Mystifizierung und Menschwerdung gleichermaßen
„Dragon - Die Bruce Lee Story“ ist ein etwas umstrittener Actionfilm über das Leben von Bruce Lee. Ich sage extra Actionfilm und nicht Biografie, da Rob Cohen sich hier wirklich extrem viele Freiheiten und Änderungen erlaubt hat, die ganz klar eher Film, Verehrung, Mythos füttern als Lees Leben einigermaßen realistisch abzubilden. Er will sich am ehesten auf Lindas Buch und einige andere Quellen stützen, die auch schon allesamt beschönigend bis vergötternd waren. Aber Cohen geht hier wirklich nochmal besonders artifizielle und metaphorische und filmische Wege, sodass man hier kaum mehr von einem Biopic sprechen kann. Fakten werden gefaltet, verdreht, weggelassen und ausgedehnt, wie es beliebt. Was ich aber gar nicht allzu schlimm finde, da dies nie verschleiert oder abgestritten wurde von Cohen und allen Beteiligten. Es soll halt eher ein Unterhaltungsprodukt und eine Huldigung Lees sein. Und insofern funktioniert „Dragon“ ziemlich gut. Erzählt wird vom Fighter, Lehrer, Philosoph, Ehemann, Filmstar, Vater Bruce Lee - von seinen Anfängen in Hong Kong über seinen Kampf in Amerika alle Nationalitäten trainieren zu dürfen bis zu seinem Durchbruch als unsterbliche Kinoikone…
The Legend of the Dragon
Ich weiß gar nicht, ob ich „Dragon“ sogar noch vor den viereinhalb echten Bruce Lee-Klassikern gesehen habe. Es war jedenfalls sehr früh und erfüllte seinen Zweck - ich wurde neugierig auf diesen Mann, Schauspieler, auf diese Legende in vielerlei Hinsicht. Das wäre ich eh, da mein Vater ein riesiger Lee-Fan ist. Aber schon unabhängig davon als junger Judoka und Kinofan war mein Interesse geweckt. „Dragon“ ist ein zahmer Kung Fu-Film, ein Liebesfilm, ein wie gesagt extrem verzerrtes Biopic und im Grunde ein Aperitif und Appetithäppchen für Hauptgänge a la „The Big Boss“, „Enter The Dragon“ oder „Way of the Dragon“. An „Dragon“ mag ich seinen Vorwärtsdrang, die Kampfszenen sind okay und Scott Lees Performance als Lee ist ebenfalls brauchbar. Nicht perfekt, aber an Bruces Standards auch nur annähernd heranzureichen schafft man eben eigentlich auch nicht. Aber er macht das wie gesagt sympathisch und solide. Hinzu muss man lobend erwähnen, dass Lee ganz und gar nicht nur als Übermensch dargestellt wird und auch vielleicht auffällig nuanciert als liebender Vater und Ehemann. Das war filmhistorisch lange Zeit, gerade bei asiatischen Helden, kaum der Fall. Außerdem sind einige benutzte Metaphern - wie vor allem die des „Drachenfluchs“ auf Lee und sogar dessen männlichen Nachfahren - einleuchtend und interessant. Diskussionswürdig und sicher nicht total realistisch - aber immerhin ein packender und tragischer Ansatz. Selbst wenn das immer einhergeht mit Verschwörungen und Geschwurbel. Aber bei welcher Legende auf diesem höchsten Niveau - etwa bei Elvis oder Lincoln - ist das in unserer Geschichte nicht der Fall? Deswegen bietet „Dragon“ nett ausbalanciert und mainstreamig Kampf, Tragik, Liebe und Leben, sodass er als Film nicht ansatzweise versagt, als Biografie sich zumindest interessante Ansätze traut. Für geistig offene Fans von Lee also ganz sicher keine vergeudete Zeit. Hintergrundwissen hilft aber natürlich mächtig bei der Einordnung. Eher ein Film zur Legende als zum Menschen. Aber wie gesagt vor allem die Teile als Familienmensch sind nicht von der Hand zu weisen. Wenn auch etwas kitschig und simpel inszeniert.
Fazit: solider und zugänglicher Beitrag zum Mythos Bruce Lee. Aber eher ein Thesenpiece als eine Biographie. Für Fans dennoch unerlässlich(er Zusatzstoff). Und eben recht unterhaltsam.