ACHTUNG SPOILER
Wer nicht über diverse Details des Films informiert werden möchte, sollte hier aufhören zu lesen.
(Hinweis: Dieses Review beruht auf der FSK 18 - Version.)
STEPHEN KING'S "THE MANGLER"
Story:
Und da soll noch mal jemand sagen, Wäschereien seien lahm. Heftige Dinge geschehen in der ‚Blue Ribbon Laundry’: Nicht nur, dass der alte Inhaber Bill Gartley ein perverses Arschloch ist und die Waschweiber durchweg für die zu schwachen Leistungen zusammenstaucht, auch die uralte und riesige Wäschemangel hat’s in sich – das Vieh scheint ein Eigenleben zu haben. Der erste, der das zu checken scheint, ist Officer John Hunton, der nach einem bestialischen Todesfall in der Wäscherei zum Tatort gerufen wird. Schon bald staut sich in ihm der Verdacht, dass Gartley und Mangel in irgendeiner Verbindung zueinander stehen. Zusammen mit dem Okkultismuswissenschaftler Mark Jackson (heilige Scheiße, was für eine Hohlbirne) findet er heraus, dass die Maschine auf jungfräuliches Frischfleisch steht, mindestens einmal im Jahr. Und der Stichtag naht. Schwupps wird ein altes Okkultismusbuch zu Rate gezogen und man zieht in den Kampf gegen den Dämon, der in der Mangel haust…
Welcher Dämon das ist wird uns leider nicht gesagt. In welcher Verbindung er zu Bill Gartley steht genauso wenig. Warum er in der Mangel spukt, wird wohl genauso für immer unklar bleiben wie die Frage, was ein weißer Kühlschrank (!?) mit dem ganzen Murks zutun hat. Und das ist erst ein Bruchteil von dem Schmarren, den sich Tobe Hooper hier zusammengesponnen hat.
Dabei hätte es ja eigentlich was werden können. Die Vorlage stammt immerhin aus der Feder des größten Autors der Literaturgeschichte, der Regisseur kreierte anno 1974 einen noch heute aktuellen Horrorklassiker und gleichzeitig eine Kultfigur, Robert Englund ist durch seine Paraderolle als Freddy Krueger in der Horrorszene so oder so ein Kultschauspieler und Ted Levine glänzte 1991 als psychopathischer Frauenkiller in dem fünffach Oscar-prämierten Stück Filmgeschichte DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER, dem besten Thriller aller Zeiten. Welches B-Movie hat bitteschön solche Voraussetzungen? Wohl kaum eines. Doch hier hat das alles nix genützt.
Was mich einfach am derbsten geärgert hat: Man bekommt auf keine einzige seiner Fragen Antworten. Das Drehbuch verstrickt sich von vorne bis hinten in sich selbst. Das Klischee mit dem abgearbeiteten Cop, der mit sich und seinem Leben unzufrieden ist haben wir schon x-mal gesehen und gehört, diese Schnarchnase von Wissenschaftler Jackson hat mich mehrmals fast zum Lachen gebracht und selbst Horrorikone Englund kann hier nichts mehr reißen. Der Rest der Figuren besteht aus nicht einzuordnenden und sogut wie unsichtbaren ‚Charakteren’, denen schlichtweg keine Bedeutung zuzuschreiben ist.
Was steckt in der Mangel? Und warum? Weshalb brauch das Ding menschliches Fleisch? Was hat das Ganze mit Gartley zu tun? Natürlich liegt die Überlegung nahe, dass er selbst die Mangel ist oder sie zumindest für ihn mordet und er daraus irgendwie profitiert. Wird das aber irgendwie mal genauer beleuchtet? Pustekuchen. Wer ist diese Frau, die am Ende auf seiner Seite ist und sich so toll vorkommt? Wer ist der Polizeifotograf, der zwischendurch immer irgendwelche tollen Sprüche zu John Hunton loslässt und letzten Endes stirbt und welche Bedeutung hat er überhaupt für den Film? Was ist mit diesem ‚magischen Kühlschrank’, der offenbar auch ein Eigenleben entwickelt hat seit er mit der Mangel in Berührung kam, und inwiefern trägt er auch nur einen Hauch an Spannung bei? Fragen, Fragen, Fragen. Als Antwort gibt es stets nur Andeutungen, einige beknackte Dialoge und okkulte, fadenscheinige Möchtegern-Erklärungen von Dr. Schnarchnase. Es werden schlicht zu viele Dinge im Dunkeln gelassen, sodass man den Film entweder mehrmals sehen muss oder aber so aufmerksam wie nie auf jedes Detail achtet, was a) aufgrund der Langeweile ohne Schlafpausen kaum zu schaffen ist und b) ohnehin nichts bringen würde, da viele Details garantiert auch nach dem x-ten Mal immer noch keinen Sinn ergeben.
