Als seichtes Spionage-Komödchen entpuppt sich dieses Werk von Alfred Hitchcock, der hier für meine Begriffe einwandfrei unter Beweis stellt, dass das Komische nicht sein Fach war (man vergleiche auch "To catch a thief").
Zeitgemäß mit ein paar antideutschen Propagandaspitzen versehen, verbreitet das äußerst naiv erfundene und manchmal die Grenze zum Trash überschreitende Geschehen britische Selbstgefälligkeit im Gewande vorgeblicher Selbstironie. Zwei versnobte Engländer, die verklemmt tun, da sich ein Dienstmädchen in ihrem Zimmer umziehen soll, und sich dauernd Sorgen machen, ihr Cricketspiel zu versäumen (was in einer wirklich schwachen Schlusspointe "gipfelt"), dürfen sich ganz "unerwartet" als unerschrockene Haudegen gegen die schurkischen Soldaten einer nicht klar definierten Feindesmacht präsentieren - als Zeitkommentar schon recht aufschlussreich, besonders in Bezug auf eine wirklich plumpe Anti-Pazifismus-Pointe.
Aber auch was die Hauptfiguren angeht, sieht es nicht viel besser aus. Michael Redgrave als frech-charmanter Schnurrbart-Zwirbler Gilbert macht in einer absurden Szene im Hotel Lärm mit einer Volkstanzgruppe und seiner Klarinette, worauf Margaret Lockwood als Iris eine kleine Zankerei anfängt, in der man schon die sich in dröger Vorhersehbarkeit anbahnende stereotype Liebesgeschichte erkennt. Als Iris sich mit einer netten Oma im Zug unterhält und diese kurz darauf verschwindet, stellen Gilbert und Iris den Zug auf den Kopf, als wüssten sie bereits jetzt, dass es hier um staatstragende Angelegenheiten geht.
Besonders wenn Hitchcock hier versucht, das zu inszenieren, was heute als "Action" bezeichnet wird, sei es die steif umgesetzte Prügelei im Gepäckwagen oder die schmierenkomödienhafte, wie ein Cowboy-und-Gendarm-Spiel anmutende Schießerei gegen die bösen Soldaten gegen Ende, wird es peinlich und lässt von der Meisterschaft der späten Filme Hitchcocks wenig ahnen.
Aus meiner Sicht ist der damalige Erfolg des Films zwar insofern verständlich, als er genau die Stereotype präsentiert, die das damalige englischsprachige Publikum mehrheitlich gerne sehen wollte, aber Rezensionen, die sich über angeblich heute wie damals funktionierende Humor- und Spannungselemente verbreiten, sind mir unbegreiflich. Die Reize und Aussagen, die "A lady vanishes" präsentiert bzw. sich zu erzeugen müht, wirken sehr zeitgeistverhaftet. Und beispielsweise dann, wenn sich der Film offen anti-pazifistisch gibt, auch wirklich ärgerlich.