Zur Zeit der spanischen Inquisition, wir schreiben das Jahr 1492: im Namen der Kirche terrorisiert Großinquisitor Torquemada das Land. Als die Bäckersfrau Maria als Hexe verhaftet wird beginnt das psychische Gerüst von Torquemada - der in ihr die leibliche Verkörperung der Jungfrau Maria sieht - auseinander zu brechen, mit ihm sein totalitäres Regime...
Wenn die „Full Moon“ Schmiede sich eines der bekanntesten Werke von E.A. Poe annimmt kann man davon ausgehen das wie bei so allen Verfilmungen der literarischen Vorlagen auch nur Bruchstücke vorkommen; hier ist es nicht anders, zumindest aber gibt es neben der Grube und dem Pendel etwas historischen Hintergrund, nämlich die spanische Inquisition des Mittelalters. Man muss sich aber vor Augen halten das „Full Moon“ Produktionen nicht unbedingt mit einem großen Budget ausgestattet sind, demnach sich alles auf einem etwas einfacheren Niveau bewegt. Trotzdem ist die mittelalterliche Stimmung recht ordentlich eingefangen, insbesondere der Folterkeller ist mit seiner eisernen Jungfrau, „heißem Stuhl“ und sonstigem Folterwerkzeug nett ausstaffiert. Aber auch sonst sind die Kulissen durchaus ansehbar - Charles Band stellte sogar sein echtes Schloss für die Dreharbeiten zur Verfügung. Man darf aber eben keine historischen Genauigkeiten erwarten oder Liebe zum Detail bei Kostümen und Bauten.
Dennoch sind Parallelen zur echten damaligen Zeit recht nett herüber gebracht: wenn z.B. die vermeintliche Hexe ihrem Scharfrichtern Schmuck gibt damit dieser ihr vor dem Feuertod die Kehle abschnürt um das Sterben zu verschnellen. Oder aber der religiöse Fanatismus mit dem die Eiferer des Glaubens vorgehen, teils angetrieben durch Frauenhass wegen Impotenz – all dies wird von Regisseur Stuart Gordon gewohnt augenzwinkernd aufgegriffen. Leider kommt so trotz ähnlicher Thematik zu vielen „Nunploitationern“ kaum Härte auf, ja bisweilen wirkt das ganze überzogen und comichaft – wie z.B. die Auspeitschung des Skeletts am Anfang. Gut bei einem Gordon-Film erwartet man diesen Humor, wenn er auch nicht ganz passt weil er diesen Stil nicht konsequent durchzieht. Richtig vermissen tut man aber seine oft kruden Effekte, ansatzweise sind diese auch vorhanden (Zunge abschneiden, Körperhalbierung durch das Pendel), richtig splattrig wird es aber kaum. Das ist sehr schade, denn das schätzt man bei den Stuart Gordon Filmen so sehr, die Mischung aus schwarzem Humor und derben F/X.
Angezogen wird das Tempo eh erst in der zweiten Hälfte: Verfolgungsjagden, Schwertkämpfe, die Szene mit dem Pendel – alles recht nett anzusehen, wenn auch nicht sonderlich spektakulär und etwas aus dem Zusammenhang gerissen, ja bisweilen bruchstückhaft wirkend. Denn die erste eher gemächliche Hälfte ist sehr dialogreich, führt die Personen ein ohne wirklich die Geschichte weiterzuspinnen. Gordon setzt hier darstellertechnisch auf bewährte Personen, allen voran Jeffrey Combs der hier einen bebrillten Schreiberling der Inquisition spielt. Eine kleinere Rolle aber wie immer sehr nett gespielt. Mit Lance Henriksen als Torquemada hat man eine wirklich diabolisch-perfekte Besetzung gefunden, ihm merkt man sichtliche Spielfreude an, seine masochistisch-sadistischer Charakter wie auf den Leib gepeitscht. Das ein Star wie Oliver Reed eine so kurze Screentime hat etwas schade, jedoch erinnert sein Tod an ein anderes Werk von Poe: „Das Fass Amontillado“.
Das muss man Gordon auch anrechnen, eine gewisse Wahrung des eigentlichen Stoffes der Geschichte. Natürlich fehlt viel oder wurde umgeschrieben damit es in diese Geschichte passt, aber von den diversen Verfilmungen der Kurzgeschichte kommt diese schon nah dran. Was wirklich etwas aufstößt ist der gewisse Biss der fehlt und den man bei der Thematik sich gewünscht hätte. Für Stuart Gordon Fans eine kleine Enttäuschung, für einen „Full Moon“ Film schon fast großes Kino. Die Atmosphäre ist echt gelungen, sieht man einmal von dem nur in Schüben keimendem Spannungsbogen oder der mäßig fesselnden Erzählweise ab kann der Film überdurchschnittlich unterhalten.