Langeweile. Ja, dieses Wort wird hier leider ganz, ganz groß geschrieben. Der ganze Streifen wirkt irgendwie so dermaßen zusammengewurschtelt, dass man wirklich müde wird. Die wenigen, nicht allzu brutalen Splattereinlagen retten da gar nix. Da sich neben Fragen und Langeweile dann auch noch Unlogik mit reinschiebt, wüsste ich nicht, was ich in dieser Hinsicht noch schreiben soll. Spannung kommt wenn überhaupt nur bedingt auf und dann auch nur momentan, also vorübergehend und meistens nur für sehr kurze Zeit. Die ständigen Versuche, die ohnehin schon wässrige Story ins Okkulte zu reißen, lassen den Kahn phasenweise gänzlich kentern, wenn man sich die ganzen an den Haaren herbei gezogenen Erklärungen von diesem Okkultismus-Milchbrötchen reinziehen darf. Besonders lustig fand ich, dass der Typ gegen Ende die ganze Zeit aus dem Buch irgendwelche Sprüche zur Bekämpfung des Bösen abliest und den Officer, der sowieso immer wie eine angepisste Zitrone dreinblickt, dann zum Mitlesen überredet – Da stehen diese beiden Pansen vor einer 20 Meter langen Stahlmangel und glauben sie besiegen zu können, indem sie (auch noch völlig unmotiviert) aus einem Buch was vorlesen. Ehrlich, ich hab mich weggepackt.
Der ganze Showdown ist sowieso ein einziger Quark aus B-Trash, drittklassigen Effekten und herrlich stupiden Ideen. Nachdem die beiden Paddel der Mangel aus ihrem Büchlein vorgelesen haben, kriegt das Stahlmonster plötzlich Beine und verfolgt sie in irgendwelche nicht näher definierten Kellergewölbe. Die Qualität der Effekte vor allem bezogen auf die laufende Mangel ist hier besonders mangelhaft, was allerdings wohl eher am Budget als an mangelndem Können lag. So ist das Metallmonster insgesamt höchsten 6 – 7 Sekunden zu sehen, meistens nur in extrem kurzen Einstellungen. Dem Okkultismus – Weichbrot wird zum Glück noch der Unterkörper abgerissen, sodass wenigstens die Endsequenz ohne ihn ist. Die Qualität der Bluteffekte ist wiederum etwas besser, aber ebenfalls höchstens Durchschnitt; 1982 wäre das noch okay gewesen – aber nicht 1995.
Wat soll’s. In den USA schmierte der Streifen gnadenlos ab, spielte nur $1,8 Mio. ein und wurde von der Kritik auseinander genommen. Atmosphärisch gesehen ein Feldweg mit tausend Schlaglöchern, technisch veraltet und mit einem herrlich hölzernen Skript gesegnet verspricht die Hülle hier mehr als drin ist: Nur weil Robert Englund, Stephen King und Tobe Hooper an einem Film mitgewirkt haben, muss noch lange kein Meisterwerk rauskommen. Dies hier ist bestenfalls als B-Trash zu bezeichnen, der meint, er könne sich nur weil Stephen King draufsteht auf seinen Lorbeeren ausruhen und dabei mehr oder weniger gnadenlos vor die Hunde geht. Für Englund und Levine, einige Blutszenen und die lustige Grundidee gebe ich vielleicht noch ein paar Punkte. Der Rest gehört ab inne Kiste und nie mehr rausgeholt.
Fazit: Trash-Schinken, der sich vor lauter mangeln ins mangelhafte gemangelt hat.