Stuart Gordon´s „the Pit and the Pendulum“, hierzulande als „Meister des Grauens“ bekannt, ist eine relativ lose auf der gleichnamigen 1842er Edgar Allan Poe Kurzgeschichte „die Grube und das Pendel“ basierende Produktion aus der „Full Moon Entertainment”-Kultschmiede von Charles Band. Angesichts des limitierten Umfangs der Vorlage, welche nur wenige Seiten umfasst, war es Drehbuchautor Dennis Paoli („the Dentist“) nötig, eine weitestgehend eigenständige Rahmenhandlung zu kreieren, um den Inhalt auf Spielfilmlänge zu übertragen – dementsprechend dürftig erinnert das fertige Werk noch an die klassische Story des berühmten Horror-Schriftstellers, zumal das Kernstück jener vorliegend nicht einmal mehr eine zentrale Position innerhalb der Geschehnisse einnimmt, sondern nur zum Finale hin als Abschluss einer ganzen Reihe von Set-Pieces eingebunden wurde. In dieser Hinsicht traf der hiesige Verleih mit seiner Namenswahl eine dienliche Entscheidung – eine Einschätzung, die ebenso auf den amerikanischen Alternativtitel „the Inquisitor“ zutrifft…
Toledo (Spanien) im Jahre 1492: Während Columbus auf der anderen Seite des Ozeans gerade die neue Welt entdeckt, herrschen in vielen Gebieten des alten Europas pechschwarze Zeiten, denn mit eiserner Faust regiert dort, sich quasi von der streng religiösen Prägung des Volkes nährend, die heilige Inquisition, deren Ziel es ist, Gottes Wort und Wille (bzw ihre Interpretation der betreffenden Überlieferungen) zu gewährleisten und durchzusetzen. Zu diesem Zweck werden anders denkende Individuen (Abweichler, Opponenten, Freigeiste etc) nur allzu häufig als Ketzer oder Hexen diffamiert – sadistische Folterverhöre und öffentliche Hinrichtungen stehen daher an der Tagesordnung. Als das junge Bäckerehepaar Maria (Rona De Ricci) und Antonio (Jonathan Fuller) im Rahmen eines Marktplatzbesuchs unfreiwillige Zeugen solch eines grausamen Spektakels werden, ist vor allem die gottesfürchtige Frau angewidert von der dargebotenen Brutalität, welche selbst vor dem Auspeitschen eines Kindes nicht Halt macht, das zugleich mit ansehen muss, wie seine Mutter zuerst bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und im Anschluss dann, begleitet vom Jubel der Massen, verbrannt wird. Entschieden fasst sie sich ein Herz, schreitet ein und bittet den anwesenden Großinquisitor Torquemada (Lance Henriksen) um Gnade für den Jungen: Zwar stoßen ihre Worte bei ihm auf taube Ohren, aber etwas in seinem Innern fühlt sich augenblicklich von ihrer unschuldig anmutenden Schönheit angezogen – ein Gefühl, das er selbstverständlich nicht zulassen darf, weshalb er Antonio umgehend niederprügeln und sie kurzerhand verhaften lässt…
Fortan geht Torquemada seine hübsche Gefangene nicht mehr aus dem Kopf: Er ist fasziniert von ihr, fleischliche Gelüste keimen in ihm auf, in seiner Phantasie sieht er sie gar als Jungfrau Maria – selbst intensive Geißelungen vermögen diese Gedanken kaum bzw bestenfalls temporär zu vertreiben. Eine Untersuchung, bei welcher diverse Männer der Kirche sowie örtlichen Exekutive (u.a. Jeffrey Combs & Mark Margolis) die nackte Maria nach Teufelsmalen absuchen, schließt im Grunde damit ab, dass einer von ihnen sie heimlich kneift und die dadurch entstandene Hautverfärbung als Beweis ihrer Schuld präsentiert wird. Ins