Mit Adam Sandler („50 First Dates“, „The Longest Yard“) arbeitete sich ein weiteres Komikgewächs über die Talentschmiede Saturday Night Live ins Kino vor und ist bekanntlich inzwischen auch in der Lage dort regelmäßig sein Geld einzuspielen. Mit „The Longest Yard“ durchbrach er auch jüngst zum ersten Mal die 100 Millionen Dollar-Einspielgrenze. Noch unter ganz anderen Vorzeichen und der Regie von Tamra Davis („Best Men“, „Half Baked“) entstand seinerzeit „Billy Madison“. Nach seiner ersten größeren Rolle in „Airheads“, wo er im Dreiergespann mit Brendan Fraser und Steve Buscemi (hier mit köstlichem Cameo) unterwegs war, sollte „Billy Madison“ sein Durchbruch werden.
Tja, als ungeheuer zwiespältig stellt sich das Endresultat heraus, an dem Sandler, wie üblich mit College-Kumpel Tim Herlihy auch selbst mitschrieb. Man muss etwas für grenzdebilen Humor übrig haben, denn sonst wird das mit der humorigen Unterhaltung hier gar nichts. Die frühen Jahre des Komikers waren von reichlich primitiven Hauruck-Komödien geprägt, in denen er vorzugsweise unterbelichtete, überreagierende Figuren verkörperte. Als cholerischer Golfer „Happy Gilmore“ kam er da noch am Besten weg, doch auch „The Waterboy“ und „Little Nicky“ schlugen in sie selbe Kerbe und sind mit Vorsicht zu genießen. Arg niveaulos geht es dort zu und wird mit Sicherheit nicht jedermanns Geschmack treffen.
Sandler trennte sich nach einigen Flops dann von diesem Stil und schlägt sich inzwischen in größtenteils romantischen Komödien ganz passabel, aber irgendwie sehne ich mich an seine Anfangszeit, wo keine Blödheit für ihn Tabu vor, der Anarcho-Komödien zurück.
Titelgeber Billy Madison ist jedenfalls von Beruf Sohn, sein Vater führt ein milliardenträchtiges Firmenimperium und der Sohn, dem es an Nichts mangelt, liegt den ganzen Tag besoffen am Pool, gönnt sich seine Wichsblätter und führt, wohl auch aufgrund seiner nicht wegzuleugnenden Debilität, ein sorgenfreies Leben in Saus und Braus. Als sich der Herr Papa jedoch zurückziehen will und die Leitung des Unternehmens dem raffgierigen, unsympathischen Manager Eric Gordon (Bradley Whitford, „Red Corner“, „Kate & Leopold“) anstatt seinem nichtsnutzigen Sohn übertragen will, entdeckt der seinen Ehrgeiz und bittet seinen Vater um eine Chance. Um ihm zu beweisen, dass er das Zeug dazu hat, das Lebenswerk seines Vaters würdig zu leiten, will er im Schnelldurchgang die Schule nochmal besuchen und seinen seinerzeit erkauften Abschluss gegen einen „erlernten“ eintauschen...
Die Moral der Geschicht’ wird mit dem Holzhammer serviert, eine obligatorische Romanze (mit „Mortal Kombat“ – Darstellerin Bridgette Wilson) gibt es obendrauf und dass der konspirierende Eric ihm Steine in den Weg zu werfen versucht, ist auch klar. Der Plot orientiert sich an den gängigen Klischees und bietet dabei eine Bühne für das infantile Treiben Adam Sandlers und der legt ohne Rücksicht auf Verluste von der Grundschule bis zur High-School los, um die jeweiligen Klassen richtig aufzumischen.
Lässt man sich auf den grenzdebilen Humor ein, kann man, wenn auch keinen unbegrenzten, Spaß haben. Leider fehlt hier allerdings noch eine Spur Boshaftigkeit, die erst mit dem folgenden „Happy Gilmore“ bei Sandler Einzug fand. Deswegen tobt der Komiker hier kindgerecht zunächst durch die unteren Klassen, bekommt Benehmen eingetrichtert, zeigt sich in seinem Verhalten auch nicht weiterentwickelt als seine Mitschüler und findet sich selbst ganz großartig, wenn er mehr als die kleinen Kinder weiß. Nach jeder bestandenen Prüfung (alle 14 Tage) gibt es eine Big-Party im Garten der Villa, während Eric sich langsam seine Fingernägel wund kaut.
Neben witzigen Kurzauftritten von Chris Farley (als reizbarer, notgeiler Busfahrer) und Steve Buscemi (ohne Worte) und Running Gags (O’Doyle bringt’s) bleibt es an Sandler die Zuschauer bei Laune zu halten. Vermutlich tut ihm die deutsche Synchronisation keinen Gefallen, aber die meisten Gags treffen, auch wenn dieses kindische Getue auf die Dauer nervt. Billy Madison ist nun mal ein Kindskopf, gefangen in einem Männerkörper und gesteuert von dessen Hormonen, weswegen auf die Dauer das ewig selbe Gehampel seinen Reiz verliert. Diese Tatsache werden auch seine Fans nicht leugnen können. Sandler macht sich bei Tisch zum Affen, treibt zusammen mit seinen ebenfalls zurückgebliebenen Kumpeln dumme Scherze (Tüte mit Scheiße anzünden und vor die Tür stellen), frisst Leim und bastelt katastrophal, auf die Dauer wirklich nur etwas für seine Anhänger.
Fazit:
Soweit solide Adam Sandler-Komödie, die nicht die Klasse von „Happy Gilmore“ oder „Anger Management“ erreicht und auf die Dauer, aufgrund der ewig auf dasselbe hinauslaufenden Gags, das Interesse seitens der Zuschauer, auch weil der Film sich aus den gängigen Elementen zusammensetzt, verliert. Seine Fans werden hier allerdings gut bedient. Für einen Start ins Komödienfach immerhin nicht schlecht, zu Genregröße Jim Carrey, der ein Jahr später seinen Durchbruch feierte, fehlt Adam Sandler einfach das Talent unverwechselbar zu sein.