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Comicverfilmungen der unbekannteren Art: Außerhalb von Fankreisen ist die „Guyver“-Reihe kaum bekannt, wobei die Realverfilmungen von Steve Wang immerhin noch ein wenig die Popularität steigerten.
Für großartige Einführungen lässt sich die Brian Yuzna Produktion aber keine Zeit, stattdessen wird mittels Textvorspann kurz geklärt, worum es überhaupt geht. Außerirdische dokterten in grauer Vorzeit an menschlichen Genen herum und erschufen die so genannten Zoanoids, Mutanten, die sich als Menschen tarnen können. Geheimwaffe ist der Guyver, eine biomechanische Rüstung, die des Trägers Kräfte erhöht. Um dieses Wunderteiles willen wird zu Filmbeginn auch direkt Dr. Tetsu Segawa (Greg Paik) von fiesen Zoanoids ermordet, die für Chronos Corporation arbeiten, welche die Weltherrschaft anstrebt.
Während der Wissenschaftler sein Leben lässt, trifft sich seine Tochter Mizky (Vivian Wu) noch mit ihrem Freund, dem leicht verpeilten Sean Barker (Jack Armstrong). Als sie von dem Polizisten Max Reed (Mark Hamill) zum Tatort gebracht wird, folgt Sean ihnen heimlich und findet die zuvor von Dr. Segawa versteckte Guyver-Einheit, die sich in seinem Körper einnistet. Natürlich war Sean bisher nie der große Held, bekommt beim Kampfsport auf die Moppe und dergleichen, aber dieses Schicksal teilt er auch mit Superman und Spiderman in ihren bürgerlichen Existenzen.

Noch ahnt Sean allerdings nichts von den Fähigkeiten des Guyver, nach dem die Zoanoids immer noch suchen. Da sie mit ihrer Suche jedoch bei Mizky beginnen wollen, findet Sean bald heraus, was das Teil überhaupt kann...
Der von den Effektspezialisten Screaming Mad George und Steve Wang inszenierte erste „Guyver“-Realfilm ist eine echte Low Budget Achterbahnfahrt, die selten zum Stoppen kommt. Fast pausenlos wird das Trio aus Held, Freundin und anfangs ungläubigem Cop gejagt sobald die Einführung vorbei ist. Dabei ist das Budget merklich knapp, was man Locations und Kostümen jedoch nur leicht anmerkt, denn die Macher kitzeln wirklich das Maximum aus den begrenzten Mitteln heraus, die ihnen zur Verfügung standen, weshalb man „Guyver“ eine gewisse Atmosphäre nicht absprechen kann.
Leider macht der Film jene tollen Ansätze sehr häufig kaputt, vor allem durch den penetranten Versuch humoristisch daherzukommen. Dass ein Mutant auf ein Filmset gerät, an dem gerade eine von Linnea Quigley gespielte Scream-Queen agiert, ist noch ein netter In-Joke, die „Der weiße Hai“-Parodie ein echter Brüller, ansonsten sind viele Gags ausgesprochen platt. Tiefpunkt des Ganzen sicherlich der Zoanoid in der Tarnidentität als schwarzer Ghetto-Bruder, dem das Script einen (meist gereimten) Klischeesatz nach dem anderen in den Mund legt und dessen nerviges Gesabbel leider auch in seiner Mutantenform nicht aufhören will. Zudem ist die Chose bisweilen etwas zu bunt geraten, was die Stimmung dann auch ein wenig zerstört.

Ein weiterer, wirklich sehr guter In-Joke ist das Auftauchen des Doktoren-Duos aus Dr. Gordon und Dr. East, wobei letzterer von Jeffrey Combs gespielt wird. Sein „Re-Animator“-Gegenspieler David Gale gibt auch in dieser Brian Yuzna Produktion den Oberfiesling und ebenfalls in den Reihen der Übelwichte ist „The Hills Have Eyes“-Kannibale Michael Berryman zu finden. Da macht es dann nicht ganz soviel aus, dass Jack Armstrong als Hauptcharakter reichlich blass ist, Vivian Wu kaum Akzente setzen kann und Mark Hamill als abgewrackter Bulle nur routiniert Stereotypen zitiert.
Für den Actionfan sind sicherlich die Kloppereien interessant, bei denen die Kontrahenten in dicken Gummikostümen stecken. Insofern sind die Leistungen des Martial Arts Teams schon erstaunlich, wenngleich nicht alle Kampfchoreographien so wirklich überzeugen und das Treiben gelegentlich etwas zu unspektakulär ist (da hat das Sequel mehr zu bieten). Das ist schade, denn rein actiontechnisch macht „Guyver“ schon mehr als ähnliche Sachen wie z.B. „Turtles II“ oder „Power Rangers“.

Insgesamt ist „Guyver“ ein kleiner, leider unterfinanzierter, wenig spannender und etwas unspektakulärer B-Film. Zwar können Screaming Mad George und Steve Wang die Mängel durch viel Atmosphäre, gelungene Make-Up Tricks und solide Kampfszenen etwas ausbügeln, der kindische Humor macht aber leider viel kaputt – leider bloß unterer Durchschnitt.

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