Review

John Ford - ein großer Name am Filmhimmel, besonders wenn es um das Westerngenre geht. Im Alter von 78 Jahren verstarb er im August 1973. Er hinterließ ein Erbe von etwa 124 Filmen und erhielt 4 mal den Oscar für die beste Regie. (1936: Der Verräter, 1941: Früchte des Zorns, 1942: Schlagende Wetter, 1953: Der Sieger) Uns fällt auf, dass "Rio Grande" nicht unter den oscarprämierten Filmen steht, trotzdem will ich ihn an dieser Stelle genauer beleuchten. 1939 machte John Ford John Wayne zum Star, indem dieser die Hauptfigur in "Ringo" übernahm. Wayne ist auch in "Rio Grande" die Hauptfigur und darf glänzen.


Er spielt im letzten Film von Fords "Cavalry Trilogie" (Ford Apache, She wore a yellow ribbon) den Colonel Kirby Yorke, der mit seinen Mannen am Rio Grande, dem Grenzfluss zwischen Mexiko und den USA, auf Indianer lauert. Seit 15 Jahren hat er seinen Sohn sowie seine Frau nicht mehr zu Gesicht bekommen. Zu sehr hat ihn der Krieg vereinnahmt. Nun bekommt er sie aber wieder zu Gesicht. Zuerst seinen Sohn Jeff Yorke (Claude Jarman Jr.), der als Rekrut seine Legion stärken soll. Die beiden bemühen sich um eine emotionslose, zweckvolle Beziehung. Kathleen Yorke (Maureen O'Hara) ist seine lange nicht gesehene Frau, der die angestrebte Militärkarriere des Sohnes ganz und gar missfällt. Sie macht sich also auf zum Rio Grande und will ihn zurückholen. Das ist allerdings weder im Sinne von Kirby, noch in Jeffs Sinne. So kommt es, dass sie ebenfalls im Lager bleibt. Es fällt auf, dass sie unter dem Militär und seinen Machenschaften sehr leidet, da sie ihre beiden Männer am liebsten weit weg davon sehen würde. Entsprechend an dieser Stelle ein Zitat aus der Mitte des Films, als die hohen Tiere der Legion beisammen sitzen und Kathleen einen Toast ausspricht: "To my only rival, the united states cavalry." (Auf meinen einzigen Feind, die Kavallerie der Vereinigten Staaten) Die Beziehung zwischen ihr und ihrem Mann ist offensichtlich gespannt, beide scheinen sich nach der einstigen Liebe zu sehnen, haben aber gleichzeitig eine scheinbar unüberwindliche Distanz zwischen sich kommen lassen. Die Lage spitzt sich zu, als Indianer ihr Lager angreifen. Offenbar gleich drei Stämme auf einmal, was die Lage verschärft erscheinen lässt. Kinder und Frauen sollen in ein geschütztes Fort gebracht werden. Auf dem Weg dorthin findet ein erneuter Überfall statt und die Kinder werden in eine abgelegene Kirche entführt. Dort findet auch das Finale statt, wenn Kirby sie zurückholen will.

"Rio Grande" stammt aus dem Jahre 1950 und wer einen Funken Allgemeinwissen in sich trägt, schließt somit schon längst, dass der Film noch schwarz-weiß sein muss. Das ist richtig. Ich bin kein großer Fan der Farblosigkeit, aber für "Rio Grande" passt es einfach. Wobei die Farbgebung scheinbar manchmal ausgenutzt wird, um unter den Teppich zu kehren, ob gerade Tag oder Nacht ist am Rio Grande. Das will ich aber nicht als Kritikpunkt anbringen. 

Die Geschichte hat wenig Potential, das ist mir relativ schnell aufgefallen, da trotz 105 Minuten Laufzeit relativ wenig passiert. Man legt mehr Wert auf die Atmosphäre, ruhige, besonnene Gespräche und schönen Sing Sang. Ja, Sing Sang. In Kirbys Truppe befindet sich nämlich auch ein Chor, der hin und wieder zum Einsatz kommt. Das erste Mal zur Begrüßung von Kathleen. Normalerweise empfinde ich es als störend, wenn zu viel in Filmen gesungen wird. Schrecklich war das beispielsweise in "South Park - der Film". Natürlich ist es verwegen, den South Park-Film mit einem Westernklassiker aus dem Jahre 1950 zu vergleichen. Denn in "Rio Grande" wird erstens ganz anders gesungen - nämlich deutlich schöner und angenehmer - und zweitens passt es deutlich besser in den ruhigen Filmverlauf. Ein Pluspunkt also an dieser Stelle.

Hervorgehoben werden müssen außerdem die Charaktere. Sie sind phänomenal gezeichnet worden und werden fabelhaft von den Akteuren verkörpert. Besonders fällt dabei der Seargant Quincannon auf (Victor McLaglan), der eine sympathische Randrolle spielt, die für den ein oder anderen Lacher verantwortlich ist. Ich hätte nicht gedacht, dass in einem 57 Jahre alten Film Witze gemacht werden könnten, die ich erquickend  finde und wurde eines besseren belehrt. Dass Joh Wayne ein begnadeter Schauspieler ist, muss an dieser Stelle wohl nicht diskutiert werden, daher auch keine weiteren Worte zu seiner Rolle als Kirby. Aufgefallen ist mir allerdings, dass in den wichtigen Momenten gepatzt wurde. Dass eine gereizte Stimmung zwischen Kirby und seiner Kathleen herrscht, deutete ich bereits an. An zwei Stellen im Film können sie ihre Emotionen nicht zurückhalten und küssen sich innig. Das ist nach meinem Empfinden nicht gut dargestellt worden. Es wirkt leider gestellt und unecht. Schade.

Die ruhige Stimmung des Films trägt zum Mangel an Spannung bei, den ich wahrgenommen habe. Nur am Ende geht es richtig zur Sache. Trotzdem wirkt es am Schluss nicht wirklich so, als wäre "alles gesagt worden". Man hätte gern mehr erfahren über die Beziehung von Kirby zu seiner Familie und was denn genau die Beziehung so kalt hat werden lassen. Natürlich ist "Rio Grande" der dritte Teil einer Trilogie und ich habe die ersten beiden Teile nicht gesehen, aber wenn ich meine Recherchen richtig vollzogen habe, sind die Filme unabhängig voneinander und behandeln lediglich das gleiche Thema.

Fazit: "Rio Grande" ist ein zeitloser Western - Klassiker aus dem Jahre 1950, der der heutigen Generation großenteils nicht mehr gefallen wird. Sein ruhiges Tempo, seine Ausflüge in gesangliche Gefilde und das Schwarz-Weiß dürften dazu beitragen. Filmliebhabern, die auch den klassischen Film verehren, wird es anders gehen: "Rio Grande" ist mit Joh Wayne, John Ford und Maureen O'Hara topbesetzt und kann mit tollen Bildern, gut inszenierten Gefechten, tollen Charakteren sowie dem ein oder anderen unerwarteten Moment glänzen und sollte nicht in Vergessenheit geraten. Gerade in der heutigen Zeit, wo sehr viele Filme mit hohem Tempo und hoher Intensität den Zuschauer überzeugen wollen. Von mir 7 Punkte. Euer
Don 

Details
Ähnliche Filme