Burgverlies gesperrt, lernt sie Esmeralda (Frances Bay) kennen, ihres Zeichens eine echte „Hexe“ (im Sinne einer naturverbundenen Heilerin), die ihr nützliche Ratschläge gibt – etwa wie man sich innerlich von den Qualen distanzieren, also geistig an einen „besseren Ort“ flüchten kann. Derweil setzt Antonio alles daran, seine Angetraute zu befreien: Dank einer kleinen Bestechung erkauft er sich den Weg ins Gebäude hinein – wo er allerdings prompt verraten und gefasst wird. Beide Liebenden erleiden daraufhin etliche Schmerzen unter den Händen der christlichen Folterknechte, nur unterbindet das Torquemada irgendwann in Maria´s Fall, denn er will dieses ihn so faszinierende Wesen, das seinen eigentlich unbeirrbaren Verstand vereinnahmt hat, jetzt im Prinzip nur noch für sich allein haben. Als es dem Großinquisitor jedoch nicht gelingt, sich ihr körperlich aufzuzwingen, flüchtet er sich in blindwütigen Aktionismus: Zusätzlich erzürnt von ihren Worten, schneidet er ihr die Zunge heraus, ordnet Esmeralda´s Verbrennung an und wählt Antonio als das erste Opfer seines neusten Tötungsinstruments aus – eines riesigen, mit einer rasiermesserscharfen Klinge bestückten, von der Decke hängenden sowie sich langsam auf die darunter festgeschnallte Person niedersinkenden Pendels. Ihre Zeit scheint abzulaufen – und angesichts der Lage kann im Prinzip nur noch ein Wunder das Paar erretten…
Ich muss zugeben, dass mich „the Pit and the Pendulum“ von der ersten Minute an überrascht hat – bloß leider nicht unbedingt auf eine positiv einzuschätzende Weise. Angesiedelt in einer der grausamsten Epochen überhaupt, erwartete ich einen konsequent düsteren Film, der die historisch überlieferten Gräueltaten, welche manche Zweige der Kirche zu jener Zeit im Namen des Herrn verübten, schonungslos aufzeigt – doch gleich die Eingangssequenz zwang mich dazu, diese Hoffnung schlagartig zu begraben und mich auf eine ganz andere Herangehensweise gefasst zu machen: Posthum der Ketzerei für Schuldig befunden, lässt die religiöse Obrigkeit einen schon länger Verstorbenen aus seinem Grab holen, worauf der bereits skelettierte Leichnam zusammengebunden, aufgehängt und ausgepeitscht wird, wonach die in Folge der Schläge entstandenen Einzelteile zu Staub zermahlen sowie in die Sanduhr Torquemadas gefüllt werden. Das Gebotene wirkt Comic-haft überzogen – und diese Humorart ist es, welche fortan die komplette Laufzeit durchzieht. Schon des Öfteren hat sich Gordon im Rahmen seiner Karriere ernsteren Stoffen mit augenzwinkerndem Witz angenähert – nur funktioniert das in diesem speziellen Fall unglücklicherweise (im Gesamtbild betrachtet) nicht so gut. Gewiss, wenn man den Blick auf individuell herausgestellte Passagen richtet, mutet das Gebotene gelegentlich gar köstlich an – allen voran die trockenen Kommentare Franciscos (Combs), der immerzu Protokoll führt und für aufklärende Erläuterungen zuständig ist („Confessions are only accepted under Torture – otherwise you might only confess to avoid being tortured, and it wouldn´t be a true Confession“). Großartig auch seine letzte Botschaft an Esmeralda vor ihrer Exekution: „I´m sorry that you weren't properly able to confess. There just wasn't enough time to torture you.” Ihre Erwiderung: „Thanks anyway.” Die Absicht hinter dieser ironischen