Inhalt:
Hongkong in den Jahren 1953-55. Es sind jene Jahre, in denen die Polizei der Kronkolonie in weiten Teilen mit äußerster Willkür versuchte, dem Verbrechen in der Stadt Herr zu werden.
Jiang Chai (Liu Yung), ein junger Mann, dessen Partnerin Xia Lin (Helen Poon) von ihm schwanger ist, gerät in das Visier der Behörden.
Als sein Freund Bao San (Lam Fei Wong) von der Polizei eines Raubes beschuldigt wird, entgegnet er den Beamten, dass er und sein Freund zur besagten Zeit des Raubes am vorherigen Tag im Kino waren.
Inspector Wang (Si Wai) ist einer dieser Polizisten, die eine beinahe unbegrenzte Willkür ausüben. Er lässt sowohl Bao als auch Jiang festnehmen, und insbesondere Jiang wird übel behandelt..., und Jiang bespuckt den sauberen Beamten.
Nunmehr landet Jiang in einem der berüchtigsten Gefängnisse Hongkongs..., und einer der obersten Vollzugsbeamten ist ausgerechnet ein Cousin von Wang, Ho Yin Wong (Chan Shen)!
Von daher schon mal keine guten Karten für Jiang...., und als Jiang auch noch eine Kollaboration mit einem der Mitinsassen, die was zu sagen haben, Brother Meng (Wong Yung), ablehnt, beginnt für Jiang ein Märtyrium!
Brutalität, Demütigung, Misshandlungen und Drogenmissbrauch..., willkürliche Beamte, die mit den in der Knast-Hierarchie oben stehenden Verbrechern gemeinsame Sache machen, dies ist der harte Alltag im Gefängnis, und Jiang steht im Zentrum dieser Spirale.
Lin (Fan Lei) ist eine Beamtin, die versucht, diesen Sumpf aus Willkür und Kollaboration mit den Verbrechern trocken zu legen. Sie kämpft verzweifelt auch um Jiang´s Schicksal..., und Bao San schleust sich in das Gefängnis ein, um Jiang zu helfen.
Mit seiner und Lin´s Hilfe gelingt es Jiang dann gar, den Spieß umzudrehen..., und Ho Yin Wong landet nunmehr selbst im Knast!
Nach der Entlassung Jiang´s beginnt für Jiang ein eher armseliges Leben..., keine guten Jobs, kein Geld. Und er gerät wieder mit dem Gesetz in Konflikt, muss wieder ins Gefängnis. Nach seiner Entlassung kann er immer noch auf die Hilfe Lin´s und dies eines neuen Freundes, Min (Chen Kuan Tai), welcher selbst 13 Jahre im Gefängnis verbrachte, zählen.
Doch Xia Lin und die gemeinsame Tochter verlassen Jiang....!
Und Inspector Wang hat Jiang nicht vergessen..., als dieser ihm durch seinen Handlanger Xin Gui (Ai Fei) eine Falle stellt, nimmt das Drama seinen Lauf...........
Fazit:
"Invincible enforcer"..., so heißt das im Jahre 1979 vom Regisseur Cheng Kang ("Pursuit", "14 amazons", "The sword of swords") für die Shaw Brothers realisierte, etwas handzahme Knast-Drama mit Liu Yung in der Hauptrolle.
Regisseur Cheng Kang wollte einen etwas ambitionierteren Streifen drehen, welcher die Willkür von Vollzugsbeamten im Straf-Dienst und der Polizei hinsichtlich der Verbrechensbekämpfung anprangern sollte...., und eine Frau, die Beamtin Lin, dargestellt von Fan Lei ("The snake prince"), sie erzählt hier die Dinge aus ihrer Sicht. So ist denn Lin hier auch anfangs und in anderen Sequenzen des Streifens als Off-Sprecherin zu hören, was dem Film eine halbdokumentarische Aura verleihen soll. Das ist an sich ein guter Ansatz...., doch gelingt es Cheng Kang leider nicht ganz, das ganze auch richtig dramatisch umzusetzen.
Natürlich wird der brutale Knast-Alltag mit all seinen Demütigungen für einen nicht ganz angepassten und an sich weichen Mithäftling hier schonungslos gezeigt, es kommt zu harten Szenen. Doch wird in diesem Streifen auch viel dialogisiert..., und die Härten im Vollzug und die Szenen, die davon handeln, dadurch etwas verwässert.
