Die Achtziger des vergangenen Jahrhunderts, lang ist es her, als seltsames Jahrzehnt, in dem das Meiste nach den trüben Siebzigern knallbunt, schräg erleuchtet, ohne Grenzen und Barrieren und locker flockig drauf, eine ganze Generation am Genießen und am Feiern, am es 'Krachen lassen' und das Leben mit Spaß ausfüllen war. Ähnlich wie die Musik und die Mode, die sich alles erlaubten, gingen auch die Filme den gleichen absurden Weg, konnte man durch die Zeit reisen, waren die Vampire wieder gefragt oder bevölkerten die Leinwand gerne auch mal Zombies, Meerjung- und Roboterfrauen oder gleich Außerirdische, die sich wie Mein Liebhaber vom andern Stern oder Meine Stiefmutter ist ein Alien mitten unter uns Menschen tummeln konnte, ohne wirklich Aufsehen daran zu erregen. Der Ton war nicht immer stimmig und man wusste vorher nicht, wohin man wollte und wohin man letztlich ging, aber: Anything goes, die Blockbusterformel, die für die großen Produktionen gängig war wie auch die kleineren Filme in Beschlag nahm:
Der eigentlich schon frühzeitig im Ruhestand befindliche Geheimagent Nick Pirandello [ James Belushi ] bekommt aufgrund von Bedrohungen nationaler Sicherheit von seinem früheren Vorgesetzten Millard Cunard [ Bill Morey ] eine unliebsame und gleichzeitig äußerst schwere Aufgabe zugeteilt. Er soll den Versicherungsvertreter Bob Wilson [ John Ritter ] innerhalb einer Woche nicht nur von den eigenen FBI - Leuten und russischen Agenten beschützen, sondern auch quer durch das Land heile nach Washington, D.C. bringen, wo Wilson, anstelle eines bereits getöteten Agenten, der ihm täuschend ähnlich sah, einen geheimnisvollen Austausch vorzunehmen. Wilson, der langweilig, aber auf seine eigene bescheidene, naive Art glücklich mit der ebenso biederen Heather [ Mariah Dobson ] verheiratet ist und zwei Kinder hat, ist von dem plötzlich in seinem Leben auftauchenden und ihn mehr oder minder 'entführenden' Pirandello gar nicht begeistert, und noch weniger, als er von der ihm zugetragenen Aufgabe hört: Im Austausch für die Rettung der Erde soll er ein Glas Wasser an Außerirdische übergeben.
Doch mit den Clowns kamen die Tränen.
Im Grunde das normale Buddy Picture, die Actionkomödie, die zwei grundverschiedene Persönlichkeiten – Einer ist dies, und Einer ist das – zusammen wirft und sich daran ergötzt, was sich an Streitigkeiten, Reibereien und dann doch baldiger Freundschaft oder zumindest Partnerschaft ergibt. Hier mal nicht als das einfachste und gängigste Beispiel mit den beiden Polizisten, sondern mit einem Allroundtalent von Spion und einem Durchschnittsmenschen, bzw. einem Mann, der vielleicht noch nicht einmal das ist.
Was neu daran ist, ist weniger die Paarung, die auch ganz lange Zeit gar kein Gleichgewicht untereinander hat, sondern eigentlich die komplette Zeit nach einer Seite ausschlägt. [In Midnight Run bspw. war DeNiro auch ewig der aktive Teil, hat seinem Gegenüber allerdings nicht nach dem Mund geredet und nichts vorgemacht, was hier noch zusätzlich der Fall ist.] So ist Belushi hier der Mentor, der Erzähler auch für das Publikum gleich mit, ist die Bleiweste, die sich als Schutzschild vor uns und all den Gefahren stellt und erlaubt uns auch die Illusion der Phantasie, die sich hier wie als schlechter Traum – oder als sehr kreativer Traum, je nach Person und Motiv – abspielt.
Ritter ist der Bilderbuchamerikaner, die 'Spießerratte', der Mann mit der Fönfrisur, der seinen soliden, etwas drögen Job hat und seine Frau und die Kinder, allerdings sonst nichts. Das Haus ist da und anfangs auch noch heil und sauber, und der Familie geht es ebenso, und das reicht ihm de facto auch; zumal er nicht weiß und auch nicht wissen will, was es da draußen, außer diesem spießigen Vorort und dem 9 to 5 Job sonst noch gibt. Ritter ist auch der Joe Jedermann und das Lieschen Müller im Publikum, der die Eintrittskarte löst und auf den Traum mitgenommen wird, und wie das mit Träumen so ist, diese nicht steuern kann, sondern sich fügen muss, ob er will oder nicht.
In der ersten Hälfte funktioniert diese Art der Erzählung, die Autor und Regisseur Dennis Feldman sich hier ausgedacht hat, auch vorzüglich, was an dem hohen Tempo, den Ideen, dem schnellen Wechsel von Situation und Schauplätzen und einfach einem Gefühl der Überrumpelung angesichts der Verrücktheiten, der Verzücktheiten und der Ausgestaltung dieser liegt. Gleich mehrere Bereiche werden angesprochen, neben der Science fiction Eingliederung, die man als MacGuffin ignorieren kann oder auch nicht, stellt sich der gemeine Spionagefilm hier in der Achtziger Jahre Variante dar; mit dem mittlerweile fast museal und nostalgisch wirkenden Kalter Krieg Szenario als Hintergrund, allerdings in der Abenteuer-Formulierung von bpsw. Die Experten (1989), Gotcha! Ein irrer Trip (1985), Company Business (1991) und nicht auf Biegen und Brechen auf Realismus angelegt. Demnach gibt es hier auch viele namenslose Tote, werden die russischen Schergen, der Towarischtsch mit der Maschinenpistole auch häufig vom Dach oder der Straßen gegenüber gefegt, stellt sich dieses allerdings auch weniger als Action um der Aufregung willen, als für den komödiantischen Nebensatz und als Zuschaustellung der beginnenden Partnerschaft dar.
Dabei zeigt Feldman, – der zuvor u.a. das Eddie Murphy Kasperle Auf der Suche nach dem goldenen Kind (1986) und die Komödienromanze Als Junge ist sie Spitze (1985) und damit perfekte Beispiele typischer 80er Jahre Vergnügtheit schrieb, – anfangs durchaus Talent für den wildgeworden-psychotischen Trip, sind die Aktionszenen wie aus dem heiteren Himmel, und mit allerlei ungewohnten Waffen wie der Nagelpistole oder dem plötzlich gezückten Raketenwerfer (und seinem Funkenschweif) gespickt und werden die Autos frei Schnauze in die Luft gesprengt. Belushi als Moderator verfügt über genug Charme und Überzeugungskraft, um in den Sog hineinzuziehen und die Infantilität und Unbedarftheit zu überspielen. Die Reise selber hält dann nicht mehr viel bereit, sieht man von dem Amerika und seiner Gesellschaft hier auch nichts, zumal die Geographie auch zu keiner Zeit wie von 1987 wirkt. Der erste Zwischenstopp Las Vegas hält statt der Glitzermetropole ein leeres Slum und dies als Schauplatz einer weiteren sinnlosen Schießerei bereit. In New Mexico wird kurz eingekauft und dabei auch eine Mexikanerin in der Örtlichkeit gezeigt. Oklahoma besteht aus einem Maisfeld, Pittsburgh aus einer Kneipe, und Indianapolis aus einem Hinterhof, der mit Müll und einer Clownseinheit als heranstürmende Killertruppe gefüllt ist.