Präsentation der Dinge ist klar erkennbar, nämlich das Herausstellen der grotesken Absurdität der Handlungen und Motive (dass die Fanatiker im Schutze ihrer Ämter und Positionen in erster Linie dem eigenen Vorteil dienen, also keineswegs Gottes Wille im Vordergrund ihrer Verfügungen steht etc), nur empfand ich die Gewichtung im Kontext als nicht sonderlich homogen. Abstoßende und zum Schmunzeln anregende Momente wechseln sich permanent ab – letztere lassen dabei die der Materie angemessene abgründige sowie vereinzelt regelrecht abstoßende Stimmung jedes Mal aufs Neue verpuffen, was ebenso für etwaige kritische Story-Ansätze gilt. Wie kann man sich den vermittelten Eindruck ungefähr vorstellen? So als hätten die „Shaun of the Dead“- bzw „Hot Fuzz“-Macher vom Studio den Auftrag erhalten, zirka einem Viertel von Verhoeven´s „Flesh and Blood“ per Re-Shoots mehr als nur einen Hauch ihres gewohnten Stils einzuverleiben…
Als Personifizierung aller schlechten Facetten der spanischen Inquisition glänzt B-Movie-Urgestein Lance Henriksen („Aliens“/„Pumpkinhead“) in der Hauptrolle als diabolisch-fieser Torquemada, der Maria für die Befriedigung seiner lange vehement (u.a. per Tragen eines „Selbstgeißel-Gürtels“) unterdrückten Bedürfnisse vereinnahmen will, allerdings immer wieder aufgrund ihres Widerstands, seiner Impotenz sowie der periodisch hervortretenden inneren Zerrissenheit daran gehindert wird, dieses Ziel im vollen Umfang zu erreichen. Über seinem Bett hat er gar ein Schwert an einem dünnen Faden hängen, der jederzeit reißen kann – er ist davon überzeugt, dass ihn Gott, sollte jener mit seiner Arbeit unzufrieden sein, auf diese Weise schon strafen würde. Lance agiert entfesselt, stets zwischen beiden Seiten der Over-Acting-Grenze pendelnd (so wie wir ihn lieben – siehe „Hard Target“), setzt kontinuierlich seine Hände ein, um mit Gesten bestimmte Aussagen zu unterstreichen, trägt eine bizarre Haarkranz-Frisur und verleiht dem Part durch seine markante Stimme zusätzlich noch eine verstärkte Ausstrahlungskraft. Ihm gegenüber steht die attraktive, wenn auch nicht übermäßig ausdrucksstarke Rona De Ricci bei ihrem (nach „the Penitent“) zweiten und (leider) letzten Leinwandauftritt. Wenn man heutzutage ein Remake drehen und dafür eine ihrem Vorbild entsprechende Aktrice benötigen würde, wäre Monica Potter wohl die perfekte Wahl – außer dass jene wahrscheinlich nicht Rona´s Freizügigkeit an den Tag legen dürfte. Gordon-Regular Jeffrey Combs („Fortress“/„House on Haunted Hill“) fällt im Zuge seiner gewohnt trocken-sarkastischen Charakterauslegung angenehm auf, darüber hinaus sind noch Stuart´s Frau Carolyn Purdy-Gordon („Space Truckers“), Tom Towles („House of 1000 Corpses“), Frances Bay („Kiss the Bride“) sowie Mark Margolis („Pi“) als früher mal ans Kreuz geschlagener Foltermeister Mendoza zu sehen. Jonathan Fuller („Last Man Standing“) weist in einigen Szenen arge darstellerische Defizite auf und war mir schlichtweg zu blass, um den Helden würdig zu mimen, Alt-Star Oliver Reed („Gladiator“) schaut an einer Stelle mal als vom Papst entsandter Kardinal auf knappe fünf Minuten Screen-Time vorbei, wurde aber im Grunde verschenkt. Die Casting-Entscheidungen lassen sich auf jeden Fall (vom Schwerpunkt her) auf der „haben“-Seite der Angelegenheit verbuchen.
