"Ich such meinen Elefanten."
Mit "Ong-Bak" gelang Tony Jaa der internationale Durchbruch. Sagenhafte Kämpfe, die alle authentisch und ohne Wirework oder ähnlichem auskamen, zeichneten diesen Film aus. Mit "Revenge of the Warrior" erscheint der zweite Martial-Arts-Brecher mit dem äußerst agilen Darsteller, der seinen Vorgänger in allen Disziplinen zu überbieten versucht.
In einem Dorf in Thailand lebt der Elefantenzüchter Kham (Tony Jaa) mit seinem Vater. Wilderer haben es auf den Nachkommen von zwei der größten Elefanten der Zucht abgesehen, werden aber von der Elefantenmutter zurück gehalten. Die Eindringlinge erschießen sie, flüchten aber ohne Beute. Kham's Vater will den verbliebenen Elefantenbullen dem Herrscher des Landes als Geschenk vermachen und lässt ihn einer Prüfung unterziehen. Dabei wird der Bulle sowie sein Nachwuchs von den Wilderern entführt und Kham's Vater niedergeschossen. Durch das innige Verhältnis zu seinen Elefanten folgt Kham den Entführern nach Sydney.
In der für ihn fremden Welt trifft er auf seiner Suche auf zögerliche Unterstützung durch den trotteligen Polizisten Mark (Petchai Wongkamlao), während er sich mit dem vietnamesischen Kämpfer Johnny (Johnny Nguyen) anlegt. Die Spur führt weiter zu einem Drogensyndikat unter der Leitung von Madame Rose (Xing Jing), die sich mit den Elefanten selbst brüsten will.
Dass bei einem Film in dem diverse Kampfkünste im Focus stehen die Handlung eine eher untergeordnete Position einnimmt und nur als loser Rahmen für die nächste Kampfszene dient, dürfte klar sein. Völligst uninspiriert kopiert diese allerdings bereits in "Ong-Bak" vorhandenen Elemente. Statt eines Steinbuddha werden diesmal Elefanten entführt, erneut steckt eine große, verbrecherische Organisation dahinter und auch hier macht sich eine auf dem Lande aufgewachsene Person auf in die unbekannte Großstadt.
Geklaute Elemente müssen nichts schlechtes bedeuten. "Revenge of the Warrior" präsentiert seine Handlung jedoch so unprofessionell und ermüdend, dass man dazu geneigt ist zur nächsten Actionsequenz zu spulen. Die Figuren sind mit Klischees übersät, die Geschichte wird lieblos und mit abrupten Sprüngen erzählt. Letzteres verursacht die internationale Fassung, die mit ca. 20 Minuten weniger Filmmaterial zu einem unverständlichen Flickenteppich geworden ist. Die Originalfassung bietet zwar ebenso wenig Feingefühl bei der Figurenzeichnung, hält aber zumindest die Rahmenhandlung durch eingestreute Nachrichtenbeiträge besser zusammen.
Da sich zudem die Elefanten-Mensch Beziehung als sperrig erweist und die ersten 30 Minuten völligst ohne Geplänkel auskommen, ist zumindest zu Beginn Geduld gefragt.
Nach dieser Einstiegsphase kommt etwas Schwung in den Film. Ein kurzer Cameo Auftritt von Jackie Chan läutet den Wechsel von nicht funktionierendem Charakterdrama zu spektakulärem Martial-Arts-Film ein. Zunächst sind die Nahkämpfe noch etwas vorsichtig und ohne große Wucht präsentiert. Dies ändert sich aber mit zunehmender Laufzeit. Neben einigen Sequenzen die Jaa's Schnelligkeit und Beweglichkeit, sowie verschiedene Kampfstile demonstrieren, gibt es zwei absolute Höhepunkte, die bislang so noch nicht zu sehen waren.
Der eine ist ein Duell zwischen Jaa und einem Capoeira Kämpfer, der den brasilianischen Kampftanz in hohem Tempo vorführt. Der Zusatz in Form eines wässrigen Untergrundes gibt dieser Sequenz eine unerwartete optische Brillanz.
Der andere ist eine mehrminütige, am Stück gedrehte Actionszene durch mehrere Stockwerke eines großräumigen Hauses. Die Qualität der Akrobatik von Jaa ist hier durch die extrem lange Szene zwar weniger zu sehen als bei anderen Sequenzen, der Umstand der unmittelbaren und sehr vielfältigen Präsentation von Schlägen und Tritten sowie aufwendigen Stunts lässt jedoch eine enorme Nähe und Glaubwürdigkeit zu.
Gegen Ende nehmen die Kloppereien immer mehr an Härte zu und bieten Verrenkungen die sichtbar weh tun. Nicht gerade zimperlich geht die Hauptfigur da mit ihren Gegnern um, bricht klangvoll Knochen und fügt ihnen blutige Verletzungen zu. Zwingend nötig wäre dies nicht gewesen, zumindest ist diese Härte aber passender als der hin und wieder eingestreute, alberne Witz oder die sinnfreien Dialoge
"Revenge of the Warrior" ist kein Film der mit schauspielerischen Leistungen glänzt. Tony Jaa präsentiert sich zwar äußerst beweglich, hat aber keinen Sinn für glaubwürdiges Minenspiel bei persönlicheren Szenen. Petchtai Wongkamlao ("The Bodyguard") hat diesmal eine nicht ganz so bestimmende, aber ebenso unnötige Rolle wie bereits in "Ong-Bak" und sorgt für nicht zünden wollenden Humor.
Wer "Ong-Bak" kennt weiß was auf ihn zukommt. "Revenge of the Warrior" enthält das Grundgerüst des inoffiziellen Vorgängers, den gleichen sinnfreien Handlungsablauf inklusiver ausdrucksloser Dialoge sowie ausgefallene und spektakuläre Kampfchoreografien völligst ohne Hilfsmittel. Die bruchstückhafte Erzählweise setzt sich aus 20 Minuten fehlendem Materials zusammen. Geduld ist zu Beginn gefragt. Erst mit zunehmender Laufzeit entlohnt der Martial-Arts-Film mit wirklich ansehlichen Kampfkünsten.
7 / 10