Review

Montag ist Goretag


Herrschell Gordon Lewis, der Uropa des Gore, selbst ein Zauberer der freiliegenden Eingeweide und offenen Schädel. In „Wizard of Gore“, seinem hinter „Blood Feast“ wohl bekanntesten Werk, lässt er einen mysteriösen Magier los, der live auf der Bühne Leute zersägt oder ihnen Schwerter in den Rachen steckt. Gut, dass diese immer recht zuverlässig wieder unbeschadet im Publikum Platz nehmen. Blöd, dass diese „Freiwilligen“ kurze Zeit später ebenso zuverlässig tot aufgefunden werden - mit den tödlichen Wunden und Verletzungen aus der Show! Ist ein bizarrer Verehrer von „Montag the Magician“ unterwegs? Oder hat dieser selbst etwas mit den zerfledderten Leichen zu tun? Wir als Publikum haben früher oder später das Blut an unseren Händen und zelebrieren gefährlich die Geilheit auf Tod und Schmerzen...

Was soll man zu diesem blutigen Zauberkasten noch schreiben? Keiner außer Lewis hätte ihn auf die Beine stellen können. Miserable Darsteller, wirre Schnitte, aus heutiger Sicht eher eine lächerliche Gedärmmatscherei - und doch, passend zum Thema, irgendwie auf seine billige B-Movie-Art ganz bezaubernd. Das psychedelische, plötzliche Ende sehe ich eher als Cop Out und außer den Bühenschweinereien gibt das ungewöhnliche Murder Mystery wenig her, schürt mindestens genauso viel Leerlauf wie Ekel. Seine Wirkung verfehlen der mysteriöse Montag und seine Splattershow jedoch nicht. Das gab es in dieser Form zu seiner Zeit einfach noch nicht. Was sich heute witzig und comichaft anfühlt, machte damals mulmig und fühlte sich verboten an. Unser innerer Gaffer und Splatterspanner wird schonungslos offengelegt, was der saftigen Chose mehr Tiefe verleiht, als man denken könnte. Und dabei meine ich nicht die ebenfalls „tiefgehende“ Stanzmaschine durch den Bauch einer schönen Blondine. Ohne solche Tabubrecher hätte es sowas wie „Saw“ oder „Hostel“ nie gegeben. Hier wurde im Autokino die Messlatte verschoben. Gehörig und genial, ungeniert und den Leuten scheinbar genau das gebend, was sie schon immer mal sehen wollte. Gesichter des Todes statt Hasen aus Hüten. Zeitlos in seiner Message, mehr als angestaubt in seiner Umsetzung. Was kaum eine Rolle spielt. 

Fazit: kein fauler Zauber, sondern eine magische Splattershow, die jeder Horrorfan mal gesehen haben sollte. Ein Grundstein voller rotem Lebensart und Gedärmglitter. Einer von H.G. Lewis feinsten Ergüssen. Unappetitlich aber sehr nahrhaft für die Weiterentwicklung und den Wachstum des Horrorgenres! 

Details
Ähnliche Filme