Schamhaare. Früher hatte sie jeder und heute geht das alles in Richtung Fetisch. Warum eigentlich? Es wird vermutet das die Rasierklingenindustrie erkannt hat das immer mehr Männer sich sexuell von jüngeren Menschen, ohne Behaarung, angezogen fühlen. Deshalb hat sie einen Vertrag mit der Pornoindustrie abgeschlossen und die Darsteller/innen rasiert auftreten lassen um den Absatz zu steigern. Da Männer dann auch die größten Konsumenten dieser Sportfilme ohne Trikots sind, ist daraus auch schnell ein Trend geworden. Haben die Pädos gewonnen? Verschwörungstheorie? Oder alles nur Quatsch....keine Ahnung.
Lucio Fulci hat sich mit The Devil's Honey (Il miele del Diavolo) von Zombiegedärmen und ausgepickten Augen mal distanziert und sich nach einer längeren Krankheitspause mit einem, sagen wir mal erotischen Schamhaar-Thriller, zurückgemeldet.
Das Ergebnis ist ein Film, der sich in keine Schublade stecken lässt – und das ist sowohl als Lob als auch als Kritik gemeint.
Blanca Marsillach spielt ein junges Mädel namens Jessica die nicht so richtig Bock auf Arbeiten hat und ihrem Stecher Johnny (Stefano Madia), einen Saxophonisten, verbal mit Kinderkriegen und heiraten dranglasiert.
Pech nur das Johnny auf so einen Unsinn keine Lust hat und sich lieber der Studie der dionysischen Ekstase widmen möchte. Dabei zeigt er ihr z.B. wie man Beruf und Hobby kreativ verbindet indem er ihr mit seinem Saxophon ein Ständchen in ihrer Tiefgarage komponiert (siehe Coverbild).
Johnnys Kompass kennt nur eine Richtung und die wird ihm auch dann zum Verhängnis als er schwer mit einem Motorrad verunglückt. Der angesehene Arzt Dr. Wendell Simpson (Brett Halsey) versucht Johnny mittels einer Operation zu retten, schafft es aber nicht da er gedanklich abgelenkt ist, da er das Gefühl hat das ihm vor Geilheit die Hoden explodieren.
Explodiert zu sein scheint auch der Fön von Corinne Cléry, anders ist ihre Frisur nicht zu erklären, die die Ehefrau von Dr. Wendell Simpson spielt und sich von ihm scheiden lassen möchte, da er seinen Liebeskalender etwas zu liberal auslegt.
Jessica, die jetzt keine Perspektiven mehr hat, macht den Arzt Dr. Wendell Simpson für den Tod ihres Freundes Johnny verantwortlich, entführt ihn und unterwirft ihn einer Reihe sexueller Demütigungen – bis der Doktor beginnt, sein Schicksal zu genießen und sie sich entscheiden muss wie sie die Geschichte beenden möchte.
Ich war nie ein großer Fan von Lucio Fulci was nicht heißen soll das ich seine Filme nicht mag, im Gegenteil, nur gefallen mir andere Regisseure aus dem Italo-Exploitationkino wie z.B. Lenzi, Martino, Mattei..viel besser. Aber "The Devil's Honey" ist schon interessant und etwas anders.
Der Film ist ein besonderer merkwürdiger Hybrid: einerseits Erotikfilm und ein bisschen Drama, andererseits will Fulci offensichtlich auch sein Horrorphase nicht ganz loslassen. In der zweiten Hälfte, in der Jessica den Arzt in einer Villa als Gefangenen hält, erinnert mit ihren Torture-Elementen durchaus an Jess Franco – was je nach Geschmack als Empfehlung oder Warnung zu verstehen ist.
Blanca Marsillach trägt die Hauptlast des Films mit einer Intensität die zum Teil an Overacting grenzt aber vermutlich von Fulci, da sie noch schauspielerisch unerfahren war, so angewiesen wurde. Im letzten Drittel agiert sie nahezu durchgehend nackt, dabei aber mit einer Selbstverständlichkeit und Natürlichkeit, die Mut erfordert.
Brett Halsey als Doktor Simpson bleibt dagegen blasser, was zur Dynamik des Films aber durchaus passt und für mich bietet Corinne Cléry schauspielerisch, in Ihren kurzen Szenen, noch die beste Leistung. Die Frau hat einfach Klasse, auch mit einer Frisur wie ein Igel auf Steroide.
Wer einen seriösen erotischen Thriller erwartet, wird enttäuscht werden und wer einen seriösen Horrorfilm erwartet, wie man von Fulci kennt, ebenfalls. The Devil's Honey ist stattdessen ein Zeugnis dafür, was passiert, wenn ein Regisseur mit ausgeprägtem Hang zum Extremen völlig sich selbst überlassen wird – unbehaglich, absurd, manchmal unfreiwillig komisch und sehr kurzweilig. Respekt.
Ich denke ich werde mich mal wieder mehr mit dem Schaffen des Regisseurs beschäftigen.