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Sicherlich ist „Mean Guns“ nur was für die hartgesottenen B-Actionfans, aber neben „Cyborg“ Albert Pyuns bester Film.
Dabei hält sich Albert auch nicht mit etwas so unwichtigem wie Handlung oder Story auf: Man erfährt kurz, wie sich rund 100 zwielichtige Gestalten in ein Gefängnis begeben, das kurz vor der Eröffnung steht und dass lediglich eine Frau gegen ihren Willen hierher gebracht wurde. Dann tritt der Gangsterboss Vincent Moon (Ice-T) vor die versammelte Bande und verkündet, dass jeder von ihnen das Syndikat betrogen habe, weshalb es nun ein Spiel gäbe: Sie alle müssen sich gegenseitig umbringen und die letzten drei Überlebenden erhalten 10.000.000 Dollar...
Und damit ist auch alles an Vorgeschichte gesagt und es geht postwendend rund: Körbe voller Waffen und Munition werden herabgekippt und die Akteure verbringen die restliche Zeit damit sich gegenseitig niederzuknüppeln und totzuschießen. Mit diesem Grundkonstrukt hat Albert dann schon jeden Mainstreamseher in die Flucht geschlagen, aber dem Genrefan bietet sich nun ein fast non-stop Actionorgie ohne viel Hirn.

Die Moral lässt am besten direkt zu Hause, denn das Ganze ist als recht mies zu bezeichnen, da der Film Grunde nur aus mit dummen Sprüchen garnierter Action besteht. Doch der eigenwillige Humor ist ziemlich witzig, aber man darf diesen Film um Himmels Willen nicht ernst nehmen. Wer dies tut kann sich bestimmt an den beknackt-lustigen Alberts freuen. Da wäre der Killer Lou (Christopher Lambert), der sich freiwillig für das Spiel gemeldet hat und dann auch noch seine kleine Tochter herankarrt, was zu absurden Situationen führt (z.B. als er vor ihren Augen diverse andere abknallt und ihr danach versichert, dass diese es alle verdient hätten).
Das komplette Sammelsurium der Charaktere ist schräg wie durchgeknallt, wobei vor allem Hoss (Yuji Okumoto) und Crow (Thom Mathews) mit ihren dummen Sprüchen den Vogel abschießen (schon allein ihr erster Auftritt im Fahrstuhl ist ein Brüller). Ebenso wie durch den absurden Humor wird das derbe Geschehen durch die ständige Untermalung mit Mambomusik ironisch gebrochen, wobei der Film auch mehrmals auf seine Untermalung anspielt (z.B. die „Wo kann ich diese CD kaufen?“-Szene). Die Inszenierung ist für Albert-Verhältnisse ziemlich professionell, auch wenn der Film mit seinem schmalem Budget auf Dinge wie aufwendige Einschüsse oder ähnliches verzichtet.

Die andauernd vorkommenden Actionszenen bieten Auseinandersetzungen mit allem Kampfgerät, das Moons Handlanger herabkippen: Vom Baseballschläger über die Pistole bis hin zur Schrotflinte. Dabei sind die Shoot-Outs und Prügeleien auf ganz gutem Niveau inszeniert und halbwegs spektakulär, auch wenn die Action im Vergleich zu „Cyborg“ hier mehr durch Quantität denn durch Qualität überzeugt.
Von Alberts Spezis sind hier nur die Produzenten Tom Karnowski und Gary Schmoeller dabei; von den Schauspielern eigentlich keiner. Ice-T wurde erst nach diesem Film für diverse weitere Pyun-Streifen herangezogen (quasi ist „Mean Guns“ sein Anfangs als Pyun-Spezi) und mit Christopher Lambert drehte Pyun noch „Ultimate Chase“. Doch die Darsteller agieren alle auf ironischem B-Niveau und haben sichtlich Spaß an ihren Rollen, was hilft das Geschehen nicht weiter ernst zu nehmen.

So bleibt eine ausschweifende B-Actionorgie für Genrefans, wobei man sich nicht an der makabren Art und dem Nichtvorhandensein der stoßen sollte.

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