Lukas, Lukas, was hast Du da denn wieder angestellt? Was Mr. Moodysson schon als kleines Kind von seiner Mami zu hören bekam schallt ihm nun von den Kritikern seines kontroversen Filmes entgegen. Vier völlig kaputte Personen, beengt in kleiner Zwei-Zimmer-Wohnung zusammengepfercht, offenbaren in anderthalb Stunden ihre Psychoprobleme einer Kamera. Dies geschieht in Selbstgesprächen, im Stil von dokumentarisch wirkenden Schnipseln, durch Sex und Gewalt.
Papa Rick wohnt mit Sohn Eric zusammen, zu Besuch ist Geko und Tess. Während Eric sich in seinem Zimmer verkriecht, die Rolläden schließt und wie üblich in der Dunkelheit vor sich hinvegetiert, frönen die anderen drei der ausschweifenden Gruppensex-Orgie, filmerisch festgehalten für portentielle Interessenten. Dabei offenbart sich bei allen völlige verhaltensgestörte Muster. Brutale Schnitte, schauerlich umgesetzte Bild- und Toneffekte und unkenntlich gemachte Details (Gesichter der Nebendarsteller, Labels usw), aber vorallem die Anmutung des Gesamtwerkes als Gonzo-Revival versetzen uns in angespannte Atmosphäre.
Doch wer "Requiem For A Dream" erwartet, bekommt allenfalls "Baise-Moi" für Anfänger vorgesetzt. Das halbgare Mitleidsgedöns, das handlungsfreie Rumgevögel, das Fehlen von Nähe, Zärtlichkeit, Menschlichkeit und die Sehnsucht danach entwickelt jedoch keinerlei Drive, abstruse Zugaben wie Regenwurm-Dressuren und Vagina-Operationen berauschen kaum zu spontanen Beifallsbekundungen.
So "Kino kontrovers" das auch sein mag, so amateurhaft wirkt es jedoch. Soll es vielleicht auch - um so durch filmerische Mittel eine künstliche Nähe zum Zuschauer zu erzeugen, die die Handlung ansonsten verbieten würde. Positiv wirkt die glaubhafte Darstellung der Charaktere durch alle Beteiligten. Fast Big-Brother-like fühlen wir uns als Livezuschauer einer kaputten WG-Welt.
Doch der Versuch aufzurütteln misslingt. Welche Aussage will Moodysson treffen? Letztlich fehlt eine für ein solches Werk dringend benötigte Message. Schade - denn zum "einfach mal so reinziehen" taugt dieser Film leider auch nicht.
(4/10)