Review

Den Mißerfolg von „Endlich sind wir reich“ hat Hitchcock laut eigener Aussage immer bedauert, allerdings ist aus heutiger Sicht nicht mehr so recht verständlich, wo der Reiz des Films gelegen haben soll.

Für 1932, eine Zeit, in der der Tonfilm schon mündig war und große und gut angelegte Produktionen hervorgebracht hatte, wirkt der Film überaus experimentell, wenn nicht unentschlossen. Heute kann man ihn eigentlich nur als eine Art Kuriosum sehen, in einem Rutsch genießen läßt er sich nicht.

Die Story dreht sich um das Ehepaar Fred und Emily, das sich endlich etwas gönnen möchte, bzw. er möchte seiner Frau etwas bieten und eine vorgezogene Erbschaft ermöglicht eine große und edle Schiffsreise.
Doch das glückliche Paar lebt sich genau bei der Erfüllung dieses Luxustraums baldigst auseinander, erst aufgrund besonderer Umstände (seine Seekrankheit, sie läßt sich von einem Commander die Zeit vertreiben und entwickelt Gefühle für den Mann), dann nach der Gesundung Freds läßt er sich von den Verlockungen einer vermeintlichen Prinzessin hinreißen.

Es ist schön zu sehen, wie die verborgenen Konflikte hier langsam aber sicher an die Oberfläche sickern – ein Paar, das zu viele unausgesprochene Probleme hat, die sie sonst vielleicht nie bemerkt hätten.
Die Stoy hat dabei bemerkenswerte Konsequenz, denn Fred läßt es tatsächlich zum Ehebruch kommen, Emily küßt mehrfach den Commander und stürzt diesen in Liebesnöte und die Ehe geht pro forma den Bach herunter – das wird auch noch laut ausgesprochen.

Inseznatorisch ist dieses Wagnis jedoch nicht sonderlich eindrucksvoll umgesetzt – Hitchcock entwirft einen vignettenhaften Bilderbogen, der einzelnen Szenen und Reisestationen Texttafeln vorstellt und nicht wenige davon wirken deplaziert oder verwirren, weil sie letztendlich obsolet sind. Der ganze Film zerfällt in abgehackte Einzelszenen und wirkt nicht wie ein großes Ganzes, sondern wie ein Blick ins Fotoalbum, bei dem die Bilder nur mühsam eine zusammenhängende Geschichte erzählen.

Wirkt der Anfang noch häufig komödiantisch, so mehren sich in der Folge die ernsten und tragischen Töne, kommt Herzschmerz auf und die Eheleute wirken auf das Publikum eher befremdend. Noch seltsamer mutet da die bebrillte Klatschbase als Mitreisende an, die wohl das Humorpotential ausreizen soll, aber eher wie ein Streckmittel wirkt.
So entsteht ein Film, wie ihn verblüffenderweise Jacques Tati erst 15 Jahre später drehte, viele kleine amüsante oder tendenziell interessante Einzelszenen, nur die Nachhaltigkeit ist hier nicht gegeben, bis es dann endlich zur finalen Schiffskatastrophe kommt und die beiden als Einzige auf ihrem sinkenden Dampfer zurückbleiben.
Leider gelingt es nach dieser Flickschusterei auch nicht, die Wiederversöhnung überzeugend darzustellen, so endgültig zerbrochen wirkt vorher die Ehe.

Insgesamt also eher ein episodischer Patchworkfilm, mal amüsant, mal traurig, aber irgendwie schon damals unmodern und behäbig – ein später Rückfall an die Mechanismen des Stummfilms darüber hinaus. (4/10)

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