Dann geht Cheng Kang die "Zeit nach dem Gefängnis" an...., die "wahre Strafe" beginnt ja oftmals erst dann..., soziale Isolierung, Abwenden von Verwandten, Bruch von Beziehungen...., Armut. In etlichen melancholischen Szenen versucht Cheng Kang dies einzufangen..., bemüht, doch irgendwie ohne Pep.
Dann schwenkt Cheng Kang wieder auf Drama um..., und die Sache wird auch noch mit etwas Action angereichert...., doch zu spät und relativ gerafft..., vorab hat der Film schon über anderthalb Stunden lang den Betrachter gefordert, teils eingelullt.
Schade..., denn aus diesem Stoff hätte man mehr machen können, ja machen müssen! Von einem Knast-Drama erwartet man eben mehr.... DRAMA...., weniger Dialoge, weniger Melancholie, mehr Härte und Brutalität..., beides wird in Ansätzen geboten, doch der Betrachter erwartet bei so einem Streifen mehr davon.
Die Darsteller sind sehr bemüht, und machen ihre Sache insgesamt gut, wenngleich sie schwer gegen das Gesamt-Manko des Films ankommen.
Liu Yung verkörpert den geschundenen Haupt-Akteur..., er hat seinen Stolz, will diesen im Knast nicht einbüßen..., kämpft, schreit, sein Selbstbehauptungswille ist intakt.
Fan Lei...., sie ist die Beamtin, die die Willkür bekämpft...., doch wirkt sie wie eine brave Polizei-Azubine mit Notizblock in blütenweißer Bluse und schwarzem Rock... "Das darf man doch nicht!" ist ihr Credo..., zahm und zaghaft wirken ihre gut gemeinten Aussagen und Aktionen.
Si Wai ("Deadly angels") gibt den willkürlichen Inspector..., gut gekleidet und karieregeil..., deshalb will er schnelle Erfolge, daher schnelle Verhaftungen. Si Wai bleibt allerdings in seiner Figur einförmig..., da hätte es mehr bedurft.
Shaw´s bärbeißiger Rohling Chan Shen spielt den Cousin Si Wai´s..., ein korrupter Vollzugsbeamter mit Hang zum Sadismus. Chan wie ihn Shaw-Fans kennen..., wirklich gut. Doch hätte man seine Rolle, seine Gemeinheit noch weiter entwickeln können.
Das Heer der Mitgefangenen angeführt von Wong Yung...., sie gröhlen und schlagen sich, sind grob veranlagt...., und haben natürlich keine Manieren. Das war zu erwarten..., doch irgendwie fehlte was, die Atmosphäre ist noch viel zu sauber für so einen Film..., das ganze hätte vielleicht eher in einem Außen-Camp spielen müssen, mit Morast und Schmutz und noch mehr Brutalität...., tja.
Lam Fei Wong spielt den etwas überdrehten Freund Liu Yung´s..., dafür ist der Gast-Star dieses Streifens, Shaw-MegaStar Chen Kuan Tai hier ein ganz anderer Typus. Chen ist ein Lichtblick ... er spielt einen ehemaligen Gefangenen, ruhig, geläutert, überzeugend..., sich nach seiner Tochter sehnend..., und Liu Yung in melancholischen Szenen etwas Halt gebend. Eine zurückhaltende aber irgendwie auch starke Performance von Chen Kuan Tai. Ist ja auch okay, wenn man dadurch Aussage reinbringt, und einen harten Film auflockert..., wenn es denn ein richtig harter Knast-Film gewesen wäre.....
In diesem Film hätte man auch richtig Action erwartet. Doch ist dieser Film kein Actioner, und ein Eastern schon gar nicht. Ein paar Grobheiten..., es fallen ein paar Schüsse, und Liu zeigt in einer Szene gekonnte Tritte..., ein bissel KungFu, nur in einem kurzen Ansatz...., das war´s eigentlich schon. Mit mehr Action..., richtig harten Fights, hätte Cheng Kang seinen Streifen noch richtig aufmöbeln könne....., hätte.
"Invincible enforcer" ..., ein Knast-"Drama" mit Längen und mehr oder weniger großen Schwächen. Man kann sich den Streifen angucken...., er bietet interessante Ansätze und Sozial-Kritik. Doch Cheng Kang vergibt auch eine große Möglichkeit..., die Möglichkeit, einen richtig dramatischen Knast-Thriller zu drehen..., da bleiben die guten Ansätze in Längen und Dialogisierungen stecken.
"Invincible enforcer"...., über noch wohlwollende 6/10 Punkte kommt dieses Werk meiner Meinung nach nicht hinaus.....