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Alterndes Billard-As will's noch mal wissen...

Der ehemalige Billardprofi „Fast" Eddie Felson (Paul Newman, „Butch Cassidy und Sundance Kid") hat schon ewig keinen Queue mehr in der Hand gehabt, sondern bessert sich seine Rente als Schnapsvertreter auf. Als er in einer Bar die Bekanntschaft des jungen Nine-Ball-Talentes Vincent (Tom Cruise, „Top Gun", „Collateral") und dessen Freundin Carmen (Mary Elizabeth Mastratonio, „Scarface") macht, erwachen in Eddie alte Geister wieder zum Leben: er beschließt mit dem Pärchen auf Tournee zu gehen und durch geschickte Wettmanipulation den großen Gewinn zu machen.

Doch das ganze entwickelt sich anders als gedacht, denn der hitzköpfige Vincent sieht nicht ein, warum er des Geldes wegen Niederlagen vortäuschen soll und es kommt zum Streit zwischen dem jungen Heißsporn und seinem Mentor. Erst in Atlantic City trifft man sich auf einer großen Pool-Meisterschaft wieder - diesmal sind die beiden Gegner am Billardtisch.
Doch Vincent hat sich zu Eddies Verwunderung stark verändert...

Paul Newman schlüpft in „Die Farbe des Geldes" erneut in die Rolle des charismatischen Eddie Felson, den er bereits 1961 in „Die Haie der Großstadt" verkörperte.

Ohne das Original gesehen zu haben, fällt es dem Zuschauer wesentlich schwerer, Gefallen an Martin Scorseses Blick in die verrauchten Billardhallen zu finden.
Die Story ist nicht packend genug, um eine solche Lauflänge verantworten zu können, besitzt zu wenig Drive um durchgängig unterhaltsam zu sein. Sicher, interessant ist dieses Szeneportät anfangs auch für Laien, die noch nie einen Queue in der Hand gehalten haben; doch der Plot ist dermaßen zäh gestrickt in seiner Art, die Spieler und das Spiel zu analysieren und ihre Philosophie verständlich zu machen, dass er irgendwann nur noch langweilt. Hätte man hier ein wenig „massetauglicher" gedacht, wäre möglicherweise ein typischer, storytechnisch perfekter Scorsese herausgekommen.

Das „Die Farbe des Geldes" dennoch als gelungen zu bezeichnen ist, liegt an zwei Dingen: die perfekte Optik und die durchgehend überzeugende Besetzung.

Stilistisch hat man nämlich alles richtig gemacht und dies gibt dem Film einen gigantischen Bonus.
Martin Scorseses Stammkameramann Michael Ballhaus erbringt auch hier absolute Meisterleistungen und setzt das Geschehen dermaßen gekonnt ins Bild, dass es einem fast den Atem verschlägt: Die Gesichter der Darsteller, die sich in den rollenden Billardkugel spiegeln, in diffuses Licht getauchte, rauchverhangene Spielhallen, überfüllte Kasinos - alles wurde sehr gekonnt in Szene gesetzt.

Cutterin Thelma Schoonmaker (ebenfalls in zahlreichen Scorsese-Werken verewigt) zeigt ebenfalls, dass sie etwas von ihrer Arbeit versteht und ergänzt sich wunderbar mit Ballhaus Kamerakünsten.

Auch sonst stimmt hier alles: die Herrschaften vom Production-Design hatten ein geschicktes Händchen, der 80s-Stil kommt wunderbar zur Geltung und setzt dieser Epoche ein würdiges filmisches Denkmal.

Zur richtigen Achtzigerjahre-Atmosphäre tragen auch die sorgsam ausgewählten Songs und Musikstücke bei; es wurden unter anderem Stücke von Eric Clapton, B.B. King und ASCAP verwendet, die das Gezeigte ausgesprochen gut untermalen!

Durch die Bank weg überzeugend sind glücklicherweise auch die Schauspieler, wobei besonders der gealterte Paul Newman Glanzleistungen erbringt und seinen Oscar für diese Rolle mehr als verdient hat.
Klar, dass Cruise und Mastratonio gegen das souveräne Spiel des Hollywood-Haudegens den Kürzeren ziehen müssen; dennoch, auch die beiden (damaligen) Jungmimen können voll und ganz überzeugen und gerade Ober-Scientologe Tom Cruise gewinnt mit jugendlichem Charme die Sympathie der Zuschauer. Mary Elizabeth Mastratonio hingegen verleiht ihrer Rolle etwas verschlagen-zwiespältiges, da man nie weiß, ob ihr Charakter Carmen nun an Vince oder der mit ihm verbundenen Kohle interessiert ist.
In Nebenrollen sind unter anderem ein blutjunger Forest Whitaker („Species") und John Turturro („The Big Lebowski") zu sehen.

Fazit: „Die Farbe des Geldes" ist weder Meisterwerk noch filmische Katastrophe, sondern irgendwo dazwischen anzusiedeln. Die Story ist nicht spannend genug, um die breite Masse wirklich unterhalten zu können und der Film hat zuviel Leerlauf für eine Länge von knapp zwei Stunden.
Dies wird aber durch durchdachte Optik und gute Schauspieler wieder ein wenig ausgeglichen, was „Die Farbe des Geldes" auch für Billard-Laien goutierbar dastehen lässt.
Dennoch: von Maestro Scorsese ist man durchaus Besseres gewöhnt!

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