„The Jungle Book 3 – Judgment Day“ oder “Ruckzuck ist die Fresse dick!” – wären ebenfalls passende Titel für den nächsten Streich von Kampfsporthoffnung Tony Jaa, der nach „Ong Bak“ ja in aller Munde ist.Der junge Mann lässt es hier anderthalb Stündchen so nach Herzenslust krachen, dass Quentin Tarantino nach seinen Häckselorgien in „Kill Bill Vol.1“ die Ohren jetzt noch klingeln müssten.
Für eine sachliche Kritik muß man in der Klopp-Euphorie natürlich etwas zurückstecken, denn wenn Martial-Arts-Filme an etwas leiden, dann meistens an dem Vehikel Handlung und an nicht vorhandenen schauspielerischen Leistungen.And so it goes with „Revenge of the Warrior“, der wieder einmal beweist, dass man auch mit hohlen Filmnüssen einen Mann erst mal feuchtfröhlich zur Ikone stilisieren kann, obwohl er bisher nicht in der Lage ist, den Gesichtsausdruck zu wechseln.Ein Schauspieler wird Jaa wohl nie mehr, aber das kann sich auch der selige Bruce Lee nicht vorwerfen lassen, der ja ein Meister darin war, vor allem sich selbst ernst zu nehmen.
„Revenge…“ bringt den typischen Kampfsportunterboden mit und lullt den Zuschauer erst mal mit einer idyllischen Startviertelstunde ein, der direkt aus dem Hause Mogli und Co stammen könnte, bis skrupellose Elefantenklauer zwei Dickhäuter auf den nächsten Kontinent entführen (hier: Kängeruhland). Wo amerikanische Jungen auf der Suche nach ihrem treuen Wauwau jaulend durch die Great Plains zogen, macht Jaa keine Gefangenen.„Wo ist mein Elefant???“ schreiend, stellt er sich, egal wo, zwischen alle Stühle und wer nicht antwortet, endet minimum mit ausgerenktem Arm oder durchgetretenem Schienbein.
Da Thailand diese Prügelorgie offenbar als internationales Prestigeobjekt ansah, wurde auch noch alles hineingepfeffert, was keiner brauchte. Als da wären: ein Triaden/Mafia-Gerangel rund um die Clan-Nachfolge, ein völlig motivationsloser Mord an einem Generalsekretär, ein thailändischer Polizist in Australien als Hero-Sidekick, eine Gruppe korrupter (natürlich westlicher Bullen), Elefantensnacks, eine fiese Mordverschwörung und sonst noch was.
Das fragile Etwas namens Plot hält diesem Auflauf natürlich nicht stand, da es eh nur als Lückenfüller für die ausgedehnten Kampfszenen dient, in deren Abfolge Jaa gleich Hunderte von Widersachern die Knochen verdreht, bis sie lachen.Vor allem der typisch asiatische Humor, den sein Polizistenkollege verbreitet, wirkt unnötig hier und die schön beknackt aufgebaute Mordverschwörung wird am Ende nicht mal aufgelöst, nachdem man Hunderte von Leuten platt gemacht hat, wird man dem armen Thailänder schon glauben, zumindest wird man so doof nach Hause geschickt.
Aber darum geht es in diesem Genre auch gar nicht, hier soll es krachen und das aber dann richtig. Und Jaa liefert, in dem er in einer Sequenz ohne erkennbare Schnitte, ein ganzes Freudenhaus/Restaurant/Spielhöhle über 5-6 Etagen niedermacht, während sich die Kamera wie in einem Videospiel im Hintergrund begleitend bequem macht. Irgendwo zwischen „Tomb Raider“ und Semi-Doku fängt dann der Spaß an.Vorher muß noch ein Drei-Dutzend-Schlägertrupp und kleinere Ansammlungen dran glauben, zwischendurch der „Capoeira“-Schläger und ein „Wushu“-Schwertkämpfer mal ein wenig Abwechslung und wenn gar nichts geht, taucht Mörderhüne Nathan Jones auf und versucht, unseren Kleinen zu Klump zu hauen. Wie im Videospiel steigert sich dabei die Gegnerschaft ins comichaft Lächerliche, wenn am Ende gleich eine Hundertschaft verbogen und dann noch ein halbes Catcherteam ins Abseits befördert wird.Wer bei dem Aufmarsch von Knochenbrechern nicht fröhlich jodelnd zwischen den Sitzen liegt, muß dringend das Genre wechseln.
Kennzeichen der hervorragenden Qualität, ist die Tatsache, dass Jaa das alles selbst macht, jeden Stunt, jeden Move, jeden Kick und das auch noch ohne erkennbares Wirework. Ungeheure Akrobatik, wahnsinnige Körperbeherrschung und Reaktionszeiten jenseits von schnell machen den Film zur Erfahrung.Und weil es effektiv sein muß, ist Jaa dabei nicht nur frisch, sondern auch brutal und gnadenlos, selten wirkten Fights so kurz und schmerzhaft realistisch.
Ernst nehmen kann man das alles nicht, im Gegenteil, die harmonischen Elefantenszenen wirken für westliche Gemüter bisweilen fast schon lächerlich idyllisch, die Dialoge sind grauenhaft (aber kurz), der Schnitt ist gewöhnungsbedürftig und die Bilder bleiben körnig, während die oft verwendete Handkamera das Publikum nervös machen kann. Von Regieleistung möchte ich erst gar nicht sprechen.Wer aber auf Jaas Kunst fokussiert, wird den Film des Jahres sehen.
Natürlich ist das nichts für die intellektuelle Fraktion, das ist adrenalingesteuerter Aggressionsabbau in Reinkultur – und hat rein gar nichts mit Realismus zu tun. Natürlich wird’s einige Unverbesserliche geben, die einen Film an diesem Anspruch festmachen, aber die sitzen auch in „Superman“ und beschweren sich, dass der Typ fliegen kann.
„Jungejunge, ne polierte Fresse müsste genauso glänzen!“ sagte einstmals Bud Spencer in „Plattfuß in Afrika“ – hier tut sie es. (7,5/10)