Auf der Suche nach einer neuen Idee für seinen nächsten Film, sichtete Charlie Chaplin ein Foto, auf der hunderte Goldgräber einen Steilpass in Kanada besteigen. Das Thema des Goldrauschs, wie ihn Nordamerika seinerzeit erlebte, fing Chaplin sofort, und die Idee zu einem neuen Film war geboren. Trotz erschwerter Umstände (Zu dieser Zeit erblühte der Skandal um die 16-jährige Lita Grey, die Chaplin schwängerte und heiratete, um einem weitläufigen Skandal aus dem Weg zu gehen) drehte der Meister des Stummfilms einen seiner persönlichen Favouriten zu Ende - es entstand ein weiteres Meisterwerk.
Chaplin stellt einmal mehr den Tramp da, der hier allerdings mit "Ein einsamer Goldgräber" im Vorspann betitelt wird. In der eisigen Kälte der Berge trifft ein Problem auf das nächste. Erst muss er sich eine Hütte mit zwei bulligen, unfreiwilligen Partnern teilen, dann geht Ihnen bei der Kälte das Essen aus, worauf der Goldgräber Big Jim perfide Gedanken bekommt und Charlie im Glauben, er sei ein Huhn, verspeisen möchte. Nachdem der Schneesturm abgeklungen war, verabschiedeten sich Charlie und Big Jim wieder in Freundschaft. Charlie zieht es in die Goldgräberstadt, wo er auf die schöne Georgia trifft, in die er sich Hals über Kopf verliebt. Sie benutzt ihn allerdings zuerst nur, um ihren Verehrer Jack eifersüchtig zu machen.
Charlie - der nun denkt, Georgia habe sich auch in ihn verliebt - freut sich über beide Ohren und weiter hinaus. Er lädt Georgia und ihre gackernden Freundinnen zum Silvesteressen ein. Leider verbringt er diesen Abend jedoch allein und verfällt in Trauer. Erst als Georgia - sich nun schuldig fühlend, weil sie das Essen verdrängt hat - den kleinen Tramp sehen und ihm alles erklären will, schöpft Charlie wieder Hoffnung. Alsbald findet ihn auch sein alter Kumpane Big Jim, der Charlie braucht. Big Jim hat nach einer Auseinandersetzung sein Gedächnis verloren und weiß nicht mehr, wo er seine Goldmiene hatte. Beide ziehen los und finden nach einer abenteuerlichen Reise in ihrer Hütte die Miene und werden reich. Zusammen mit Georgia fäng der einsame Goldgräber nun ein neues Leben an.
"Gold Rush" vereint viele legendäre Szenen. Unvergessen die Geschichte mit dem Schuh, der zum Erntedankfest eher mit Kummer gekocht und verspeist wird. (Das gequälte Gesicht Big Jims, als er den Schuh essen muss, ist übrigens nicht gespielt. Chaplin ließ die Szene sehr oft nachdrehen - der Schuh war aus Lakritz -, bis Big Jim Darsteller Mack Swain über Verstopfungsprobleme klagte und verständlicherweise Lakritze nicht mehr sehen konnte). Großartig auch der Tanz mit den Brötchen, der bis heute oft nachgespielt wurde, aber nie mit soviel Hingabe wie von Chaplin. Ein wahrhaftes Highlight dann nochmal gegen Ende, wenn Charlie und Big Jim unwissend in einer Hütte rumwandern, die zur Hälfte über einen Abgrund steht.
Man sollte sich allerdings je nach Möglichkeit die originale Stummfilmfassung aus dem Jahr 1925 anschauen, wie sie auch im Kino lief. Chaplin kam nämlich Anfang der 40er auf die Idee, Goldrausch neu zu überarbeiten. Letztlich fiel eine halbe Stunde Filmmaterial der Schere zum Opfer und Chaplin sprach nun den ganzen Film über aus dem Off. Er erläuterte manche Umstände, die vorher mit Texttafeln eingeblendet wurden, und lieh ab und an in Dialogen sich und seinen Partnern seine Stimme. Was im Original noch ganz lustig ist, eben weil Chaplins Stimme schon zum lachen animiert, fällt in der deutschen Übersetzung durch. Der Sprecher, der hier den Zuschauer den Film über begleitet, klingt wie ein gelangweilter Lehrer und will so gar nicht ins Grundschema passen. Wie gesagt, je nach Möglichkeit entweder die Stummfilm-Fassung oder die Original-Nachbearbeitung mit Chaplins Stimme.
Insgesamt also ein toller Film, der völlig zurecht in die Liste der 100 besten Filme aufgenommen wurde. Chaplin vereint Slapstick mit einem Hauch Sozialkritik, mischt eine Liebesgeschichte mit hinein und lässt den Tramp den Sieger am Ende sein. Hier vergeht die Zeit wahrlich wie im Flug, unterhaltsamer könnte ein Stummfilm nicht sein.
Fazit
Grandioser, gefühlvoller Ausflug in die eisigen Gefilde Kanadas, mit legendären Szenen und unglaublich vielen Lachern. Eine unbestrittene Perle der 20er.
10/10