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„The Pit and the Pendulum“ unter der versierten Regie Stuart Gordons erweist sich unterhaltsame Adaption von Edgar Allen Poes Kurzgeschichte.
Der Großinquisitor Torquemada (Lance Henriksen) betreit im Spanien des Jahres 1492 ein schreckliches Regime. Selbst Verstorbene werden noch der Ketzerei beschuldigt, posthum ausgepeitscht und das Vermögen ihrer Nachkommen requiriert. Dies ist dann das Thema der ziemlich ironischen Anfangsszene, denn es wird schnell klar, dass die Beschaffung von Reichtümern bei dieser Maßnahme wichtiger ist als die wahre Sühnung von ketzerischen Verbrechen.
Maria (Rona De Ricci) und ihr Ehemann Antonio (Jonathan Fuller) hingegen sind einfache Bäcker, welche das Treiben der Inquisition zwar verabscheuen, aber wie der Großteil der Bevölkerung lieber stillschweigend die eigene Sicherheit genießen wollen. Doch durch Zufall werden sie Zeuge von kirchlicher Folter bei der Maria einschreitet – um selbst als Hexe eingekerkert zu werden. Man merkt, dass Stuart Gordon Horrorregisseur ist: Seine Protagonisten sind keine Helden aus Berufung, sondern sie schlittern in die Bedrohung und müssen erst dort über sich hinauswachsen.

Doch Torquemada ist nicht so christlich wie er immer predigt: Er verfällt schon bald in Begierde für Maria, was er nur durch seine Autorität tarnen kann. Als Antonio seine Ehefrau befreien will, gerät auch er in Gefangenschaft. Damit steht das Ehepaar fast hilflos der Willkür des grausamen Großinquisitors gegenüber…
Fangen wir mit der größten Schwäche von „The Pit and the Pendulum“ an: Es fehlt an einer wirklich durchgängigen Handlung und so bietet die Story um den strauchelnden Großinquisitor mehr einen Flickenteppich, der verschiedene, besonders auffällige Szenen miteinander verbindet. Große Langeweile kommt dabei nicht auf, aber auch die Spannung hält sich etwas in Grenzen. Im Gegensatz zu den früheren Verfilmungen von Poes Kurzgeschichte ist Stuart Gordon noch recht nahe am Original, da nicht nur das Setting (spanische Inquisition) im Gegensatz zu den anderen Verfilmungen stimmt, sondern auch weil die Kurzgeschichte in einer Szene gegen Ende fast originalgetreu nacherzählt wird (die einzigen Veränderungen dienen dazu, sie in Kontext einzupassen).
Dafür sind die einzelnen Höhepunkte von „The Pit and the Pendulum“ wirkliche Highlights, vor allem was den ironischen Blick auf religiösen Fanatismus angeht. Immer wieder macht der Film sehr deutlich klar, dass die Inquisitoren alles andere als christlich sind und ihren eigenen Vorteil mit den Folterungen usw. verfolgen. Dies wird sehr gekonnt auf die Schippe genommen und gezeigt, dass das Tun der Inquisition gegen alles von Gott gewollte verstößt. Auch kleinere Verweise auf andere bekannte Geschichten Poes werden gegeben (z.B. in der Episode mit Kardinal).

Doch nicht nur der Humor erweist sich als recht unterhaltsam, sondern auch Momente von Action und Nervenkitzel werden eingestreut. Die Actionszenen bieten ganz nette und unterhaltsame Auseinandersetzungen, auch wenn diese nicht so spektakulär sind wie richtige Actionfilme. Besonders spannend sind diverse Einzelszenen wie z.B. die nach die nach der Vorlage gestaltete Folterszene kurz vor Schluss. Leider sind dies immer nur Einzelmomente, aber einen kompletten Spannungsbogen kann die Handlung leider nicht aufbauen. Ansonsten gibt es ein paar nette Effekte zu bewundern, die zwar kostengünstig, aber dennoch effektiv in Szene gesetzt wurden.
Lance Henriksen ist sehr eindrucksvoll und herrlich fies als Großinquisitor, wobei vor allem seine Stimme im englischen O-Ton viel Charisma ausstrahlt. Jeffrey Combs ist mal wieder sehr schwarzhumorig in seiner Rolle anzusehen, während Oliver Reed nur einen besseren Gastauftritt hinlegt. Die restlichen Darsteller machen ihre Sache ganz gut, auch wenn keine ihrer Performances so herausragend ist wie die von Lance Henriksen.

So bleibt ein unterhaltsamer Mix aus Mittelalterfilm, Horror und ironischen Blick auf die Inquisition, dessen Rahmenhandlung leider etwas schwach ist und es deshalb nur für 6,5 Punkte meinerseits reicht.

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