„the Pit and the Pendulum“ markiert einen einsamen Höhepunkt unter den Veröffentlichungen aus dem Hause „Full Moon Entertainment“, die sich in der Regel am besten mit den Worten „schwache Low-Budget-Ware, beinahe ausschließlich für geneigte Trash-Fans geeignet“ umschreiben lassen. Trotz der Tatsache, dass die Dreharbeiten Anfang der 90er stattfanden, wirkt das filmische Ergebnis wie aus den frühen 80ern, weist sogar manchmal ein leichtes „Hammer Studio“-Feeling auf. Unabhängig des Mangels an Detailreichtum in Sachen Kulissen und Kostümen, die partiell jeweils etwas steril anmuten, kann das mittelalterliche Setting weitestgehend überzeugen: Umgesetzt in Charles Band´s eigener Burg, sind alle zu einem solchen Projekt passenden Schauplätze (wie Kerker, Kellergewölbe oder alte Straßenzüge) vertreten, was, u.a. im Einklang mit Richard Band´s feinem Score, den Aufbau einer relativ dichten Atmosphäre ergiebig nährt. Besonders gefielen mir die altertümlichen Illustrationen von Menschen zusammentreibende Skelette, über welche man die Anfangscredits gelegt hat. Im Verlauf werden Personen eingemauert, verbrannt, ertränkt, gestreckt, ausgepeitscht, lüstern untersucht, in die eiserne Jungfrau gesperrt, auf Metallstühle über einem entzündeten Feuer gesetzt, lebendig begraben – und so weiter. Grausam? Klar, nur im Endeffekt nicht allzu intensiv – unter anderem weil man inzwischen selbst im Kino extremere Kost gewohnt ist und der hier gebotene Humor dem scheußlichen Treiben ein zusätzliches Maß seines Schreckens raubt.
Paoli´s Skript ist nicht unbedingt originell ausgefallen: Die von ihm erdachte Handlung setzt sich vornehmlich aus Folter-Vorgängen, Antonio´s Befreiungsversuchen sowie der „Beziehung“ zwischen Torquemada und Maria zusammen – ohne auffällige Innovationen oder einen klaren Flussrhythmus vorzuweisen. Positiv sehe ich die Einbindung einiger anderer klassischer Poe-Motive, die den Geschichten „the Premature Burial“ und „the Cask of Amontillado“ entstammen – dies sagte mir genauso zu wie eine zum Finale hin hervortretende Fähigkeit Marias, welche einen herrlich ironischen Kontrast zu ihrer gelebten Gottesliebe repräsentiert. Vereinzelte Einfälle entpuppen sich als zweifellos kreativ (man nehme nur mal die Idee, Ratteninnereien als Schmiermittel zu verwenden, oder eine Menge Schießpulver zu verspeisen, um dann beim Feuertod zu explodieren, worauf Knochensplitter die Herumstehenden wie Schrapnelle teils tödlich verwunden), verwässern aber (angesichts ihrer unrealistischen Gestaltung) gleichermaßen den Fokus auf das während der Inquisition ausgeübte (reale) menschliche Böse – genauso wie die geballte Hinzugabe von übernatürlichen Elementen im Schlussakt. Regisseur Stuart Gordon („From Beyond“/„King of the Ants“) erfüllte sich mit dieser Produktion einen langjährigen Wunsch, den er übrigens ursprünglich mit Peter O´Toole in der Hauptrolle realisieren wollte. Die finanziellen Ressourcen waren gewiss nicht sehr üppig (einige Wandbemalungen sehen Bildern ähnlich, wie man sie in billigen Gothic-Clubs findet), doch die Inszenierung ist kompetent und wartet zudem mit einigen amüsanten Schwertkämpfen sowie Set-Pieces auf, die ganz nett anzusehen sind. Langweilig wurde es mir beim Sichten jedenfalls nie. Dennoch muss ich in diesem speziellen Fall, ungeachtet meiner Vorliebe für modernere Filme, gestehen, dass mir persönlich die subtilere 1961er Version des Stoffes (von Roger Corman mit Vincent Price) ein kleines Stück weit besser gefiel…
Fazit: „the Pit and the Pendulum“ ist eine seltsame, irgendwie unebene Kombination aus Folter-Flick und schwarzer Komödie, welche nie wirklich verstört, allerdings mit einem überragenden Lance Henriksen in der Hauptrolle aufwartet sowie unterm Strich Freunden des Genres durchaus annehmbare, altmodische Unterhaltung beschert … knappe „6 von 10“