Dieser Film fordert einen von Anfang an, indem er einfach gleich mittendrin ist.
Er beginnt auf einer Veranstaltung zu Ehren von Ed Murrow, dem großen Fernsehjournalisten, der während des 2.Weltkriegs berühmt wurde wegen seiner London-Reportagen. Nach einer kurzen Laudatio erscheint Ed Morrow auf einer kleinen Bühne und hält eine kleine Rede, in der er an die Jahre 1953 und 1954 erinnert, in der er sich mit McCarthy auseinandergesetzt hat.....
Und schon sind wir mitten im Geschehen, genauer in den Studios des Fernsehsenders CBS. Wir nehmen Teil an den Vorbereitungen für die regelmäßige Ed Murrow-Sendung, einem politischen Magazin auf CBS.
Einer schlägt vor, sich mit dem Fall eines amerikanischen Soldaten zu beschäftigen, der von McCarthy als Kommunist verdächtigt wurde, weil sein Vater angeblich eine Arbeiterzeitung gelesen hätte.
Man befindet sich auf dem Höhepunkt der McCarthy Hysterie, bei der dieser amerikanische Senator Jeden schon bei kleinsten Vergehen als Staatsfeind diffamierte, besonders das als liberal geltende Hollywood. Niemand traute sich gegen McCarthy auszusagen, weil jeder, der nicht für ihn war, schon als Kommunist galt.
Erst Ed Murrow, der auf Grund seiner Vergangenheit eine hohe Reputation genoß, traute sich gegen diesen Fanatiker anzutreten, der selbst mit seinen unbewiesenen Verleumdungen gegen die amerikanischen Freiheitsrechte verstieß....
Diese Thematik wurde schon in einigen Filmen behandelt und es ist nach wie vor ein Hollywood-Trauma wie man bei der Verleihung des Ehrenoskars für den Regisseur Elia Kazan 2003 mitbekam, der höchst umstritten war, weil Kazan bei McCarthy gegen Andere ausgesagt haben soll, die dadurch ihre Arbeitsberechtigung verloren.
Doch solche Zusammenhänge erwähnt Clooney mit keinem Wort, er beschreibt nur den Alltag im Fernsehstudio, in der sich alle zusammen auf diesen Kampf gegen McCarthy einlassen. Dazu gehört dann auch die Zeitungslektüre nach erfolgter Sendung, die natürlich auch sehr negativ ausfällt....
Dabei gehen alle Beteiligten sehr sachlich vor, ständig ist man bei Gesprächen beteiligt, die auch die internen Auseinandersetzungen im Fernsehsender zeigen, denn natürlich denken die Bosse auch damals schon an Einschaltquoten, Werbeminuten und Unterhaltung fürs Volk.
Das ist dieser Film keine Sekunde. In strengem Schwarz-Weiß gehalten, vermischt Clooney originale Aufnahmen – besonders von den öffentlichen Anklagen McCarthy’s – mit den gespielten Szenen.
Private Dinge kommen kaum vor, Alles dreht sich um die Arbeit und Clooney hält die Kamera ständig in die Gesichter der Protagonisten, es gibt kaum einmal eine Totale.
Der Unterhaltungswert liegt neben der Auseinandersetzung in der unglaublich niveauvollen Sprache, zumindest die der Journalisten.
Gerade die Gegendarstellung Ed Murrows nach einer Fernsehansprache McCarthy’s, in der dieser sich über Murrows Sendung beklagt (mit deutlich einfacheren Worten und fehlenden Argumenten), ist von solch hoher Intelligenz, daß ich fast nach Atem gerungen habe....leider bin ich nicht in der Lage es hier zu zitieren.
Clooney gelingen mit diesem Film, den man im besten Sinn als intelligent und intellektuell bezeichnen muß und der darüber sehr kurzweilig und keineswegs abgehoben ist, zwei Dinge :
- wir können uns ohne Färbung oder emotionale Meinungsmache ein eigenes Bild von der damaligen Hetzkampagne machen
- er zeigt den Abgesang des aufklärerischen und mutigen Journalismus im Fernsehen, der zugunsten einer reinen Unterhaltungsstrategie weichen muß
kein typischer Kinofilm, sondern ein Statement für politisches Engagement, Zivilcourage und Bildung, eine ungeheure Bereicherung (10/10)