Mit seinem vierten Film hat Andreas Schnaas endlich seinen cineastischen Sonderschulabschluss abgelegt: "Violent Shit 3" ist bisher die tolerabelste Leiche, die ich beim Durchstöbern des schnaas'schen Leichenkellers gefunden habe. Bei allem Mangel an Qualität hat mir der Film ein geradezu pubertäres Vergnügen bereitet, zumal nach dem tranfunzeligen Start der ersten halben Stunde eine hohe Was zum Fick?! - Dichte an hohl - vergnüglichen Szenen einsetzt.
Als eine Mehrgenerationengemeinschaft deutscher Meckertouristen auf einer scheinbar herrenlosen Insel zum notgedrungenen Landgang ansetzt merkt man noch nicht allzu vieles. Erst als sich die Drei in der unerfreulichen Mitte einer Gruppe Endzeit - Larper mit den mittlerweile berüchtigten Blechmasken aus Teil 2 wiederfinden riecht man aus der Ferne die Scheiße kochen.
In der ersten halben Stunde wird klar: die auf der Insel lagernden Dudes, allesamt Vasallen des berüchtigten Serienmörders Karl Berger alias "The Butcher" (hier: "Der Meister") fackeln nicht lange und nach 26 Minuten der verschiedentlichen Exekutionen und des Leichenrecyclings durch Camparzt Dr. Senius (im Übrigen einer der Ärzte aus "Zombie 90 - Extreme Pestilence") beginnt für die beiden überlebenden Seemänner und den aus der Sekte geschassten Söldner Leon die Hatz der jährlichen Menschenjagd der fröhlichen Pappkoppsekte. Dabei werden sie von zwei weiteren Rebellen unterstützt und metzeln und pöbeln sich durch den halben Film. Was, nur den halben? Ja, denn SPOILER! die beiden Hamburger Saftsäcke sind nicht gerade die hellsten Kerzen und leichtes Klingenfutter für die saudämliche Mordbande aus Killerkalles Kampfkommando SPOILERENDE!.
Auch, wenn ein Teil der Handlung schnell hinfällig wird, seinem infantilen Ideenreichtum sei Dank schmeißt Herr Schnaas uns mit Zombies, Ninjas und gar einem Gastauftritt der legendären fliegenden Guilliotine sowie dem Gefecht gegen einen Jason Voorhees - artigen Cyborg genug absurde Ideen entgegen, um seine ohnehin kleine Zuschauerschar bei Laune zu halten. So haben die Rebellen gegen Karls nicht näher spezifiziertes Regime immer genug zu schnetzeln und Schnaas himself im Barbaren - Cosplay immer mal wieder einen Grund, um seine Henchmen zur Sau zu machen, wenn er und sein Filmvater schon selbst kaum noch zur Wafe greifen. Dabei verzichtet der Regisseur dankenswerterweise darauf, Karl jr. die Stimme und Sprechweise eines wandelnden Behindertenwitzes aufzuzwingen und kloppt stattdessen einige herrlich dumme Einzeiler. Nur Bezeichnungen wie "Reismann", "Chop Suey" und "Schlitzauge" gegenüber den asiatischen Darstellern hätte sich Schnaas, der in diesem Moment eher den Schnaazi raushängen ließ, eindeutig sparen können.
Die Schlachtplatte des Schwachsinns ist um einiges ansprechender serviert als noch der Vorgänger. Besonders Leons Flashbacks haben bis zum Einsatz irgendwelcher Stopmotionparasiten einen großartigen 70's Horrorlook und die Knetegel, die seiner Frau den garaus machen sind immerhin drollig genug, um dem Zuschauer ein paar Lacher zu entlocken. Warum mal diesen Filmstil nicht beibehalten hat weiß ich nicht: der Abschnitt sieht großartig aus!
Insgesamt hatte ich meinen Spaß und kam voll auf meine nicht gezahlten Kosten, Streaming sei Dank. Wenn das spätere Zeug aus der Hamburger Heidenhölle nur ansatzweise soviel Spaß macht sehe ich mich in ein paar Jahren schon eine Deutschhorrorretrospektive moderieren. "Violent Shit 3" in drei mehr oder minder existenten Worten beurteilt ist "Ein schnaasoziales Filmvergnügen".