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Die junge und schöne Iris Henderson (Margaret Lockwood) lernt bei einem Urlaub in "Bandrika" (ein Phantasiestaat auf dem Balkan) die ältere Dame Miss Froy (May Whitty) kennen. Auf der Heimreise nach England verschwindet diese während der Zugfahrt plötzlich spurlos aus ihrem Abteil. Iris macht sich auf die Suche nach ihr, doch die anderen Fahrgäste (u.a. zwei Chricket-Verrückte, ein Anwalt und seine Geliebte, ein italienischer Zauberer und ein Arzt) und das Zugpersonal behaupten, die Frau niemals gesehen zu haben. Einzig der Schriftsteller Gilbert (Michael Redgrave) glaubt Iris (zunächst aber nur, da er sich für sie interessiert) und gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach Miss Froy. Noch ahnen die Beiden nicht, dass sie sich mitten in einer wilden Spionagegeschichte befinden, in der nichts so ist, wie es zunächst scheint...

The Lady Vanishes ist einer der letzten und in meinen Augen auch einer der besten Filme aus Hitchcocks britischer Zeit. Wie in seinen unmittelbar vorherigen Werken (The Men Who Knew To Much, The 39 Steps, Secret Agent) nimmt uns Hitch auch hier wieder mit in die Welt der Spione, Verschwörungen und des doppelten Spiels. 
Das erste Drittel deutet dabei zunächst aber eher auf eine unterhaltsame Komödie hin. Ein Großteil der Charaktere der sich später auch im Zug wiederfindet, sitzt aufgrund einer Lawine in einem kleinen Hotel am Bahnhof fest. Hier kommt es zu allerlei skurrilen Situationen (herrlich dabei besonders die beiden Chricketfans und das erste Aufeinandertreffen von Iris und Gilbert) und von Agenten und Thrill ist noch nichts zu merken. Erst kurz vor der Abreise, beginnt sich der Film langsam in Richtung Krimi zu entwickeln, als ein Sänger, der bisher eingentlich gar keine Rolle gespielt hat,  vor dem Hotel ermordet wird und Iris einen Blumenkübel auf den Kopf geworfen bekommt.
Während der Zugfahrt wird die Spannungsschraube dann ordentlich angezogen, ohne dass der typisch britische Humor verloren geht (Gilbert hat immer einen flotten Spruch auf Lager und auch die Chricket-Anhänger halten sich mit lustigen Kommentaren zum Glück nicht zurück). Die Suche nach Miss Froy  bietet zudem noch allerlei Action (Abteilwechsel durch offene Fenster während der Fahrt, Schlägerein, Schießereien) und die vielen Wendungen in der Geschichte machen einfach Spass. Immer wieder werden neue Fährten gelegt und auch wenn man eigentlich schon weiß oder zumindest ahnt, wieso? weshalb? warum?, gehts trotzdem erst noch einmal in eine andere Richtung. Gut für die Spannung ist auch die Beschränktheit der Location. Der Zug fährt. Der Zug hat ein Anfang und ein Ende. Der Zug hat schmale Gänge und kleine Abteile. Und irgendwo hier MUSS die alte Dame sein. Zudem ist die Auflösung für die Geschehnisse sehr schön geraten und sicher nicht unbedingt so zu erwarten.
Die Schauspieler sind ebenfalls durch die Bank weg gut, wobei mir besoners Bsil Radford als einer der beiden Chricket-Verrückten gefallen hat. Auch Schnitt, Regie und der Rest stimmen. Einziger Kritikpunkt sind vielleicht die aus heutiger Sicht doch etwas komisch anmutenden Schuss- und Prügelszenen. Aber darüber kann ich getrost hinwegsehen, da man einen Film auch immer im Kontext seiner Entstehungszeit sehen sollte und außerdem macht alles Andere dieses vermeintliche Manko locker wieder wett.

Unter dem Strich bleibt ein frühes Highlight Hitchkocks, dass noch eher auf eine Mischung aus Witz und Spannung setzt, als auf die pure Suspense späterer Meisterwerke wie Psycho oder Vertigo. Von mir gibts dafür in jedem Fall eine uneingeschränkte Empfehlung und das Versprechen, bei nächster Gelegenheit wieder eine Fahrkarte für diesen Trip zu lösen. (8/10)

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