheinen die beiden Antihelden dabei in ihrer Destruktivität noch mehr als Loser und leider auch nie sympathisch; ihre Aktionen eher als misslungener Versuch, die Pubertät zu meistern. Dementsprechend infantil ist die Komik, womit fleissig Vorarbeit für ihre Nachfolger Bill & Ted, Beavis & Butthead, Wayne & Garth und Sweet & Dude geleistet wird.
Die Revolte selber ging daneben; ist zwar anfangs ganz interessant, aber dann doch bitte lieber eine richtige Klamotte.

[ Review wurde auch auf www.filmbesprechungen.de veröffentlicht. ]

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